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Religion "lebt"!
Die stärkste Kraft im Menschen
Es gibt eine Kraft im Menschen, die erheblich stärker ist als der Selbsterhaltungstrieb, eine Kraft, die alle anderen Kräfte im Menschen deutlich zu überragen vermag.
Dem großen Tiefenpsychologen C.G. Jung ist es zu verdanken, dass er der Menschheit eine in der Wissenschaft bahnbrechende Erkenntnis vermittelte: Er hatte in zahlreichen psychotherapeutischen Sitzungen eine in der Seele wirksame "religiöse Funktion" festgestellt und den Menschen schließlich als "Homo religiosus" bezeichnet.

Aufbauend auf den Forschungsergebnissen C.G. Jungs hat Karlfried Graf Dürckheim eine Psychotherapie entwickelt, die er "Initiatische Therapie" nannte. Mit völlig neuen Methoden gelang es ihm, im Menschen "das Tor zum Geheimen" zu öffnen und das im Menschen angelegte "Wesen" (das Höhere Selbst) verstärkt im Alltagsleben wirksam werden zu lassen. Ein ganzes Dorf im Südschwarzwald (Todtmoos-Rütte) verwandelte sich in Jahrzehnten zu einem der modernsten initiatischen Therapiezentren der Welt.
Jung und Dürckheim fanden heraus, dass die in jedem Menschen angelegte "religiöse Funktion" häufig "zugedeckt" bzw. "verschüttet" und daher nicht spürbar wirksam ist. Als "zudeckende" Faktoren können beispielhaft genannt werden: Komplexe, Verdrängungen, Vorurteile, Verhaftungen im Kollektiven, Abhängigkeiten, Gewohnheiten, Bräuche, Ideologien, Fanatismen, mannigfaltige Ich-Haftigkeiten.
Vielfach erweisen sich seelische Notlagen als "Königswege nach innen". Psychotherapien führen häufig zum Auf- und Zusammenbruch alter Strukturen und dabei nicht selten zur Durchlässigkeit für das innere Selbst. Der "innere Weg", der "Individuationsweg", zeichnet sich während der initiatischen Arbeit immer deutlicher ab. Wer dem eigenen inneren Weg treu bleibt und seine innere Führung ernst nimmt, erfährt im Laufe der Zeit eine Zunahme innerer Transparenz für Transzendenz.
Die Begegnung des Ich-Bewusstseins mit dem Höheren Selbst bewirkt meistens eine grundlegende Veränderung des Lebens. Fortan begleitet den Menschen ein starkes Bedürfnis nach göttlicher Führung. Das Gedenken Gottes gehört "auf natürliche Weise" so selbstverständlich zum Alltag wie das Atmen. Jeder, der einmal von seinem inneren Wesen angerührt wurde, kann sich ihm nicht mehr entziehen und will diese Erfahrungen auch nie mehr missen.
Die Suche nach Gott, die Sehnsucht nach der wahren Heimat, wird zur ständigen "Melodie", die nicht mehr verklingt. Menschen, die Kontakt zu ihrem innersten Wesenskern hatten, agieren im Alltag völlig selbständig! Sie sind von anderen Menschen weitestgehend unabhängig, benötigen von ihnen weder Anregungen noch Bestätigungen. Sie sind zu außergewöhnlichen Leistungen imstande, ohne dabei von der Außenwelt auch nur die geringste Unterstützung zu erhalten. Wer aus großer Tiefe "gespeist" wird, kann Großes sogar gegen erhebliche äußere Widerstände im Alleingang verwirklichen. Der Betreffende weiß durch innere Führung stets sicher und genau, was zu tun ist und richtet sich nicht länger nach dem Denken anderer. Ein solcher Mensch ist im wahrsten Sinne "angeschlossen"; ein stetiger Fluss schöpferischer Kräfte und Gedanken bereichert sein eigenes Leben und das Leben seiner Umgebung.

Faszinosum und Tremendum
Menschen, die bislang von ihrem inneren Wesen nicht nachhaltig angerührt wurden und auf kein einschneidendes initiatisches Erlebnis zurückblicken können, betrachten "Religion" häufig aus intellektueller oder kollektiver Sicht. Sie setzen sich mit den göttlichen Texten bevorzugt "theoretisch" auseinander oder geben sich festgesetzten Riten und Betrachtungsweisen hin.
Intellektuelle religiöse Studien und das Durchführen ritueller Handlungen haben unbestreitbar ihren Nutzen, doch bewirken sie final eine gewisse "Blutleere", sofern der "innere Durchbruch" nicht erfolgt. Initiatische Durchbrüche sind keine plötzlich aufflackernden intellektuellen Erkenntnisse oder rituelle Geborgenheitsgefühle. Sie sind zumeist tiefgreifender Art und betreffen stets den ganzen Menschen, körperlich und seelisch.
Sie sind im tiefsten Sinne "existentiell" und erfassen den Menschen "in allen Fasern seines Seins". Solche Erlebnisse können nicht absichtlich herbeigeführt werden; sie sind nicht "machbar".
In den weitaus meisten Fällen treten initiatische Erlebnisse ohne Voranmeldung in das Leben und nahezu ausnahmslos in Notsituationen. Das Tor zum Geheimen ist keine Zimmertür, die man in bequemer Haltung durchschreiten kann. Durch dieses Tor geht man nicht, sondern "man wird hindurch gegangen". Erst mit einer solchen "Torerfahrung" weiß der Mensch, was "Tremendum" wirklich bedeutet und erst dann ist er zu einem tieferen Faszinosum fähig. Nach einer solchen Wandlungserfahrung kann der Mensch das Größenverhältnis von Ich und Seele in größerer Klarheit einschätzen und hat fortan die größte Hochachtung vor der eigenen Seele und deren Schöpfer!
Religion ist somit unendlich viel mehr als eine Anhäufung göttlicher Texte. Religion ist ein schöpferischer Urstrom von ungeheurer Machtfülle. Religion ist auch nach dem geoffenbarten Wort und nach dem körperlichen Hinscheiden des Offenbarers mit unvorstellbar großer schöpferischer Energie versehen. Wer den Mut und die Offenheit aufbringt, meditativ in größere Tiefen vorzudringen, kann sich von diesem schöpferischen Strom in der eigenen Seele anrühren oder gar mitreißen lassen. Bei Bereitschaft, im eigenen Erleben das religiöse Faszinosum und Tremendum gleichermaßen zuzulassen, entsteht zwangsläufig innerer Abstand, die Bahá'í-Religion, sprachlich mit einem "TUM" oder "ISMUS" enden zu lassen.

