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In den Folgetexten geht es um die Frage nach der Existenz Gottes.
 

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'Abdu'l-Bahá gelingt es immer wieder neu, zentrale geistige Themen in beeindruckender Klarheit zu ergründen. Dies gilt auch für die Frage nach der Existenz Gottes. Folgende Texte sind dem Buch "Beantwortete Fragen" entnommen.

Die Natur steht unter einem allumfassenden Gesetz

Die Natur ist jener Zustand, jene Wirklichkeit, die anscheinend Leben und Tod oder mit anderen Worten Zusammensetzung und Auflösung aller Dinge, umfasst. Diese Natur ist einem vollendeten Gefüge, bestimmten Gesetzen, einer vollständigen Ordnung und einem vollkommenen Plan unterworfen, von denen sie niemals abweicht; und zwar in so hohem Maße unterworfen, dass man in ihr bei sorgfältiger Betrachtung und geistiger Wahrnehmung vom kleinsten unsichtbaren Atom bis zu solch großen Dingen der Welt des Daseins, wie der Sonne oder den anderen großen Sternen und leuchtenden Himmelskörpern, sei es in ihrer Anordnung und Zusammensetzung, sei es in ihrer Form und Bewegung, den höchsten Grad der Ordnung findet und erkennt, dass alles unter einem unausweichlichen, vollkommenen Gesetz steht.

Die Natur hat sich nicht selbst erschaffen.Wenn man aber die Natur selbst betrachtet, sieht man, dass sie weder Verstand noch Willen besitzt. So liegt es zum Beispiel in der Natur des Feuers, dass es brennt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur des Wassers ist, dass es fließt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur der Sonne ist, dass sie leuchtet, auch sie leuchtet ohne Willen und Verstand; die Natur des Dampfes ist, aufzusteigen, und er steigt ebenso ohne Willen und Verstand auf. Damit ist klar erwiesen, dass alle natürlichen Bewegungen der erschaffenen Dinge zwangsläufige Vorgänge sind und sich nichts nach eigenem Willen bewegt, mit Ausnahme des Tieres und vor allem des Menschen.

Der Mensch vermag sich der Natur zu widersetzen und von ihren Wegen abzuweichen, weil er die Struktur der Dinge entdeckt hat und damit den Kräften der Natur gebietet. Alle Erfindungen, die er gemacht hat, beruhen auf der Entdeckung der Struktur der Dinge. So hat er zum Beispiel die Telegraphie erfunden, die Ost und West verbindet. Darum sehen wir deutlich, dass der Mensch die Natur beherrscht.

Kann nun, bei dieser systematischen Ordnung und Gesetzmäßigkeit, die man im ganzen Dasein erkennt, gesagt werden, dies alles sei aus dem Wirken der Natur heraus entstanden, obwohl sie selbst weder Verstand noch Wahrnehmungsvermögen besitzt? Dies zeigt uns deutlich, dass diese Natur, die weder Verstand noch Einsicht hat, in der Hand des Allmächtigen ruht und dass Er das Reich der Natur regiert und in ihr alles, was Er will, erscheinen lässt.

Eines der Dinge, welches in der Welt des Daseins erschienen ist und eine Naturnotwendigkeit darstellt, ist das menschliche Leben. So betrachtet, wird die Natur zur Wurzel und der Mensch zum Zweige. Ist es wohl möglich, dass Wille, Verstand und Vollkommenheit nur im Zweig, nicht aber in der Wurzel wären? Daraus geht klar hervor, dass die Natur in ihrem innersten Wesen in der machtvollen Hand Gottes ruht. Der ewig Allmächtige und Eine ist es, Der die Natur in ihren ehernen Bahnen und Gesetzen hält und ihr Herrscher ist.

Die Natur wurde von Gott erschaffen.

Über den wahren Reichtum des Seins

Würde und Bedeutung alles Erschaffenen hängen von Ursachen und begleitenden Umständen ab.

Vortrefflichkeit, Schmuck und Vollkommenheit der Erde bestehen darin, durch die Gaben der Frühlingswolken grün und fruchtbar zu sein. Pflanzen wachsen, Blumen und duftende Kräuter entstehen, fruchttragende Bäume kommen in Blüte und bringen frische und köstliche Früchte hervor. Gärten erblühen prächtig, die Auen stehen in bunter Zier, Berge und Felder legen grüne Kleider an, und Gärten, Wiesen, Dörfer und Städte legen den schönsten Staat an. Darin liegt das größte Glück des Mineralreichs.

