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Zentrale Menschheitsaufgaben1. Unabhängige Suche nach Wahrheit Mit der Offenbarung Bahá'u'lláhs beginnt das Menschheitszeitalter des geistigen Erwachsen-Werdens, der Individuation und geistigen Reife. Der einzelne Mensch ist aufgerufen, sich aus dem Kollektivbewusstsein zu befreien und eine bewusste Persönlichkeit zu werden. Hierzu bedarf es der Unabhängigkeit des Denkens, einer eigenen Urteilskraft und intensiver Nachforschungen, die durch nichts und niemanden beeinflusst werden. Alles bislang Gelernte, alle eingeschliffenen Denkmuster und Glaubenssätze, alle Gewohnheiten und Traditionen müssen hierbei auf den Prüfstein. Es bedarf bisweilen des Mutes, gegebenenfalls mit seiner eigenen Erziehung von vorn zu beginnen. Um das von Gott übermittelte Neue erkennen und annehmen zu können, muss das Alte hinterfragt, verändert, erweitert, korrigiert, mitunter ganz oder teilweise verworfen werden. Dieser Weg führt zwangsläufig aus dem alten "Herdendasein" heraus. Je intensiver man diesen Weg der unabhängigen Wahrheitssuche beschreitet, desto einsamer wird man vorübergehend, bis man schließlich in geistigen Wahlverwandten neue Weggefährten findet. Der größte Schleier, der den Suchenden von der neuen göttlichen Botschaft fernhält, ist nach Bahá'u'lláh der Schleier des erworbenen und zumeist mit intellektueller Eitelkeit verbundenen Wissens. Es ist daher auch kein Wunder, wenn Bahá'u'lláh den Grundsatz der unabhängigen Suche nach Wahrheit an den Anfang Seiner Lehre stellt.![]() 2. Überwinden von Vorurteilen Es gibt kaum einen Menschen ohne Vorurteile. Diese sind überwiegend unbewusst und wirken sich daher weitgehend unbemerkt aus. Vorurteile kommen in großer Vielzahl vor; sie können sozialer, rassischer, religiöser, nationaler oder anderer Art sein. Häufig verbergen sie sich hinter Haltungen moralischer Überlegenheit; man fühlt sich besser und wertvoller als andere. Verleumdungen, Mobbing und viele andere entwürdigenden Verhaltensweisen sind eng mit Vorurteilen verbunden. Da sich Vorurteile überaus schädlich auswirken können und nicht selten Ursache kriegerischer Zerstörungs-Handlungen sind, ist deren Bewusstwerdung und Überwindung auf dem Weg zur Einheit der Menschheit unbedingt erforderlich. Solange man fest davon überzeugt ist, dass man selbst keine Vorurteile hat und stets der andere die Schuld trägt, steht man mit seiner Selbsterkenntnis noch vor deren Anfang. Menschen der alten Ethik projizieren ihre Unzulänglichkeiten und Befürchtungen in andere; sie kommen in ihrem Alltag ohne "Sündenböcke" nicht aus. Wer sich jedoch auf den Spuren des neuen Zeitalters befindet, sucht die Ursachen negativer Gefühle und Einstellungen aller Art zunächst bei sich selbst. In der Tiefenpsychologie spricht man davon, dass der Mensch der neuen Ethik seine "Schattenprojektionen" (auf die "Leinwand seiner Umwelt") als solche erkennt, zurücknimmt und überwindet.![]() 3. Bewusstwerdung in polaren Beziehungen In der Schöpfung Gottes finden sich unzählige polare Beziehungen. Alte Weisheitslehren des Taoismus vermitteln uns Einsichten, dass selbst die kompliziertesten Lebensprozesse letztlich von nur zwei Grundprinzipien getragen werden: dem Yang und dem Yin. Wir können die bedingte Welt, die Welt der gegenständlichen Erscheinungen nur über polare Betrachtungen erfassen. Ohne das Hohe kann das Tiefe nicht gedacht werden und ohne Kälte wissen wir nicht, was Wärme ist. Man denke außerdem an "plus ./. minus", "ein ./. aus", "links ./. rechts", "teuer ./. billig", "schwarz ./. weiß", "arm ./. reich", "offen ./. geschlossen", "anwesend ./. abwesend" und vieles mehr. ![]() Die Kunst des Lebens besteht nun darin, das rhythmische Schwingen zwischen den Polen zu ermöglichen und dabei möglichst den "goldenen Mittelweg" zu finden. Bahá'u'lláh spricht von "Mäßigung in allen Dingen". Wird ein