Gedanken des Autors zum Thema
"Bahaitum", "Bahaismus", zu "Bahai", "Bahaullah"und "Abdulbaha"
Die Namen "Judentum", "Christentum" und "Bahaitum" wecken in mir Bilder eines "Religions-Museums", in dem bereits längere Zeit weder Vorhänge noch Fenster geöffnet wurden, in denen der erfrischende Wind des Heiligen Geistes nicht mehr weht und das Zwanghafte in den Traditionen die verwandelnde Kraft des Ursprünglichen lähmt. Eine belebende Geste ist bereits sprachlich wirksam, sobald man sich für "mosaische Religion", "christliche Religion" und "Bahá'í-Religion" entscheidet.
Der Geist Bahá'u'lláhs, des Christus in der Herrlichkeit des Vaters, ist ein alles belebender Geist, der Altes, Hohles und Abgestorbenes hinwegfegt und geistig Tote zum Leben erwecken will. Diese mächtige, seit Jahrtausenden von allen bisherigen Gottesboten vorhergesagte Gottesoffenbarung kann meines Erachtens nicht mit einem TUM oder ISMUS enden. Beides hat eine um-, ab- und verschließende Wirkung.
Es ist beinahe, als stecke man die Bahá'í-Religion in einen Sack, binde ihn oben zu und beschrifte sodann mit großen Buchstaben eine Etikette.
Vorbezeichnete Wortendungen haben auf mich eine einrahmende, einengende bis erstickende Wirkung. Diese Endungen vertreiben den schöpferischen Geist des Lebens, machen aus Religion einen "Gegenstand", eine "Sache", ein "Objekt", ein lebloses "Etwas", das man zwar andächtig umschreiten und philosophisch betrachten kann, ohne aber dabei das erhebende "Faszinosum" und das aufrüttelnd-erschütternde "Tremendum" zu erleben, das wir dringend brauchen, um das bislang größte Werk der Menschheitsgeschichte zu vollbringen, das Gott uns allen als Aufgabe gestellt hat.
Die Vergangenheit lehrt uns: Je stärker Religion verwaltet, dogmatisiert und ritualisiert sowie intellektuell definiert, etikettiert und interpretiert wird, desto mehr schwinden die religiösen Erfahrungen. Religiöse Wirkungen müssen jedoch im Alltagsleben konkret erfahrbar sein, um ihre positiven Potentiale umfassend entfalten zu können.
Weiterhin: Eine göttliche Offenbarung kann nicht von ihrem Offenbarer getrennt werden, auch nicht nach dessen physischem Tod. Religion besteht nicht nur aus bloßen Texten. Göttliche Offenbarungen sind stets umfassend und vielschichtig "schöpferisch", weil das Wort Gottes weit über bloße Texte hinaus "schöpferisch" ist. Hinter den göttlichen Offenbarungen steht zeitlos die Wirkkraft ihres Offenbarers, die ihrerseits nichts anderes ist als die Wirkkraft Gottes, die durch den Offenbarer in die Menschenwelt weitergeleitet bzw. "gespiegelt" wird. Damit steht für mich zweifelsfrei fest, dass "Religion" kein "Gebilde", kein "Gegenstand", kein "Ding" und keine "Sache" ist! Religion "lebt", da deren Offenbarer auch nach dessen irdischer Gegenwart "lebt", der wiederum von einem "lebendigen" Gott alle Kräfte und Fähigkeiten erhält, die ein ganzes Zeitalter prägen und gestalten.
Kann etwas Lebendes mit einem TUM oder ISMUS enden? Eine göttliche Offenbarung "lebt" und ist eine lange Zeitperiode "Leben spendend wirksam". Wie sollte sie sonst geistig Tote zum Leben erwecken? Kann eine bloße "Sache" Seelen inspirieren, Charaktere verwandeln, neue Persönlichkeiten schaffen oder den wahren Menschen im Menschen zum Vorschein bringen? Viele haben sich bereits daran gewöhnt, von der "Sache Bahá'u'lláhs" zu sprechen. Die "Sachen Bahá'u'lláhs", Seine alltäglichen Gebrauchsgegenstände, befinden sich im Archiv am Berg Karmel in Haifa. Bahá'u'lláhs Offenbarung jedoch kann aus meiner Sicht niemals eine "Sache", ein "Ding" oder ein "Gegenstand" sein!
In Schrifttum und Sprache breiten sich die Begriffe "Bahaitum", "Bahaismus" und "Sache..." mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter aus und erinnern dabei an Moose und Flechten, die in vielen Regionen unzählige Bäume befallen, engmaschig bedeckt und schließlich erstickt haben. Ein sprachlicher Erstickungstod kann und sollte von der Bahá'í-Religion durch eine Sensibilisierung des Bewusstseins rechtzeitig abgewendet werden.
Wir Gegenwärtigen haben das große Vorrecht, das Schönste und Kostbarste zu schauen und zu erleben, das seit Beginn der von uns überschaubaren Menschheitsgeschichte vom Himmel herabgereicht wurde! Wir sollten daher im Umgang mit Sprache sehr sensibel sein und allem Formelhaften und Konservierenden ausweichen. Auch das Bemühen um wissenschaftliche Anerkennung kann den "Zauber des Ursprünglichen" nehmen. Eine göttliche Offenbarung braucht keine wissenschaftliche Bestätigung, denn sie ist selbst der Maßstab, an dem alles andere gemessen wird. Machen wir stattdessen die "Fenster unserer Wahrnehmung" weit auf, atmen wir den erfrischenden und belebenden Geist Bahá'u'lláhs tief ein und meiden wir alles Bestreben, in Anpassung an Vorhandenes und allgemein Anerkanntes unsere lebensfrohe und einzigartige Farbe zu verlieren.
Wir sollten überdies auch die Namen korrekt schreiben und sie nicht eindeutschen bzw. stumpf der jeweiligen Sprache anpassen. Namen haben nach meiner Auffassung das Recht auf korrekte Schreibweise, auch wenn sie für uns zunächst ungewohnt sein mögen und wir uns zuerst daran gewöhnen müssen. Namen haben Würde; wir sollten diese nicht übergehen und ihre Anmut nicht entstellen.
Ich möchte nunmehr dringend appellieren, Sprache bewusster zu gebrauchen und ein feineres Gespür zu entwickeln, damit diese so wunderbare Gottesoffenbarung keinen "Sprachtot" erleidet. Es ist unsere heilige Aufgabe, diesen starken Lebensquell Bahá'u'lláhs in seiner Reinheit zu bewahren und seine verwandelnde Urkraft nicht in "sprachlichen Gräbern" beizusetzen.

Tod durch Anpassung
Neues wird in der Anfangsphase zumeist abgelehnt und vielfach sogar heftig bekämpft. Die frühen Christen und die Bábi haben dies überaus schmerzvoll erfahren müssen. Sowohl Christen als auch Bábi sind mit einer Grausamkeit verfolgt worden, dass die Lektüre derartiger Schilderungen jedem sensiblen Leser Tränen-Sturzbäche in die Augen treibt.
Unzählige Anhänger des jeweils neuen Glaubens sind trotz Verfolgung und Todesgefahr standhaft geblieben, haben sich mit aller Kraft nicht an Bestehendes angepasst und schließlich dafür sogar ihr Leben hingegeben.

