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Universales Haus der Gerechtigkeit am Berg Karmel, Haifa - Die neue Weltordnung lebt von der Kunst der Bahá'í-Beratung.
 

(12) Verwaltung

Die administrative Leitung der Gemeinde wird auf örtlicher (Dorf, Stadt), nationaler und internationaler Ebene von Körperschaften, den "Geistigen Räten", wahrgenommen, die aus jeweils 9 Personen bestehen.

Wählen mit neuem Bewusstsein

Diese Institutionen werden in demokratischer Weise gewählt, sind aber nicht ihrer Wählerschaft, sondern allein Gott verantwortlich. Bei der allgemeinen, freien und geheimen Wahl gibt es keine Kandidaten, keine Parteien, keine Wahlpropaganda oder andersartige Beeinflussung. Es bedarf keiner Kandidatur mit den bekannten persönlichkeitsprofilierenden, egobetonten und kämpferischen Verhaltensweisen, die mit dem Bahá'í-Menschenbild unvereinbar sind. Jedes wahlberechtigte Mitglied einer Gemeinde ist in den "Geistigen Rat" wählbar.

Amtsperioden

Die Amtsperiode auf der lokalen und nationalen Ebene beträgt ein Jahr. Mitgliedschaft ist ehrenamtlich. Das oberste Organ, das Universale Haus der Gerechtigkeit mit Sitz in Haifa / Israel, wird von den Mitgliedern aller Nationalen Geistigen Räte auf fünf Jahre gewählt.

Bedeutung der Beratung

Eine der Unteren Terrassen - Foto von Marco Abrar - BahaiPictures.com - Die neue Weltordnung lebt von der Kunst der Bahá'í-Beratung.Bahá'í-Beratung ist eine Kunst; sie muss erlernt werden und ist eng mit der Entwicklung der Persönlichkeit verbunden. Der Mensch entwickelt in seinem Leben zunächst ein "Ich"-Bewusstsein, eine "Ich"-Identität. Geistige Entwicklung setzt sodann zunehmende "Freiheit vom Ich" (Jean Gebser) bzw. "Loslösung vom Ich" (Bahá'u'lláh) voraus. Hiermit ist keinesfalls die krankhafte Form der "Ich"-Losigkeit gemeint. Vielmehr lernt das Ich, sich in Ganzheitsbezügen zu orientieren und Höheres (als das "Ich") real ins Leben einzubinden. C.G. Jung spricht vom (höheren) "Selbst", Karlfried Graf Dürckheim nennt das Höhere im Menschen das "Wesen". Bahá'u'lláh formuliert in den Verborgenen Worten: "Schaue in dich, dass du Mich in dir findest, mächtig, stark und selbstbestehend".

Je mehr der Mensch dieser inneren höheren Instanz in seinem Leben Raum gibt, desto leichter gelingt und effizienter ist Bahá'í-Beratung, d.h. Beratung in "Ich-Freiheit" (zugunsten des spirituell Höheren). Es ist nicht länger wichtig, wer etwas gesagt hat und wie oft sich eine bestimmte Person an der Beratung beteiligte. Im Moment, wenn das Wort den Mund verlässt, ist es nicht länger Eigentum des Redners, sondern Eigentum der beratenden Gruppe, des größeren Ganzen. Dieser Haltung sind die Gefühle wie "Stolz", "Hochmut", "Überlegenheit" und "Macht" ebenso fremd wie die Gefühle "Scham", "Scheu", "Unterlegenheit", "Minderwertigkeit" und "Ohnmacht". "Ich-Freiheit" schließt Überlegenheits- und Verletztheitsgefühle aus. Zwar ist die Äußerung unterschiedlicher Argumente ausdrücklich erwünscht, doch lässt "Ich-Freiheit" weder persönliche Angriffe noch betonte Parteilichkeit zu.

Terrasse 16 mit dem Wald im Hintergrund - Foto von Marco Abrar - BahaiPictures.com

Erich Fromm schrieb ein Buch über die "Kunst des Liebens". Shoghi Effendi zeigt in seinen eindrucksvollen Schriften "die Kunst der Bahá'í-Beratung" auf. Es wird deutlich, dass diese Fähigkeit als "Frucht" im Zuge eines persönlichen Reifungs- und Bewusstwerdungsprozesses verstanden werden kann. Wo immer Erscheinungsformen der Ich-Haftigkeit oder Ich-Losigkeit dominieren, kann "Bahá'í-Beratung" nicht gelingen.

Blüten auf den Terrassen - Foto von Marco Abrar - BahaiPictures.com - Die neue Weltordnung lebt von der Kunst der Bahá'í-Beratung.Einzelne Mitglieder genießen keinerlei Entscheidungsbefugnis oder Autorität, sondern ausschließlich die gewählten Körperschaften. Entscheidungen werden in diesen Gremien im Geiste des Gebetes nach Beratung getroffen, der Bahá'u'lláh besondere Bedeutung beimisst. Voraussetzungen sind hierbei u.a. "Reinheit der Beweggründe, Loslösung von allem außer Gott, Bescheidenheit, Demut unter Seinen Geliebten, Geduld, Ausdauer in Schwierigkeiten und Dienstbereitschaft an Seiner erhabenen Schwelle." (´Abdu'l-Bahá: Briefe und Botschaften, Hofheim / Taunus 1992, S. 43).

Weder gibt es Parteien noch geht es um die Durchsetzung eigener Meinungen und Interessen, sondern stets um die bestmögliche Entscheidung im Sinne des Gemeinwohls. Dies ist, so die Überzeugung der Bahá'í, bei kreativer Beratung in einem Gremium eher erreichbar als durch individuelle Entscheidung.

Das Berateramt

Den gewählten Institutionen steht in der Bahá'í-Verwaltungsordnung ein vom Universalen Haus der Gerechtigkeit "ernannter Zweig" gegenüber, das "Berateramt", dessen einzelne Mitglieder den gewählten Institutionen beratend zur Seite stehen.