Pol überbetont und dadurch der andere vernachlässigt, tendiert der Mensch zur Einseitigkeit und verliert die Mitte. In den westlichen Kulturen erkennt man dies an der Überbetonung des Weltlichen, des Äußeren, des Materiellen und des Ich. Auf der Strecke bleiben daher die Seele, der Geist und das höhere Selbst. Einseitiges Kreisen um einen Pol ist unfruchtbar, ungesund und letztlich destruktiv. Die Bahá'í-Religion ermutigt den Menschen, das Gleichgewicht zwischen den Polen herzustellen und damit den Fluss des schöpferischen Lebens zu ermöglichen. Wenn beide Pole als gleichwertig anerkannt werden und die Gleichberechtigung der Pole erzielt wird, gleicht dies einem Vogel, der sich erst durch das Zusammenwirken beider Flügel (Pole) in die Luft erheben und fortbewegen kann. Diese lebensfreundliche Grundhaltung des schöpferischen Schwingens zwischen den Polen findet sich in vielfältigen Bahá'í-Prinzipien, z.B.:
![]() 4. Konfliktlösung im größeren Maßstab Wenn mehrere Milliarden Menschen auf diesem "klein gewordenen" Raumschiff Erde in einer Weltdemokratie näher zusammenrücken sollen, kommen recht unterschiedliche Charaktere, Temperamente, Kulturen, ethnische Eigenarten, Weltanschauungen, Wertmaßstäbe und Entwicklungsstufen in direkte Berührung. Bei so vielen Unterschieden sind Reibungen, Missverständnisse und Konflikte vorprogrammiert und unvermeidlich. Man wird sicherlich nicht in all den unzähligen Situationen verbale Problemlösungen durchführen oder gar psychologische Hilfe zur Konfliktbewältigung in Anspruch nehmen können. ![]() Und dennoch ist dieses gigantische Unternehmen "Einheit der Menschheit" in dieser irdischen Welt ganz konkret in die Praxis umsetzbar! Es gibt jedoch nur einen einzigen "Schlüssel", der diesen neuen "Menschheits-Raum" aufzuschließen vermag. Ohne diesen "Schlüssel" wird die "Einheit der Menschheit" für immer bloßer Wunschtraum bleiben. Dieser geheimnisvolle und höchst wirkungsvolle "Schlüssel" ist nichts anderes als die "Liebe der einzelnen Menschen zu Gott"! Während sich Europa schwer tut, "Gott" in der Verfassung auch nur zu erwähnen, ist Gott in der Bahá'í-Weltordnung der tragende Pfeiler in deren Mitte. Alle Motivation der einzelnen künftigen Weltdemokraten entspringt unmittelbar der Liebe zu ihrem Schöpfer. Mit anderen Worten: Ohne Gott geht künftig nichts; indes ist mit Gott in Zukunft alles erreichbar! Oder anders formuliert: Ohne die Liebe zu Gott hat die Menschheit nicht die geringste Chance auf eine lebenswerte Zukunft; mit der Liebe zu Gott wird die Menschheit im glorreichen "Goldenen Zeitalter" (auf unserem Heimatplaneten) den gnadenreichen Segen des Allhöchsten genießen können. Die mit Abstand größte Kraft im Menschen ist, wenn sie aktiviert wird, die Liebe zu Gott. Sobald der Mensch seinen Geist und seinen inneren "Seelenspiegel" auf Gott ausrichtet, wird er befähigt, Großes zu vollbringen. Mit dieser Liebe zum erhabenen Schöpfer wird die Menschheit imstande sein, sich durch die zwischenmenschlichen Unterschiede nicht irritieren zu lassen. Die Konfliktlösung im größtmöglichen Maßstab heißt "Sublimation in der Liebe zu Gott". Konflikte werden mit der Kraft der Liebe zu Gott gleichsam "eingeschmolzen" und umgewandelt. Aus Liebe zu Dem, Der uns aus Liebe erschaffen hat, wird die Menschheit ihre größte Aufgabe und Herausforderung aller Zeiten erfolgreich meistern können.Bahá'u'lláh äußert in "Verse Gottes" auf S. 226: "Wenn es unter euch zu Meinungsverschiedenheiten kommt, seht Mich vor euerem Angesicht stehen und überseht gegenseitig euere Fehler um Meines Namens willen und als ein Zeichen euerer Liebe zu Meiner offenbaren, strahlenden Sache." ![]() 5. Liebe zu Gott Selbst wenn sich die Nationen der Erde einigten, die Bahá'í-Verwaltungsordnung zu übernehmen, würde dies nicht automatisch die Menschheit aus ihrer Notlage befreien. Eine neue Administration wäre wenig