Jahrzehnte sind vergangen; das Jahr 2000 ist längst überschritten, und in Europa ist die Bahá'í-Religion noch immer weitgehend unbekannt. Da es für Bahá'í kein Missionieren im üblichen Sinne gibt und Bahá'í nicht von Haus zu Haus rennen, um ihren Glauben vorzustellen, verbleibt nur ein im Grunde relativ schmales Spektrum an Möglichkeiten, die jüngste Gottesoffenbarung würdevoll bekannt zu machen.
Zwischenzeitlich hat in der deutschen Bahá'í-Welt bei einigen Bahá'í ein Trend eingesetzt, Anerkennung über sprachliche Anpassung zu erreichen.
Begriffe wie "Bahá'ítum" und "Bahá'ismus" werden von den Vertretern dieses Trendverhaltens in voller Überzeugung als "Fortschritte" verbucht. Sie wollen die Bahá'í-Religion über die wissenschaftliche Sprachschiene quasi in der alten Welt "salonfähig" machen und sprechen in ihrem Streben bereits von "Bahá'í-Theologie". Folgerichtig wird man sich nun die Frage stellen, ob nach dem "Bahá'í-Theologen" auf sprachlicher Ebene eine "Bahá'í-Kirche" etabliert und ein "Bahá'í-Katechismus" angedacht werden wird?
Es ist tiefenpsychologisch nur allzu verständlich, wenn eine in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommene und nur wenig beachtete kleine Gruppe Wege der Anerkennung sucht und dabei mehr oder weniger unbewusst im Alten verhaftet bleibt. Hierbei wird jedoch übersehen, dass es für Bahá'u'lláh trotz Seiner Verweise auf Vergangenes niemals um Anerkennung durch Anpassung ging. Die Stifterpersönlichkeiten unseres geliebten Glaubens hatten trotz heftiger Ablehnung in Zeiten größter Not stets eine unabhängige Haltung bewahrt.
Anpassung an Vorhandenes, um bei einer möglichst großen Population Anerkennung zu finden, ist für einen jungen Glauben wie tödliches Gift!
Eine neue Gottesoffenbarung ist "neu"; sie kann und darf nicht an etablierte - und damit alte - Gedankenwelten angepasst werden, auch nicht an solche Wissenschaften, die stets auch nur Ausdruck eines "alten" Bewusstseins sind. Eine neue Gottesoffenbarung ist "neu"; sie beinhaltet "neue" Ziele und einen "neuen" Auftrag (Vgl. NT Mt 9,17 : "Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet". Ferner Off 21,4-5 : "...denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!").
Die Anhänger einer neuen Offenbarung sind aufgerufen, "neue" Wege zu beschreiten. Eine neue Gottesoffenbarung entfaltet sich erst in einem neuen Bewusstsein! Wie schmal ist schließlich doch die Brücke vom Bahá'ítum zum Brauchtum und vom Bahá'ísmus zum "geistigen Rheumatismus"!
Die Bahá'í-Religion hat in sich selbst bereits alles, was erforderlich ist, um die Welt zu erneuern und sie völlig neu zu gestalten. Gott hat Seine neue Offenbarung in großer Weisheit mit allem ausgestattet, was der neue Mensch für die neue Welt des neuen Zeitalters benötigt. Die Bahá'í-Religion braucht somit weder TUM noch ISMUS. Sie benötigt aus meiner Sicht auch keine Theologie, keine Theologen und kann höchstens eine eingeschränkte Anerkennung der gegenwärtigen Wissenschaft dieses auslaufenden alten Zeitalters erfahren. Wissenschaftliche Arbeiten sind sicherlich ein fruchtbarer Weg, um die Bahá'í-Offenbarung ins Gespräch zu bringen, doch muss man in diesem Zusammenhang der Bahá'í-Religion den muffigen alten Mantel des TUMS umhängen? Ist man etwa "unwissenschaftlich", wenn man in erfrischender Weise von "Bahá'í-Religion" spricht? Die Bahá'í-Religion muss sich nicht verbiegen, bis sie möglichst vielen genehm ist und erst dann breite Akzeptanz findet. Gott muss sich nicht an den Menschen anpassen; vielmehr besteht die Aufgabe der Menschheit darin, sich auf Seinen offenbarten "aktuellen" Willen auszurichten.
Unabhängiges Suchen nach Wahrheit gilt für Bahá'í nach meinem Verständnis ein Leben lang und hört im Grunde nie auf. Hierzu zählt auch, dass man als Bahá'í nicht unreflektiert Meinungen anderer übernimmt. Die Bahá'í-Religion bedarf meines Erachtens zahlreicher Bahá'í mit einer umfassenden Bahá'í-Bewusstseins-Bildung, die sowohl profunde Kenntnisse der Bahá'í-Offenbarung beinhaltet als auch geschulte Fähigkeiten umfasst zur Selbsterkenntnis und wahren seelisch-geistigen Vertiefung.
Die Bahá'í-Religion braucht mutige Mitglieder, die das Alte entschlossen abstreifen, um neue Wege auch tatsächlich neu zu beschreiten. Die Bahá'í-Religion braucht Gläubige, die den Mut sowohl zur Selbsterkenntnis aufbringen als auch "positiv anders" zu sein als die Masse. Anpassung ist das Gegenteil von "Individuation"! Der sich Anpassende geht letztlich alte Wege und schwimmt mit im Strom der Unauffälligkeit. Wer sich anpasst, geht in der Masse unter, ist letztlich namenlos und ohne eigene Konturen. Anpassung an Etabliertes ist für die Bahá'í-Religion nicht nur unangemessen und völlig unnötig, sondern sogar "tödlich"; sie mündet zwangsläufig im Staub des TUMS und ISMUS und mutiert schließlich zur archivierten SACHE.

Meinungsumfrage
In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich bei ganz verschiedenen Anlässen und in sehr verschiedenen Situationen ca. 100 (zumeist) fremde Menschen befragt, welche Gefühle und Assoziationen sie bei den Wortendungen TUM und ISMUS in sich wahrnehmen. Die Aufgabe bestand darin, die Endungen "sprachlich abzuschmecken, zu fühlen, sie abzutasten, wirken zu lassen, mit Phantasiebildern zu verbinden". Ich wollte überprüfen, inwieweit meine eigenen Empfindungen mit denen anderer Menschen übereinstimmen oder von der Mehrheit abweichen:

Hier nun das Ergebnis:
a) Ca. 15 % konnten keine eigene differenzierte Wahrnehmung artikulieren.
b) Ca. 30 % fanden die Endungen "völlig normal", "unauffällig", "gewöhnlich".
c) Ca. 55 % "erlebten" die Endungen "mehr oder weniger unangenehm".
Hierbei konnten folgende Qualitätsbezeichnungen "gesammelt" werden:
Zu "tum":
Brauchtum, Altertum, dunkel, Rahmen, Schleier, staubig, zäh, stumpf, modrig, klebrig, tot, fest, stabil, still, unscheinbar, langweilig, gewohnt, solide, stabil, reich, berechenbar, gesättigt, unflexibel, geordnet, bekannt, öde, verlassen, pelzig, muffig, antik, fade, zu, abgeschottet, vorgegeben, umfangen, geborgen, eingeschlossen, abgedunkelt.
Zu "ismus":
spitz, hell, gleißend, zackig, eisig, trennend, scharf, kantig, schneidend, kalt, klirrend, fröstelnd, zerbrechlich, erfroren, scharf, kompromisslos, schrill, Rüstung, Keil, Splitter, Riss, Bruch, Streit.