Der höchste Sinn und die Vollkommenheit des Pflanzenreichs finden sich darin, dass ein Baum am Ufer eines Baches mit klarem Wasser wachsen kann, dass frische Winde über ihn wehen und die Sonnenstrahlen auf ihn fallen, dass ein Gärtner ihn pflegt und er sich Tag für Tag entfaltet und Früchte trägt. Sein wahres Glück aber ist sein Aufstieg zum Tier- und Menschenreich, indem seine Früchte das ersetzen, was im Körper von Tier und Mensch verbraucht wurde.

Ohne Gott gibt es kein vollendetes Glück.Das Wesentliche für das Tierreich ist, vollkommene Glieder, Organe und Kräfte zu besitzen und alle Bedürfnisse stillen zu können. Dies ist seine Hauptzierde, seine Würde und Bedeutung. So ist es das größte Glück für ein Tier, eine grüne und fruchtbare Wiese, klares, fließendes Wasser und einen schönen, grünen Wald zu haben. Wenn für all dies gesorgt ist, kann es kein größeres Glück geben. Baut zum Beispiel ein Vogel sein Nest in einem grünen, fruchtbaren Wald, an schöner, hochgelegener Stelle, auf einem starken Baum und an der Spitze eines luftigen Astes, und findet er alles, was er an Körnern und Wasser braucht, so ist dies für ihn vollendetes Glück.

Aber das wahre Glück für die Tiere besteht im Aufstieg vom Tier zum Menschenreich, wie die Kleinlebewesen, die durch Wasser und Luft in den Körper des Menschen eindringen und von ihm aufgenommen werden und das ersetzen, was von ihm verbraucht wurde. Dies ist die größte Ehre und das wahre Glück für das Tierreich; keine größere Ehre ist für es denkbar.

Es ist also deutlich und klar, dass Fülle, Behagen und materieller Überfluss das volle Glück der Minerale, Pflanzen und Tiere bilden. Kein Reichtum, kein Vermögen, keine Bequemlichkeit und kein Behagen kommen dem Überfluss des Vogels gleich; all die Bereiche der Felder und Berge sind seine Wohnung, alle Körner und Früchte seine Nahrung und seine Schätze, und alles Land mit Dörfern, Wiesen, Weiden, Wäldern und einsamen Gegenden ist sein Besitz.
Würde und Wert des Menschen müssen mehr sein als weltlicher Reichtum.Wer ist nun reicher, dieser Vogel oder der Vermögendste unter den Menschen? Soviel auch der Vogel Körner verwenden oder verschenken mag, sein Überfluss vermindert sich nicht.

Damit ist klar, dass Würde und Wert des Menschen mehr sein müssen als weltlicher Reichtum; materielle Annehmlichkeiten sind nur ein Zweig, aber die Wurzel menschlicher Größe sind gute Eigenschaften und Tugenden, die der Schmuck seiner Wirklichkeit sind. Dieser liegt in den göttlichen Erscheinungen, den himmlischen Gaben, den edlen Gefühlen und in der Liebe und Erkenntnis Gottes. Er ist umfassendes Wissen, geistige Wahrnehmung, wissenschaftliche Entdeckungen, Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, Wahrhaftigkeit, Güte, natürlicher Mut und angeborene Seelenstärke; Rücksicht und Einhaltung von Verträgen und Bündnissen; Geradheit unter allen Umständen und Dienst an der Wahrheit in allen Lebenslagen; Aufopferung für das allgemeine Wohl und Güte und Achtung für alle Völker; Gehorsam gegenüber den göttlichen Lehren und Dienst im Reiche Gottes; Lenkung der Menschen und Erziehung der Nationen und Rassen. Dies ist das wahre Glück der Menschenwelt! Dies ist die Größe der Menschen in dieser Welt! Dies ist immerwährendes Leben und himmlische Ehre!

