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Bahá'u'lláhs ältester Sohn ´Abdu'l-Bahá
 

(9) Religion im Alltag

Die Lehre von der fortschreitenden Gottesoffenbarung und der mystischen Einheit aller Religionen ist der theologische Angelpunkt in der Botschaft Bahá'u'lláhs.

Religion als Ursache für Harmonie

Dieser theologische Universalismus spiegelt sich auch in Bahá'u'lláhs Gebot, Religion ausnahmslos als Ursache für Liebe, Harmonie und Frieden zu verstehen. Zwietracht, Feindschaft und Hass sind hingegen stets Ausdruck fehlender Religiosität. Fanatismus, Krieg und Unterdrückung sind egoistische und/oder nationalistische Strebungen, während Liebe, Brüderlichkeit und Dialogfähigkeit als Indikatoren für echtes Religionsverständnis gelten. Über den erzieherischen Charakter der Religion sagt ´Abdu'l-Bahá: "Religion ist im übrigen keine Ansammlung von Glaubenssätzen oder Bräuchen; Religion ist die Lehre Gottes, des Herrn, eine Lehre, die das Leben der Menschheit begründet, dem Verstand erhabene Gedanken eingibt, den Charakter veredelt und den Grundstock legt für des Menschen ewige Ehre" (´Abdu'l-Bahá: Briefe und Botschaften, Hofheim / Taunus 1992, S. 66).

Grundlage der Menschenrechte

Universales Haus der Gerechtigkeit - Foto von Marco Abrar - BahaiPictures.comBahá'u'lláh betont die Gleichwertigkeit aller Menschen im geistigen Sinne. Menschenrechte sind nach der Bahá'í-Lehre universell gültig. Sie dürfen nicht durch kulturelle, religiöse oder politische Anschauungen relativiert oder verwehrt werden. Gott schuf die ganze Menschheit aus demselben Stamm und verlieh ihr die "einzigartige Auszeichnung, Würde und Fähigkeit, Ihn zu erkennen und zu lieben". Die Gleichwertigkeit aller Menschen begründet nach Bahá'í-Auffassung ihre Einheit und spricht gegen alle Versuche der Gleichmacherei. Seine Lösung ist Einheit in der Mannigfaltigkeit. (siehe Shoghi Effendi: Die Weltordnung Bahá'u'lláh, Hofheim / Taunus 1977, S. 67ff).

Weltsprache und Weltschrift

Bahá'u'lláh fordert die Menschheit auf, neben dem lokalen Dialekt und der Muttersprache eine international einheitliche Verkehrssprache unter den bestehenden Sprachen auszuwählen oder neu zu entwickeln (z.B. Esperanto). "Der Tag naht, da alle Völker der Welt eine universale Sprache und eine einheitliche Schrift annehmen werden. Wenn dies erreicht ist, wird es für jeden Menschen, in welche Stadt er auch reisen mag, sein, als betrete er sein eigenes Heim." (Bahá'u'lláh: Ährenlese, 3. Aufl., Hofheim / Taunus 1980, S. 218).

Universales Haus der Gerechtigkeit - Foto von Marco Abrar - BahaiPictures.comDie Sprachbarriere ist eine der stärksten Ursachen von Abneigung und Misstrauen unter den Völkern. Zudem entstehen durch Übersetzungsflut und Missverständnisse weltweit beachtliche wirtschaftliche Verluste. Die Einigung auf eine Welthilfssprache würde all diese Barrieren und Missstände beseitigen.

Arbeit als Gottesdienst

Nach Bahá'u'lláh werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit, die im Dienst am Menschen verrichtet werden, als Gottesdienst betrachtet. Übermäßiger Reichtum und Armut sollen nach den Lehren Bahá'u'lláhs überwunden werden (´Abdu'l-Bahá: Ansprachen in Paris, Hofheim / Taunus 1973, S. 120).