Mehr als die Hälfte aller Befragten hat sich tendenziell oder eindeutig mit "unangenehm" empfundenen Assoziationen geäußert. Jeder kann durch eigene Meinungsumfragen seine eigenen Erfahrungen sammeln. Wichtig ist hierbei, dass sich die Befragten vorher nicht mit dieser Frage befassten, quasi "unbefangen" und "unvorbereitet" sind. Auch sollten sie möglichst beide Geschlechter, mehrere Altersstufen und Gruppen repräsentieren.
Meine Schlussfolgerung:
Wenn sich so viele Menschen bei diesen Endungen "unwohl" fühlen, sollte man tunlichst vermeiden, sie an das Kostbarste anzuhängen, was diese irdische Welt gegenwärtig zu bieten hat!
Bewusstwerdung durch Meditation - hier insbesondere für Bahá'í
Dieses Thema dient einem Meditationsexperiment für interessierte Bahá'í. Abseits intellektueller Diskussionen soll meditativ erfahrbar werden, ob die allzu häufig benutzten Ausdrücke "Sache Gottes" und "Sache Bahá'u'lláhs" einer sensiblen Betrachtung standhalten können.
Ich schlage vor, diesen Text zunächst auszudrucken und die Meditation in einer Gruppe durchzuführen. Eine Person der Gruppe sollte gebeten werden, die Meditation zu leiten und den Text in der jeweils erforderlichen Langsamkeit, bei Wörtern mit angemessenen Sprech-Pausen, vorzutragen.
Für die Meditation hilfreich sind:
- ein "Raum der Stille" mit "freundlicher" Atmosphäre
- fehlende äußere Störungen (kein Klingeln der Haustür oder des Telefons)
- bequeme Kleidung
- die innere Bereitschaft für eine meditative Erfahrung
Nach den anfänglichen Begrüßungen und Gesprächen könnte nun zur Meditation übergegangen und mit folgendem Text aus "Lobpreis Gottes" (1. Text: "Aller Lobpres sei Dir, o mein Gott, der Du der Quell bis aller Herrlichkeit und Majestät, ...) begonnen werden.
Nach einer angemessenen Besinnungspause wäre folgender Text vorzulesen:
"Die Themen unseres Alltags lassen wir außerhalb des Raumes. Wir nehmen nun eine entspannte aufrechte Sitzhaltung ein, ohne uns dabei mit dem Rücken anzulehnen und schließen sodann die Augen. Wir spüren unsere Erdung im Kontakt der Füße mit dem Boden und unseres Gesäßes mit der Sitzfläche. Die Wirbelsäule ist aufrecht und leicht. Der Atem pulsiert tief und ruhig. Im Bauchraum wird es wohltuend warm. Mit jedem Ausatmen lassen wir unsere Spannungen aus dem Bereich der Schultern los. Wir schalten nun innerlich um von der Ich-Fixierung im Stirnbereich auf den Hinterkopf, der wie eine gekrümmte Satelliten-Antenne die Haltung des Lauschens und aufmerksamen Wahrnehmens einnimmt.
Wenn wir bei uns selbst angekommen sind, verneigen wir uns innerlich mit leichter Geste demütig vor Gott, dessen Anwesenheit wir hiermit bestätigen.
Die Sendung Bahá'u'lláhs beinhaltet eine Vielzahl geistiger Haltungen, Eigenschaften und Werte, von denen im weiteren einige zur Sprache kommen. Lasst nun all diese leuchtenden Juwelen ganz dicht an Euch heran kommen und füllt sie mit der Kraft Eures seelischen Herzens. Mit Eurer Herzenskraft und Phantasie lasst Ihr die Worte vor Eurem inneren Auge inhaltlich erblühen. Füllt sie mit Leben und lasst sie erstrahlen. Ich werde nun diese Kronjuwelen der göttlichen Offenbarung Bahá'u'lláhs mit angemessenen Pausen langsam verlesen:
Freundlichkeit - Gastfreundschaft - Mitgefühl - Barmherzigkeit - Güte - Hilfsbereitschaft - Aufrichtigkeit - Wahrhaftigkeit - Rechtschaffenheit - Geduld - Standhaftigkeit - Vertrauen - Sanftmut - Demut - Treue - Dankbarkeit - Gerechtigkeit - Wahrheit.
Wir spüren bei intensiverer Wahrnehmung, wie hinter all diesen religiösen Juwelen mehr oder weniger sichtbar eine Kraft zugegen ist, ohne die keine dieser Eigenschaften denkbar wäre: die Liebe. Sie ist die alles verbindende und einigende Kraft des Allhöchsten und damit auch die zentrale Kraft in der historisch jüngsten Gottesoffenbarung.
Wir spüren leiblich (im Herzchakra), wie sich bei dem Wort "Liebe" unser seelisches Herz merklich weitet und an Strahlkraft zunimmt.
Nun heben wir unsere Wahrnehmung auf eine nochmals höhere Stufe, denn all unser Streben gipfelt bekanntlich in der Aufgabe, das eigene seelische Herz zu reinigen und schließlich sogar zu heiligen. Als eine unterstützende Vorstellung erleben wir die Aura unseres geliebten Meisters, wie sie sich im ganzen Raum ausbreitet und zunehmend den gesamten Raum erfüllt.
Verharrt nun bitte in dieser Wahrnehmung des Lichts, der geistigen Wärme, Harmonie und spirituellen Leichtigkeit.
In Ruhe und Neugier erwartet jetzt an dieser Stelle das eigentliche Experiment:
Stellt Euch vor, ein Bahá'í käme die Tür herein und konfrontierte Euch mit folgender Frage: "Kennt Ihr schon die Sache Gottes und die Sache Bahá'u'lláhs?" Lasst diese Frage zunächst eine Weile in Euch wirken und artikuliert sodann, was Ihr innerlich wahrgenommen habt.
Andere Teilnehmer dieses Experimentes haben mit folgenden Gefühlen reagiert:
"befremdend", "distanziert", "kühl", "unpersönlich" und "skeptisch". Wenn Ihr es ebenso oder ähnlich erlebt habt, könnt Ihr nunmehr leichter nachvollziehen, warum man "die Sache Gottes" und "die Sache Bahá'u'lláhs" durchaus als "Unwörter unserer Zeit" bezeichnen kann. Und viele haben sich bereits so sehr daran gewöhnt, dass sie wie "automatisch" über die Lippen kommen.
Das Wort "Sache" erweckt auch in verwandten Wörtern (z.B. "sachlich", "sachbezogen") Gefühle in Richtung "nüchtern", "distanziert" und "objektiv". Es schwingt stets eine Kühle bis Kälte mit, etwas, das man nicht so gern annehmen möchte. Wenn jemand in einem Gespräch "nur sachlich" bzw. "betont sachlich" ist, wirkt diese Person "reserviert"; man geht als Zuhörer innerlich abwartend auf Abstand.
Vor diesem Hintergrund ist nur schwer vorstellbar, dass seelische Herzen mit einer bloßen "Sache" gewonnen werden können. Eine religiöse "Sache" ist nach meiner Einschätzung wenig geeignet, Seelen zu inspirieren.
Meines Erachtens bedarf es diesbezüglich dringend einer Gedanken- und Sprachkorrektur, denn für Gott ist "Seine Offenbarung an die Menschheit" niemals nur eine "Sache", sondern ein "bedeutsames göttliches Anliegen"! Da Er aus Liebe zu uns handelt, ist "Seine Offenbarung" folglich als "göttliches Herzensanliegen" bzw. eine "göttliche Herzensangelegenheit" zu verstehen!
Hat Bahá'u'lláh diesen langen und überaus schweren Leidensweg auf sich genommen, um uns schließlich nur eine "Sache" zu überlassen oder war das "Herzensanliegen Gottes" nicht auch "Sein eigenes Herzensanliegen", das mit unendlich viel Leid des Offenbarers in diese Welt hineingeboren wurde?
Von welchem seelischen Organ ist in den Schriften Bahá'u'lláhs mit großem Abstand am häufigsten die Rede? Es ist das seelische Herz, das wir gemäß Bahá'u'lláhs Schriften reinigen, heiligen und für das Kommen des Höchsten vorbereiten sollen.