Solche Tugenden können nur durch die Kraft Gottes und die göttlichen Lehren im Menschen lebendig werden; denn sie bedürfen übernatürlicher Kraft, um offenbar zu werden. Es kann sein, dass in der natürlichen Welt Spuren dieser Vollkommenheit erscheinen, aber sie sind ohne Beständigkeit und Dauer; sie gleichen Strahlen der Sonne auf einer Mauer. Gott in Seiner Güte hat dem Menschen eine leuchtende Krone aufs Haupt gesetzt. Darum müssen wir uns bemühen, dass ihre strahlenden Edelsteine in der Welt sichtbar werden.

Tugenden können nur durch die Kraft Gottes und die göttlichen Lehren im Menschen lebendig werden.

Beweise und Zeugnisse für das Dasein Gottes

Ein unwiderlegbarer Beweis für das Dasein Gottes ist die Tatsache, dass sich der Mensch nicht selbst erschaffen hat. Sein Schöpfer und Bildner ist ein anderer als er selber. Es ist gewiss und außer Zweifel, dass der Schöpfer des Menschen anders als der Mensch ist; denn ein schwaches Geschöpf kann nicht der Schöpfer eines anderen Wesens sein. Im Schöpfer müssen alle Vollkommenheiten vereint sein, damit er erschaffen kann. Wäre es möglich, dass die Schöpfung vollkommen ist und der Schöpfer unvollkommen? Ist es denkbar, dass ein Bild ein Meisterwerk ist, und der Maler nicht in seiner Kunst vollkommen? Das Bild ist doch seine Kunst und seine Schöpfung. Nein, das Bild kann nicht einmal dem Maler gleichkommen, denn wäre es wie er, dann könnte es sich ja selber malen. Wie vollkommen das Bild auch sein mag, so bleibt es doch im Vergleich zum Maler völlig unvollkommen.

Bedingt sein ist die Quelle der Unvollkommenheit, während Gott die Quelle der Vollkommenheit ist. Die Unvollkommenheit der bedingten Welt ist an sich ein Beweis für die Vollkommenheit Gottes.

Diese bedingte Welt steht unter einer göttlichen Ordnung und unter göttlichen Gesetzen.Wenn du zum Beispiel den Menschen betrachtest, so siehst du, dass er schwach ist. Diese Schwachheit des Geschöpfes ist ein Beweis für die Stärke des ewig Allmächtigen und Einen, denn wenn es keine Stärke gäbe, wäre Schwäche unvorstellbar. Daher erweist die Schwäche des Geschöpfes die Stärke des Schöpfers, denn wenn es keine Stärke gäbe, könnte auch keine Schwäche sein. Die Schwäche selbst beweist uns, dass es in der Welt Stärke geben muss. Ein anderes Beispiel ist die Armut in dieser bedingten Welt. Zweifellos muss es auch Reichtum geben, da Armut auf der Erde offensichtlich ist. Ferner gibt es in dieser bedingten Welt Unwissenheit. Deshalb muss es auch Wissen geben, denn gäbe es kein Wissen, so könnten wir auch keine Unwissenheit feststellen. Unwissenheit ist das Nichtsein von Wissen, und wenn es kein Sein gäbe, wäre auch ein Nichtsein nicht vorstellbar.

Es ist gewiss, dass diese ganze bedingte Welt unter einer Ordnung und unter Gesetzen steht, denen sie sich nicht zu entziehen vermag. Sogar der Mensch ist dem Tode, dem Schlaf und anderen Naturgesetzen unterworfen. Er wird in mancherlei Hinsicht beherrscht, und zweifellos muss dieser Beherrschte einen Herrscher haben. Weil Abhängigkeit ein Kennzeichen für bedingte Wesen und eine wesentliche Notwendigkeit ist, muss auch ein unabhängiges Wesen existieren, zu dessen Wesen Unabhängigkeit gehört.

Das kleinste erschaffene Ding in dieser Welt des Daseins beweist, dass es einen Schöpfer gibt.So erkennen wir zum Beispiel an einem Kranken, dass es Gesundheit geben muss, denn gäbe es keine Gesundheit, könnte auch keine Krankheit erwiesen werden.
Daraus geht hervor, dass es einen ewig Allmächtigen und Einen gibt, Der alle Vollkommenheiten in Sich vereint, denn besäße Er sie nicht, wäre Er Seinen Geschöpfen gleich.
So beweist auch das kleinste erschaffene Ding in dieser Welt des Daseins, dass es einen Schöpfer gibt. Zum Beispiel beweist dieses Stück Brot, dass jemand es hergestellt hat.
Gelobt sei Gott! Die geringste Veränderung in der Form des unscheinbarsten Dinges weist darauf hin, dass sie einen Urheber haben muss.