hilfreich, solange man sie nicht mit neuem Geist erfüllte. In unzähligen Textvariationen stellt Bahá'u'lláh die Liebe des Menschen zu Gott als zentrale Aufgabe und Voraussetzung in den Mittelpunkt seiner Botschaft. Folgende Beispiele aus "Verse Gottes" mögen dies verdeutlichen: Der höchste Grund für die Erschaffung der Welt und aller Dinge in ihr ist, dass der Mensch Gott erkenne. (S. 43) O Sohn des Seins! Wandle in Meinen Gesetzen aus Liebe zu Mir und entsage deinen eigenen Wünschen, wenn du Mein Wohlgefallen suchst. (S. 219) ![]() Nichts ist vor Gott verborgen oder könnte es jemals sein. Wenn ihr Seinem Wege folgt, werden Seine unermesslichen, unvergänglichen Segnungen auf euch hernieder strömen. (S. 264) Erhebe dich aus Liebe zu Gott und zu denen, die Ihm dienen, um dieser höchst erhabenen und bedeutungsvollen Offenbarung beizustehen. (S. 279) O Sohn des Menschen! Ich liebte es, dich zu erschaffen, also erschuf Ich dich. Nun liebe du Mich, damit Ich deinen Namen nenne und deine Seele mit dem Geiste des Lebens erfülle. (S. 355) Die Weltordnung Bahá'u'lláhs ist kein bloßes Rahmenwerk, keine bloße Verwaltungsstruktur; sie erwacht erst dann zum Leben, wenn sich der Mensch Gott zuwendet und dem folgt, was Christus bereits bei seinem ersten Kommen als "höchstes Gesetz" formulierte: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt." (Lukas 10, 27) ![]() 6. Hinwendung zu Bahá'u'lláh Esslemont zeigt in "Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter", wie wichtig die Hinwendung zu Bahá'u'lláh für den heutigen Menschen ist: "Um zu einem Bahá'í-Leben in all seiner Fülle zu gelangen, ist eine bewusste und unmittelbare Beziehung zu Bahá'u'lláh so notwendig wie der Sonnenschein für die Entfaltung der Lilie oder der Rose. Der Bahá'í verehrt nicht die menschliche Person von Bahá'u'lláh, sondern die Herrlichkeit Gottes, durch diese Persönlichkeit geoffenbart. Er verehrt Christus und Muhammad und alle früheren Gottgesandten an die Menschheit, aber er anerkennt Bahá'u'lláh als den Träger der göttlichen Botschaft für das neue Zeitalter, in dem wir leben, als den großen Weltenlehrer, der gekommen ist, um das Werk Seiner Vorgänger weiterzuführen und zu vollenden." (S. 91) ![]() Die Bahá'í-Religion lehrt, "dass so, wie die Blume in der Knospe verborgen ist, in jedem Menschenherzen ein Geist von Gott wohne, einerlei wie hart und unliebsam auch sein Äußeres sein mag..., dass in jedem Menschen eine innere, geistige Natur liegt, die der wirkliche Mensch ist... Es ist dieser wirkliche, innere Mensch in jedem unserer Mitmenschen, auf den wir unsere positiven Gedanken und unsere Liebe richten müssen. Wenn dieser ... erwacht, dann wird der äußere Mensch verwandelt und erneuert." (S. 101 f.) Der Mensch des neuen Zeitalters wird durch Bahá'u'lláh aufgerufen,
Bahá'u'lláh ermutigt, "dass sich der Mensch der in ihm verborgenen Vollkommenheit, des wahren inneren Selbstes, bewusst werde und diese völlig zum Ausdruck bringen soll. Dieses innere Selbst unterscheidet sich vom begrenzten äußeren Ich, welches bestenfalls nur wie ein Tempel ist und nur zu oft zum Gefängnis des wirklichen Menschen wird." (S. 106) "Das Leben, zu dem Bahá'u'lláh Seine Nachfolger ruft, ist sicherlich von solchem Adel, dass es in dem weiten Gebiet menschlicher Möglichkeiten nichts gibt, das erhabener, schöner und unseres Begehrens würdiger wäre. Das Erkennen des geistigen Selbstes in uns bedeutet das Erkennen der erhabenen Wahrheit, dass wir von Gott sind und zu Ihm zurückkehren werden. Dieses Zurückkehren zu Gott ist das herrliche Ziel der Bahá'í. Doch um dieses Ziel zu erreichen, gibt es nur einen Pfad, den des Gehorsams gegenüber Seinen erwählten Gesandten und ganz besonders gegenüber Seinem Gesandten für die Zeit, in der wir leben, Bahá'u'lláh, dem Offenbarer des neuen Zeitalters." (s. 106 f.)
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