Alles in der Offenbarung Bahá'u'lláhs ist direkt oder indirekt mit dem seelischen Herzen des Menschen verbunden! Es geht um unser eigenes inneres Heiligtum, das Gott uns zur Bewusstwerdung, Pflege und Entfaltung geschenkt hat. Die Entfaltung unserer spirituellen Herzensqualitäten ist für Gott und Bahá'u'lláh gleichermaßen niemals eine formale "Sache", sondern deren "tiefes Herzensanliegen", somit eine "reine göttliche Herzensangelegenheit"!
Schließlich sei der Hinweis gestattet, dass alle göttlichen Anliegen stets mit "Erhabenheit" und "Würde" verbunden sind, somit quasi "majestätisch" in Erscheinung treten. Spätestens an dieser Stelle dürfte in aller Klarheit deutlich werden, wie weit die "ausgedroschenen" (und daher fruchtleeren) Unwörter "Sache ..." von dieser hehren Stufe entfernt sind.
Wenn wir unsere Worte bewusst wählen wollen, sollten wir alternative Ausdrucksvarianten verstärkt in unsere Sprache integrieren, z.B.:
- historisch jüngste Weltreligion
- Bahá'í-Religion
- Bahá'í-Offenbarung
- Sendung / Botschaft / Offenbarung/ Manifestation /Schriften / Bahá'u'lláhs
- göttliche Sendung / Botschaft / Offenbarung für dieses neue Zeitalter
- göttlicher Wille / göttliche Ziele / göttliche Absichten
- aktuelles Anliegen Gottes / Bahá'u'lláhs für dieses neue Zeitalter
- Themen und Aspekte der Bahá'í-Religion
Es gibt noch viele weitere sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten, ohne dabei die erwähnten "Unwörter" tangieren zu müssen. Lasst uns bitte eine Sprachkorrektur vornehmen und in würdevoller Haltung geeignete Alternativbezeichnungen für die schönste Gottesoffenbarung finden, die der Menschheit jemals in dieser Pracht und Herrlichkeit dargereicht wurde.