Und dieses gewaltige und unendliche Weltall sollte sich selber erschaffen haben und durch die Tätigkeit der Elemente und Stoffe aus sich selber entstanden sein? Welch ein wunderlicher Irrtum ist eine solche Annahme. Diese handgreiflichen Beweise werden für schwache Seelen angeführt, denn wo sich das innere Auge auftut, sieht es hunderttausendfach klare Beweise. Damit soll gesagt sein, dass der Mensch, der den Geist in seinem Inneren fühlt, keines weiteren Beweises für das Vorhandensein des Geistes bedarf. Aber für jene Menschen, die der Segnungen des Geistes nicht teilhaftig sind, muss man Beweise aus der gegenständlichen Welt erbringen.

Der Mensch, der den Geist in seinem Inneren fühlt, bedarf keines weiteren Beweises für das Vorhandensein dieses Geistes und damit Gottes.

Über die Notwendigkeit eines Erziehers

Betrachten wir die Welt des Daseins, so sehen wir, dass das Mineral, die Pflanze, das Tier und der Mensch einen Erzieher brauchen.

Bleibt die Erde unbebaut, so wird sie zur Wildnis, in der Unkraut wächst. Wenn aber der Bauer kommt und sie beackert, bringt sie Ernten hervor, die als Nahrung für Lebewesen dienen. Daraus ergibt sich klar, dass die Bearbeitung der Erde durch den Bauer notwendig ist. Betrachte die Bäume: Ohne die Pflege des Gärtners würden sie keine Früchte tragen, und ohne Früchte wären sie nutzlos. Durch die Pflege des Gärtners aber werden diese ertraglosen Bäume Früchte hervorbringen, und durch Pflege, Veredelung und Pfropfung geben Bäume, die bittere Früchte trugen, süße her. Dies sind verstandesmäßige Beweise, denn heute benötigen die Menschen logische Beweisgründe.

Die Menschheit bedarf der göttlichen Erziehung.Betrachte in gleicher Weise die Tierwelt: Wird ein Tier vom Menschen gepflegt und erzogen, so wird es zum Haustier. Wenn dagegen ein Mensch ohne Erziehung aufwächst, so wird er zum Tier, ja, wenn er der Natur allein überlassen bleibt, sinkt er sogar unter das Tier herab; wenn er aber richtig erzogen wird, kann er zum Engel werden. Tatsächlich fressen die meisten Tiere nicht ihre Artgenossen auf, während manche Menschen im Inneren Afrikas noch ihresgleichen töten und fressen.

Bedenke nun, dass es die Erziehung ist, die den Osten und den Westen unter die Herrschaft des Menschen bringt. Die Erziehung bringt wunderbare Gewerbe zur Vollkommenheit und unterhält herrliche Wissenschaften und Künste. Sie ist es, die neue Entdeckungen und Gesetze offenbar macht. Gäbe es keinen Erzieher, wären solche Dinge, die das Leben bequem und leichter machen, oder zum Beispiel Kultur und Menschlichkeit nicht da. Wenn man einen Menschen in der Wildnis sich selbst überlässt, und er seinesgleichen nicht sieht, wird er zweifellos wie ein Tier werden. Damit haben wir klar die Notwendigkeit eines Erziehers bewiesen.
Es gibt drei Arten der Erziehung: die körperliche, die menschliche und die geistige Erziehung.
Die körperliche Erziehung befasst sich mit Fortschritt und Entwicklung des Körpers, indem sie materielle Erleichterungen, Behaglichkeit und Entspannung für ihn sicherstellt. Sie gilt in gleicher Weise für Menschen und Tiere.

Die menschliche Erziehung bedeutet Kultur und Fortschritt, nämlich Regierung, Verwaltung, Wohlfahrtseinrichtungen, Verkehr, Handel und Gewerbe, Künste, Natur- und Geisteswissenschaften, große Erfindungen und Entdeckungen physikalischer Gesetze. Diese Äußerungen des Menschengeistes machen den Unterschied zur Tierwelt deutlich.

Die geistige, göttliche Erziehung ist die Erziehung zum Himmelreich. Durch sie erwirbt der Mensch göttliche Vollkommenheiten. Sie ist die wahre Erziehung, denn auf dieser Stufe tritt das Göttliche im Menschen in Erscheinung, und die Worte "Lasset Uns Menschen schaffen nach Unserem Bild und Gleichnis", werden in ihm offenbar. Dies ist das höchste Ziel der Menschheit.

Durch göttliche Erziehung erwirbt der Mensch göttliche Vollkommenheiten.Dazu brauchen wir einen Erzieher, der zugleich körperlicher, menschlicher und geistiger Erzieher ist, und dessen Autorität in allen Bereichen Einfluss hat. Wenn jemand sagen wollte: "Ich habe einen vollkommenen Verstand und ein rasches Auffassungsvermögen und bedarf dieses Erziehers nicht", so würde er Selbstverständliches leugnen und wie ein Kind sein, das sagen würde: "Ich brauche keine Erziehung, ich werde nach meiner Einsicht und Vernunft verfahren und so alle Vollkommenheiten der Welt erwerben", oder er wäre wie ein Blinder, der sagen würde: "Ich brauche kein Augenlicht, denn es gibt viele Blinde, die sich zurechtfìnden können."

Die Notwendigkeit eines Erziehers für den Menschen ist demnach klar und deutlich erwiesen. Dieser Erzieher muss zweifellos auf allen Gebieten vollkommen sein und alle anderen Menschen übertreffen, denn sonst könnte er nicht ihr Erzieher sein, um so mehr, da er ihr körperlicher, menschlicher und zugleich geistiger Erzieher sein muss. Dies bedeutet, dass er die Menschen lehrt, die materiellen Dinge zu ordnen und voranzubringen und die menschliche Gemeinschaft so zu gestalten, dass gegenseitige Hilfe und Fürsorge eingerichtet und alle materiellen Fragen in jeglichen Verhältnissen geordnet und geregelt werden.

Ebenso wird er die Erziehung des Menschen in die Wege leiten. Das heißt, er muss Verstand und Gedanken so erziehen, dass sie umfassende Fortschritte machen können, so dass Wissenschaften und Erkenntnisse sich auf größere Gebiete ausdehnen und die Wirklichkeit der Dinge, die Geheimnisse der Geschöpfe und die Eigentümlichkeiten des Daseins entdeckt, Unterweisungen, Erfindungen und Gesetze mit jedem Tag verbessert werden, und dass Schlüsse aus den Sinneswahrnehmungen der materiellen Welt in Bezug auf die geistige Welt gezogen werden können.

Genau so muss er geistige Erziehung vermitteln, damit Verstand und Erkenntnis die göttliche Welt zu durchdringen vermögen und, durch den weihevollen Odem des Heiligen Geistes begnadet, die Verbundenheit mit den höchsten Heerscharen gewinnen. Durch ihn muss das menschliche Wesen so sehr zum Erscheinungsort des Göttlichen werden, dass die Namen und Eigenschaften Gottes im Spiegel der Wirklichkeit des Menschen erstrahlen und der gesegnete Vers: "Lasset Uns Menschen machen nach Unserem Bild und Gleichnis", verwirklicht wird.

Eine einzige heilige Seele kann die ganze Menschheit beleben und das Antlitz unseres Planeten verwandeln.Es ist klar, dass menschliche Kraft allein nicht zur Erfüllung eines so großen Auftrages ausreicht und dass durch den Verstand allein so hohe Aufgaben nie gelöst werden können. Wie wäre ein einzelner Mensch ohne Hilfe und Beistand fähig, den Grund zu diesem erhabenen Bau zu legen? Es muss ihm also eine geistige, göttliche Kraft zu Hilfe kommen, damit er eine solche Aufgabe zu bewältigen vermag.