"Sache Gottes"
Menschen sprechen über diese oder jene Sache. Vor Gericht finden Verhandlungen in "Nachlasssachen", "Familienrechtsachen", "Arbeitsrechtsachen", "Sozialgerichtsachen", "Zivilsachen" und "Strafsachen" statt.
Bei Seminaren, Vorträgen oder Unterrichtsfächern geht es stets um ganz bestimmte Sachen.
In Sachen " ... " werden unzählige Geschäftsschreiben versandt.
In Sachen " ... " sind Geschäftsleute unterwegs.
Anlässlich der Sachen " ... " trifft man sich zu Terminen.
Bei alle möglichen Gelegenheiten zwischenmenschlicher Interaktion geht es um gewisse Sachen, über die man streitet, Kompromisse sucht oder sich einigt. Manchen Sachen versucht man auf den Grund zu gehen. Viele Sachen gehen jedermann etwas an, doch viele wollen mit diesen Sachen nichts zu tun haben. Man widmet sich einer Sache oder lässt sie links liegen.
Diese unzähligen Sachen, mit denen die Menschen tagtäglich beschäftigt sind, haben alle etwas gemeinsam: die Alltäglichkeit. Es geht stets um Sachen des Alltags, sei es privat, beruflich, geschäftlich oder gar ehrenamtlich. Bezieht man die "Reiche der Schöpfung" (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch, Offenbarer, Gott) in diese Sach-Betrachtungen ein, wird das große Thema "Sache" weit überwiegend auf Themen des "Menschenreiches" angewandt.
Es geht überdies auch um bestimmte "Sachen", wenn man sich mit den unter dem "Menschen-Reich" angeordneten Reichen "Mineral", "Pflanze" und "Tier" befasst. So geht es auch in den Naturwissenschaften, der Mineralogie, dem Bergbau, der Landwirtschaft, der Zoologie um "Sachen", die zu behandeln sind.
Sobald man jedoch innerhalb der Reiche der Schöpfung den Blick nach oben richtet, verlässt man das Alltägliche, überschreitet man die Welt der Sachen. Der sprachlich sensible Mensch spürt eine unsichtbare Schranke, bei geistigen Themen von "Sachen" zu sprechen. War etwa Christus "in Sachen Gottes" auf Geschäftsreisen unterwegs? Hat Christus Termine "in Sachen des Heiligen Geistes" wahrgenommen? Hat Christus "in Sachen Seines Evangeliums" Vorträge gehalten? Hat Gott "in eigener Sache" einen Boten gesandt? Hat Gott in Seinen 10 Geboten bestimmte "Sachen" zum Ausdruck gebracht?
Wie wirkt es, wenn man die "Mystik" als eine "seltsame Sache" und das Thema "Leben nach dem Tod" als eine "unheimliche Sache" bezeichnet? Ja, in der Tat,
man kann all dies in der aufgezeigten Weise ausdrücken und unzählige Menschen praktizieren dies. Man kann sogar sagen, "Würde", "Majestät" und "Erhabenheit" seien auch "so eine Sache". Selbst das Allerheiligste ist offenbar auch nicht mehr als eine "Sache". Dann ist der Schritt auch nicht mehr weit, Gott SELBST als eine "Sache" zu bezeichnen!
 © Paul Marx / PIXELIO Bei diesem Schritt sollte man jedoch länger verweilen, sollte man immer wieder halblaut aufsagen: "Gott SELBST ist auch nur eine Sache!". Sollte man an dieser Stelle im eigenen Leibe Empfindungen der "Übelkeit" verspüren, darf man voller Hoffnung sein, dass doch noch nicht alles verloren ist. Wenn sich hierbei ganz innen "noch etwas regt" und "protestiert", besteht eine Restchance, fortan nicht mehr überall unreflektiert bzw. automatisch von "Sachen" zu sprechen.
Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob und wo es eine Grenze gibt, außerhalb derer man nicht mehr von "Sachen" sprechen sollte. Eine solche Grenze ist tatsächlich gegeben:
In den Reichen der Schöpfung kann der Mensch sein eigenes Reich und die unter ihm stehenden Reiche "verstehen" lernen und diesbezüglich von "Sachen" sprechen. Die über dem Menschen angeordneten Stufen des Offenbarers und Gottes sind für den Verstand letztlich unzugänglich. Hier liegt die Grenze! Man sollte die Alltagsebene des Menschen in Unwissenheit nicht auf diese Ebenen übertragen, zumal man damit der Wirklichkeit jener höheren Stufen ohnehin nicht gerecht wird.
Gott ist das höchste Wesen! Seine Erhabenheit ist durch den menschlichen Verstand nicht erfassbar. Entsprechend unwürdig ist es, Themen aus Seiner Wirklichkeit mit "Sachen" zu bezeichnen. Die Alltagsebene des Menschen muss zurück bleiben, wenn man versucht, sich den höheren geistigen Stufen anzunähern. Hier hat das Wort "Sache" keine Existenzberechtigung mehr.
 © Marco Barnebeck(Telemarco) / PIXELIO
Wertschätzung durch Sprache
Eine Gottesoffenbarung ist mit großem Abstand das Wertvollste und Kostbarste, was es auf Erden geben kann. Kein Menschenwerk, so zweckmäßig, großartig und anmutig es auch sein mag, kann einer göttlichen Offenbarung gleich kommen.
Die Offenbarung des seit Jahrtausenden angekündigten großen Weltenlehrers ist unter allen bisherigen Offenbarungen die umfangreichste, differenzierteste und in der Zukunftsdimension weitreichendste. Bahá'u'lláh leitete einen Zyklus der Menschheitsgeschichte ein, der ca. 250.000 Jahre den Prozess der Einheit (aller Menschen in den sichtbaren und unsichtbaren Welten Gottes) kennzeichnen wird.
Der heutige Mensch ist noch sehr weit davon entfernt, die in der Offenbarung Bahá'u'lláhs vorhandenen geistigen Dimensionen annähernd zu erfassen. Wir Gegenwärtigen machen quasi die ersten Bewegungen im "Krabbelkurs" der geistigen Welt Bahá'u'lláhs! Nach den Maßstäben der Offenbarung Bahá'u'lláhs kann bei den meisten heutigen Menschen von einem "geistig aufrechten Gehen" noch keine Rede sein.
Was wir jedoch bereits heute - selbst im "geistigen Krabbelstadium" - realisieren können, ist die Sensibilisierung unserer Sprache, um zumindest verbal unsere Wertschätzung für das große "Heiligtum Gottes" angemessen auszudrücken, das mit Bahá'u'lláh in diese Welt kam. Wir sollten im Hinblick auf den unaussprechlich hohen Wert der Sendung Bahá'u'lláhs unser Bewusstsein intensivieren. Hierbei könnten wir uns darin üben, die feineren Schwingungen zu erfassen, die von Bahá'u'lláhs Worten ausgehen. Kurz: Es geht um die Sensibilisierung unserer "Wahrnehmungsantennen", damit der geistige Schatz Bahá'u'lláhs in zunehmender Tiefe erfass- und erlebbar wird.
Bedauerlicherweise beherrsche ich weder die persische noch arabische Sprache, doch bin ich mir tief innen sehr sicher, dass die in vielen deutschsprachigen Bahá'í-Büchern und -Veröffentlichungen auffindbaren Übersetzungen "Sache Gottes" und "Sache Bahá'u'lláhs" nicht optimal zutreffend sein können. Meine meditative Wahrnehmung legte mir schon vor längerer Zeit alternativ das Wort "Anliegen" nahe und je intensiver ich in dieses Wort "eintauchte", desto sicherer wurde ich mir, dass dies die geistig angemessene Übersetzung ist.
Bitte spüren Sie selbst:
Das Wort "Sache" wirkt "unpersönlich", "kühl" und "distanziert". Eine Wertschätzung ist in dem Ausdruck "Sache Gottes" in keiner Weise spürbar. Man kann sich mit einer "Sache" befassen oder nicht. Indes geht von dem Wort "Anliegen" eine "aktive innere Beteiligung", eine "persönliche Präsenz", ein "inneres Engagement" und eine "innere Lebendigkeit und Wertigkeit" aus.
Der Ausdruck "Anliegen Gottes" bzw. "Anliegen Bahá'u'lláhs" signalisiert die Qualitäten "persönlich", "innerlich", "herzlich", "bedeutsam" und "wichtig". Plötzlich beginnen die Übersetzungen zu leben, zu schwingen und auszustrahlen. Nunmehr geht es in evidenter Weise um etwas, das für Gott und Bahá'u'lláh gleichermaßen "wichtig" ist, beiden sehr "am Herzen liegt" und für sie (und uns) "bedeutsam" ist. Mit der Übersetzung "Anliegen" ziehen Licht, Wärme und Frühling gleichzeitig in die Texte ein, "erblüht" die Sprache und "pulsiert" das Leben. Wie "tot", "hohl", "fahl" und "steril" wirkt dagegen das Wort "Sache", von dem keinerlei geistige Ausstrahlung ausgeht!
Es erübrigt sich an dieser Stelle eine ausführlichere Begründung, warum auch von den Bezeichnungen "Bahá'ítum" und "Bahá'ísmus" weder eine Wertschätzung noch eine positive geistige Ausstrahlung ausgehen, zu der man sich hingezogen fühlen könnte. Vielmehr formieren sich gegenteilige Wirkungen, die an anderer Stelle bereits angesprochen wurden.

Urkräfte mit unvorstellbarer Machtfülle
All jene, die dazu neigen, die Bahá'í-Offenbarung primär auf intellektueller Ebene zu verstehen und den jüngsten Offenbarungstexten Gottes bevorzugt akademisch über die Buchform zu begegnen, sei daran erinnert, dass Gottesoffenbarungen stets mit großer Machtfülle ausgestattet sind, daher immer auch überaus "energetisch" wirken und sich auch nach der Textoffenbarung unaufhaltsam "schöpferisch-dynamisch" entfalten.
Dies bezeugt Bahá'u'lláh in Seiner "Ährenlese" an mehreren Stellen:
"Jedes Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht, ist mit solcher Kraft versehen, dass es jeder menschlichen Gestalt neues Leben einflößen kann... Jeder Buchstabe, der aus dem Munde Gottes hervorgeht, ist in Wahrheit ein Urbuchstabe, jedes von Ihm, dem Urquell göttlicher Offenbarung, geäußerte Wort ist ein Urwort und Seine Tafel eine Urtafel."
(Text 74)