Eine einzige heilige Seele kann dann die ganze Menschheit beleben und das Antlitz unseres Planeten verwandeln. Sie fördert die Verstandeskräfte, erweckt die Seelen und begründet ein neues Leben, legt das Fundament zu einer wunderbaren Neuschöpfung, verleiht der Welt eine neue Ordnung und vereinigt die Völker und Religionen unter dem Schutz eines einzigen Banners. Sie befreit die Menschen von Unvollkommenheit und Laster und beseelt sie mit Sehnsucht und dem Verlangen nach angeborenen und erworbenen Tugenden. Sicherlich muss die Kraft, die ein solches Werk vollbringen soll, göttlich sein. Wir müssen bei der Beurteilung dieser Frage gerecht sein, denn hier ist Gerechtigkeit nötig.

Eine Sache, die alle Regierungen und Völker der Welt mit all ihrer Macht und ihren Heeren nicht zu verkündigen und auszubreiten vermögen, wird durch eine einzige heilige Seele ohne Hilfe und Beistand vorwärts gebracht! Ist dies den menschlichen Kräften möglich? Nein, bei Gott! So hat Christus allein und ohne Hilfe das Banner des geistigen Friedens und der Rechtschaffenheit erhoben, während alle siegreichen Regierungen mit ihren Heeren dazu unfähig waren.

Denke daran, was aus so vielen verschiedenen Reichen und Völkern wurde: Das römische Reich, Frankreich, Deutschland, Russland, England und andere... alle versammelten sich unter dem einen Zelt. Damit soll gesagt sein, dass das Erscheinen Christi diese verschiedenartigen Völker zur Einigkeit führte. Unter dem Einfluss des Christentums ging diese Einigkeit bei manchen dieser Völker so weit, dass sie Gut und Leben füreinander opferten.

Christus hob Gegensätze auf und wurde zum Vermittler der Liebe zwischen den Völkern.Nach der Zeit Konstantins, des Vorkämpfers für die Christenheit, brach allerdings wieder Uneinigkeit unter ihnen aus. Der Punkt aber, auf den es Mir ankommt, ist, dass Christus etwas vollbracht hat, was alle die Könige der Erde nicht fertig bringen konnten. Er vereinigte die verschiedenen Religionen und änderte alte Sitten. Bedenke, welch große Verschiedenheit zwischen Römern, Griechen, Syriern, Ägyptern, Phöniziern, Israeliten und anderen Völkern Europas bestanden hatte. Christus hob alle Gegensätze auf und wurde zum Vermittler der Liebe zwischen diesen Völkern. Obwohl ihre Regierungen diese Einheit später zerstörten, hatte Christus Sein Werk doch vollendet.

Ein vollkommener Erzieher muss demnach gleichzeitig nicht nur ein körperlicher, sondern auch menschlicher und geistiger Erzieher sein; und es muss ihm eine übernatürliche Kraft gegeben sein, die ihn zum hohen Rang des göttlichen Lehrers erhebt. Wenn er keine so heilige Kraft besäße, könnte er nicht erziehen, denn wäre er selber unvollkommen, wie könnte er dann vollkommene Erziehung vermitteln? Wenn er unwissend wäre, wie könnte er andere zum Wissen führen? Wenn er selber ungerecht wäre, wie könnte er andere gerecht machen, oder wenn er selber irdisch gesinnt wäre, wie könnte er andere göttlich machen?

Nun müssen wir gerecht prüfen, ob die göttlichen Offenbarer, die in die Welt gekommen sind, alle diese Eigenschaften besessen haben. Wenn sie diese Eigenschaften und Vollkommenheiten nicht besaßen, konnten sie keine wahren Erzieher sein. Wir müssen daher die Prophetenschaft Mose, Christi und der anderen Offenbarer Gottes durch verstandesmäßige Beweise für verständnisvolle Menschen prüfen. Diese Beweise und Zeugnisse, die Wir anführen wollen, dürfen sich nicht auf überlieferte Argumente, sondern nur auf verstandesmäßige stützen.

Es wurde jetzt durch vernünftige Schlussfolgerung bewiesen, dass für die Welt ein Erzieher von größter Notwendigkeit ist und dass diese Erziehung durch göttliche Kraft bewirkt werden muss. Ohne Zweifel ist diese göttliche Kraft auf Eingebung zurückzuführen, und die Erziehung der Menschheit durch diese Kraft, die über jeder menschlichen Fähigkeit steht, ist eine Notwendigkeit.

Göttliche Offenbarer, die in diese Welt gekommen sind, haben göttliche Eigenschaften manifestiert.