"Würde dem Wort erlaubt, plötzlich alle in ihm verborgenen Kräfte freizugeben, würde kein Mensch die Schwere einer so mächtigen Offenbarung ertragen können."
(Text 33)
Religiosität erschöpft sich somit nicht in bloßem Bücherstudium. Es geht vielmehr darum, die dichten Schleier zu zerreißen, die eine tiefere Wahrnehmung verhindern, von denen der intellektuelle Schleier einer der dichtesten ist.
Bahá'u'lláh weist darauf hin,
"dass jeder Mensch aus sich selbst heraus fähig ist und weiter fähig sein wird, die Schönheit Gottes, der Verherrlichten, wahrzunehmen. Wäre ihm keine solche Fähigkeit verliehen, wie könnte er dann für sein Versagen zur Rechenschaft gezogen werden?"
(Text 75)
Religiosität lebt primär von den dynamischen Kräften einer Religion und nicht von bloßer Kenntnisnahme der Texte in Buchform.
"Diese Bewegung wurde von den starken Kräften erzeugt, welche die Worte des Allmächtigen in der ganzen Schöpfung ausgelöst haben."
(Text 85)
"Wer zurückgezogen in seiner Kammer die von Gott offenbarten Verse spricht, wird erfahren, wie die Engel des Allmächtigen den Duft der Worte, die sein Mund ausspricht, überallhin verbreiten und das Herz jedes rechtschaffenen Menschen höher schlagen lassen."
(Text 136)
Fernab von den aus meiner Sicht "betäubenden" und "einschläfernden" Wirkungen, die von "Sache / -tum / -ismus" ausgehen, geht es bei einer "lebendigen Religiosität" um die schöpferisch-dynamischen Kräfte einer Religion, deren Wirkungen der Gläubige erst dann innerlich erfährt, wenn er sich für sie ganzheitlich öffnet, wobei den "Leiberfahrungen" eine wachsende Bedeutung zukommt. Ein lebendiger Glaube hängt nach meinem Verständnis davon ab, in welchem Maße der Gläubige bereit ist, sich auf tieferer, d.h. existentieller Wahrnehmungsebene in Schwingung versetzen und seine Seele entflammen zu lassen. Wie könnte sonst ein Glaube vertieft und am Leben gehalten werden, wenn man nicht willig ist, sich immer wieder neu, dabei immer tiefer und immer intensiver von den dynamischen Kräften der Religion anrühren und in zunehmendem Maße von ihnen durchdringen zu lassen?

Religiöse Erfahrungskultur
In diesem neuen Zeitalter kann es nicht genügen, wenn eine neue göttliche Offenbarung allein intellektuell verstanden und rational "aufbereitet" wird. Jean Gebser hat in seinem Werk "Ursprung und Gegenwart" auf eine neue Bewusstseinsstruktur hingewiesen, die zunehmend zur Entfaltung drängt. Das "integrale Bewusstsein" löst das "mental-rationale Bewusstsein" ab und führt den Menschen in eine ganzheitliche Selbst- und Weltbefindlichkeit. Wer in dem Übergang zum neuen Bewusstsein, an dem nur allzu vertrauten Intellekt festhält und alles Neue abwehrt, wird letztlich in seinem "Ich"-bezogenen Bemühen zwangsläufig scheitern.
Der neue Mensch wird sich zunehmend in seiner Leiblichkeit bewusst, da der bewusste Leib das Medium für transzendente Erfahrungen ist. Über den bewussten Leib transzendiert der neue Mensch sein bisheriges Ego-geprägtes "Da-Sein" in ein ganzheitlich-spirituelles "Angeschlossen-Sein" an die geistigen Welten Gottes. Jeder Meditations-Erfahrene weiß aus eigenem Erleben, dass die bevorstehende Metamorphose ohne die Bewusstwerdung des Leibes nicht realisierbar ist.
Wer nach wie vor die Welt und sich selbst ausschließlich in intellektueller Weise versteht, wird früher oder später den Mut aufbringen müssen, sich zu öffnen, vertraute Wege zu verlassen und Neues neugierig erforschend zuzulassen. Die "Verkopfung" als zeittypische Einseitigkeit des mental-rationalen Bewusstseins muss in diesem beginnenden neuen Zeitalter überwunden werden. Integrales Bewusstsein integriert zudem alle bisherigen Bewusstseinsstrukturen, sofern sie konstruktiv für die Errichtung einer neuen Welt-Kultur hilfreich sind. Natürlich spielt auch das Mental-Rationale künftig eine Rolle, doch nicht mehr in der heutigen Ausschließlichkeit.
Der rational geprägte Mensch unserer Tage wird Berührungsängste überwinden, was er bislang tunlichst vermieden hat. Dazu zählt die Begegnung mit der "Welt des Unbewussten", der "Welt der Gefühle", der "Welt der Intuition" und der "Welt der äußerst vielseitigen Leiberfahrungen". Wen wundert es, dass an Kursen über Yoga, Tai Chi und verwandte Methoden überwiegend Frauen und nur wenige (zumeist intuitiv begabte) Männer teilnehmen?
Nicht zufällig sind für den erwachenden neuen Menschen unzählige praktische Möglichkeiten zur Selbsterkenntnis und Leiberfahrung verfügbar. Dies ist nicht nur für Bahá'í ein großer Segen, denn erst in der Verbindung von Religion und Wissenschaft (wozu auch Erfahrungswissenschaften zählen) sind höhere Entwicklungsstufen leichter erreichbar (siehe das Bild des Vogels mit zwei Flügeln).
Wer sich von Gott führen lässt, wird zweifelsfrei die für ihn richtigen Methoden kennen lernen, die ihm helfen, über die individuelle Selbsterkenntnis und Leiberfahrung eine intensivere Religiosität zu erlangen.
Durch die Kombination der Bahá'í-Offenbarung mit den praktischen Methoden zur Selbsterfahrung entsteht schließlich eine wachstums- und prozessorientierte "religiöse Erfahrungskultur", die benötigt wird, will man die von Bahá'u'lláh vorausgesagten Ziele mit frühlingshaft belebtem neuen Bewusstsein schrittweise verwirklichen. Ohne den Prozess praktischer Selbsterkenntnis ist eine nachhaltige Vertiefung der Religiosität nur eingeschränkt möglich! Das bloße Studium der Heiligen Schriften führt allein noch nicht automatisch zur individuellen Begegnung mit sich selbst.
Über die Kombination der Bahá'í-Offenbarung mit den Methoden der Tiefenpsychologie sowie der spirituellen Weg-Kultur wird der an Gott gläubige Mensch befähigt, die durch Bahá'u'lláh formulierten Aufgaben leichter und bewusster in die Tat umzusetzen. Größere spirituelle Fortschritte erfordern eine "Kombination", ein "sowohl ... als auch" und damit die Überwindung alter intellekt- oder kulturbedingter Berührungsängste.
Ein Beispiel für geglückte Integration von Bahá'í-Offenbarung und spirituell-praktischen Methoden zeigt sich in der Arbeit von Hildegard Evels-Schaaff und Thomas Schaaff (Wege der Achtsamkeit).
Jedem Psychotherapeuten, der als Bahá'í anderen Menschen den Weg zu einer vertieften Selbsterkenntnis und in der Folge vielmals zu einer vertieften Religiosität verholfen hat, sei an dieser Stelle (auch im Namen vieler anderer Bahá'í) herzlichst gedankt. Sie haben mit ihrer Arbeit im Sinne Bahá'u'lláhs Großes bewirkt! Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle Erik Blumenthal, Toni und Theo Schoenaker sowie Nossrat und Hamid Peseschkian benennen. Ihnen gebührt eine bleibende Anerkennung!

Führung
Das Einbeziehen tiefenpsychologischer und spirituell-praktischer Methoden zur individuellen Selbsterkenntnis führt keinesfalls zur Entfremdung von der Bahá'í-Lehre (wie manch einer befürchten wird), sondern bewirkt vielmehr einen vertieften Zugang zur eigenen Innenwelt, was sich wiederum intensivierend auf das religiöse Bahá'í-Leben auswirkt. Sicherlich gibt es unter den zahllosen methodischen Ansätzen auch Elemente, die den Inhalten der Offenbarung Bahá'u'lláhs widersprechen, wie z.B. die Reinkarnationslehre, doch dürfte es für jeden vertieften Bahá'í keinerlei Schwierigkeiten bereiten, unter den mannigfaltigen Angeboten die Spreu vom Weizen zu trennen.
Der Autor dieser Seite hat in mehr als drei Jahrzehnten vielfältige spirituelle und tiefenpsychologische Methoden kennen gelernt und praktiziert, so dass aus eigener Erfahrung die sichere Erkenntnis gewonnen werden konnte, über das bewusste Anwenden solcher Hilfsmittel zu einer deutlich tieferen Eigenerfahrung gelangen zu können. Berührungsängste sind diesbezüglich ebenso unbegründet wie nachteilig, denn außerhalb der Bahá'í-Offenbarung existiert eine große Vielzahl bewusstseinsförderlicher Methoden, die eine bereichernde Ergänzung zu Bahá'u'lláhs Schriften darstellen, wie z.B. die Erkenntnisse C.G. Jungs, Graf Dürckheims, die Individualpsychologie und das Za-Zen.
Jeder, der sich ernsthaft auf den (Individuations-)Weg begibt, um sich selbst tiefer kennen zu lernen, erfährt schon bald das Phänomen der "Führung". Wer dem inneren Ruf folgt und sich der Führung anvertraut, findet zielsicher zur rechten Zeit die richtige Anregung und Hilfe in der Außenwelt. Wer sich führen lässt, wird immer wieder neu überrascht, mit welcher Weisheit eine höhere Instanz stets das Wachstums-Fördernde bereitstellt.

Niemand kennt die Seele eines Menschen besser als ihr Schöpfer. Niemand kann einen Menschen besser führen als Gott.
Die Seele des Menschen ist und bleibt eines der größten Geheimnisse Gottes; sie wird laut Bahá'u'lláh für den Menschen niemals vollständig erforschbar sein. Ihr innerstes Wesen bleibt ebenso unerklärbar wie ihr Schöpfer selbst.
Jede Seele hat das natürliche Bedürfnis, Kontakt zu ihrem Schöpfer aufzunehmen und nach Hause zurückzufinden. Doch bedauerlicherweise gestehen sich zahlreiche heutige Menschen dieses Bedürfnis nicht ein. Sie lassen es vielmehr zu, dieses tiefste seelische Grundbedürfnis der "Re-Ligio" durch die Oberflächlichkeiten des Alltagslebens überdecken und die innere Stimme durch den Alltagslärm übertönen zu lassen. Deshalb nehmen so viele Menschen auch keine "Führung" wahr und erklären gelegentlich auftretende "ungewöhnliche Ereignisse" in ihrem Leben kurzum mit "Zufall", ohne weiter darüber nachzudenken.
Im Gebet und in der Meditation kann der Mensch Kontakt zu Gott aufnehmen. Dieser Kontakt wird umso intensiver, je mehr es gelingt, Hindernisse (z.B. tiefenpsychologisch) aus dem Weg zu räumen und das seelische Herz zu reinigen. Wenn es gelingt, den inneren "Motor des (wahren) Suchens" zu "starten", ist man gut beraten, Gott auf dem eigenen Weg tagtäglich um Schutz und Führung zu bitten.
Die Führung durch Gott bewirkt für die menschliche Seele die effektivste Reifung, denn Er weiß am besten, was die Seele zu jeder Zeit benötigt, um wahre Fortschritte zu machen. Das hierbei entstehende Kontaktverhältnis mit göttlicher Führung bereichert den Menschen in einer Weise, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Der Suchende bildet eine immer leistungsstärkere "Antenne" aus, die es ihm ermöglichst, "Führungs-Zeichen" als solche sicher zu erkennen und die in Prüfungen verborgenen Lernziele rascher zu verstehen.
Gebet, Meditation und Führung verschmelzen schließlich zu eine untrennbaren Einheit, die niemand mehr missen möchte, der ihre Wirkungen längere Zeit am eigenen "Leibe" bewusst erfahren hat.

Bemühen um Ausgewogenheit
Die Bahá'í-Religion ist ein überaus vielseitiges und komplexes Offenbarungswerk Gottes. Man findet zahlreiche sozial-praktische Aspekte, die den Aufbau der Weltdemokratie und das Alltagsleben betreffen, umfangreiche Ausführungen, die ein tieferes Verständnis der Schöpfung, der Sinnfragen und früherer Religionen ermöglichen, zudem viele belebende Worte der Weisheit und Gebete für mannigfaltige Anlässe. Besonders eindrucksvoll sind ferner die Texte Bahá'u'lláhs zur Bahá'í-Mystik.
Dem Gläubigen stellt sich die keinesfalls leichte Aufgabe, zwischen all diesen vielfältigen Aspekten eine innere Balance herzustellen:
Ist man in die administrativen Aufgaben intensiver eingebunden, erweist sich ein erfrischendes Bad in den geistigen Texten der drei Zentralpersönlichkeiten der Bahá'í-Religion als erforderlich, um die verwandelnden schöpferischen Kräfte zuzulassen und sich in einer ursprünglich-empfangenden Haltung immer neu beeindrucken und inspirieren zu lassen.
- Bei überwiegend intellektueller Auseinandersetzung mit den Offenbarungstexten Bahá'u'lláhs sollten immer wieder auch die Gefühlskräfte der Liebe, Hinwendung und Einfühlung aufblühen dürfen.
- Wer dazu neigt, Religion primär intuitiv-meditativ zu erfassen und sich besonders zu deren mystischen Seiten hingezogen fühlt, benötigt einen Ausgleich in praktischen Betätigungen.
Das Streben nach Balance ist ganz im Sinne Bahá'u'lláhs, der die "Mäßigung in allen Dingen" empfiehlt. Der Tiefenpsychologe C.G. Jung sieht in der ausgleichenden Entwicklung von Denken und Fühlen, Intuition und Realsinn, Extraversion und Introversion die Aufgabe, seelisch-geistig zu reifen, um schließlich zu einem "ganzen" Menschen zu werden.
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