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Es ist höchste Zeit!

"Obwohl die Vereinten Nationen sicher eine Rolle bei der Verhinderung eines dritten Weltkrieges spielten, zeichnete sich das vergangene Jahrzehnt doch durch zahlreiche regionale und nationale Kriege aus, die Millionen Menschen das Leben kosteten. Kaum hatten die verbesserten Beziehungen zwischen den Supermächten die ideologischen Motive dieser Konflikte beseitigt, traten seit langem schwelende ethnische und religiös-fanatische Leidenschaften als Ursache für neue Gewaltausbrüche an die Oberfläche. Obwohl das Ende des Kalten Krieges die Gefahr eines globalen Vernichtungskrieges reduziert hat, sind die Technologien zur Vernichtung des ganzen Planeten - und zu einem gewissen Grad auch die ihnen zugrunde liegenden Leidenschaften - noch immer existent.

Auch in Bezug auf soziale Fragen dauern die gravierenden Probleme an. Zwar erzielen internationale Programme zur Förderung der Gesundheit, der nachhaltigen Entwicklung und der Menschenrechte einen Konsens auf höchster Ebene; gleichwohl hat sich die Situation vor Ort in vielen Gegenden verschlechtert, insbesondere durch die alarmierende Verbreitung militanten Rassismus und religiösen Fanatismus, das krebsartige Wuchern des Materialismus, die epidemieartige Zunahme der Kriminalität und des organisierten Verbrechens, das weit verbreitete Anwachsen sinnloser Gewalt, die sich ständig vergrößernde Schere zwischen Reichtum und Armut, die noch immer anhaltende Ungerechtigkeit gegenüber Frauen, die unmoralischen Auswüchse des ungezügelten Kapitalismus und die Zunahme politischer Korruption. Mindestens eine Milliarde Menschen leben in erniedrigender Armut, und mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung sind Analphabeten."
(Wendezeit für die Nationen, Ein Statement der Internationalen Bahá'í-Gemeinde, S. 6 f.)

Der Blick in die Zukunft löst bei vielen Menschen unserer Zeit große Angst aus. Das Schreckgespenst der Klimakatastrophe lässt sich nicht mehr verdrängen. Die Konsequenzen aus dem verantwortungslosen bisherigen Umgang mit der Natur stehen unmittelbar vor der Tür. Das Gewaltpotential ist vielerorts recht groß und die Konflikte sind kaum mehr zu kontrollieren. Gleichzeitig sind die Waffenlager der meisten Nationen bis an den Rand gefüllt, während Millionen verhungern oder aufgrund menschenunwürdiger Zustände in ihrem Heimatland - wie bei einer Völkerwanderung - ihr Überleben in reicheren Ländern sichern wollen.



Die Mechanismen des Ich-Bewusstseins erweisen sich für die Lösung der großen Menschheitsprobleme als unzureichend. Das vielfach einseitige Ich-Bewusstsein des heutigen Menschen zeigt starke Tendenzen zur
  • Überschätzung des menschlichen Willens und Intellekts
  • Überbewertung des Materiellen
  • einseitige Fixierung auf äußere Werte
  • geistigen Verflachung (Zerstreuung im Oberflächlichen).
Am Ende heutiger Erziehungsprozesse steht nur allzu oft der egobetonte Einzelkämpfer mit hohen Erfolgszielen und scharfkantigen Ellenbogen. "Der andere" erscheint ihm als "Gegenmensch", den es zu besiegen gilt und der nur dann "gefällt", wenn er sich als "nützlich" erweist und/oder zur Festigung der eigenen karriereorientierten Position beiträgt. Der Mensch wird immer mehr zum "Wirtschafts-Faktor", dessen Wert berechnet und der in letzter Konsequenz zu einer beliebig ersetzbaren Nummer reduziert wird.

In diesem egodominierten Wertesystem zählt "Mobbing" zu den "natürlichen Auslesemethoden", kämpft jeder gegen jeden, sucht jeder nur seine eigenen Vorteile, schiebt jeder zur Seite, was ihm im Wege steht. Diese "Ich"-Atmosphäre ist geprägt von Heuchelei, Ehrgeiz, Eitelkeiten, Misstrauen und Neid. Es entsteht eine Unheil bewirkende Spiralwirkung, in der
  • immer mehr Menschen wirtschaftlich ausgebeutet und versklavt werden.
  • immer mehr Menschen "über den Rand" ins wirtschaftliche "Aus" gedrängt werden, verarmen und obdachlos werden.
  • Ehen reihenweise zerbrechen, Kinder und Jugendliche weder Halt noch Orientierung finden.
  • man bestrebt ist, die verbrauchten Kraftreserven durch "Ich"-typische Maßnahmen (oft im Gewand von Fitness, Wellness oder Fernreisen) aufzufrischen.
  • kompensativer Party-Rausch in den Auszeiten jeden Gewinn an Lebenstiefe erfolgreich verhindert.
Am Ende dieser Spirale stehen Unmenschlichkeit, Oberflächlichkeit, Niedergang und Zerfall. Die Vorherrschaft und scheinbare Allmacht des Ich-Bewusstseins verkehrt sich in Niederlage und Ohnmacht.

Für das heutzutage nur allzu oft im aufgeblähten Zustand befindliche eitle "Ich" ist Gott quasi eine "leere Wort-Hülse", in keinem Fall jedoch ein allgegenwärtiges, höchstlebendiges Wesen. Hierin liegt der größte und tiefste Irrtum all jener zahlreichen Menschen, die außer ihrem "Ich" keinen anderen "Herrscher" in ihrem Leben dulden.



Auf dem dringend notwendigen Weg vom "Gegenmenschen" zum "Mitmenschen" kann Gott nicht länger aus dem Weltbild ausgeschlossen bleiben. Vielmehr ist Er in den Mittelpunkt der künftigen Weltbefindlichkeit zu rücken. Wer Gott nicht in sein Leben einbezieht, lebt am Wesentlichsten vorbei, ist ohne wirkliche Mitte, ohne Wurzeln und ohne wahres Ziel. Wer seine gesamte Aufmerksamkeit dem Ich und den weltlichen Angelegenheiten widmet, hat den wahren Sinn des eigenen Lebens nicht erfasst. Erst in der Todesstunde wird dem im "Ich" verhafteten Menschen vielleicht ahnungsweise deutlich, dass ihm das Wesentlichste fehlt, dass alles, an das er sich bislang klammerte, seinem Griff entgleitet.

Die Zeiten der dominierenden "Ich"-Mechanismen, zu denen auch die Nationalstaatlichkeiten und Volkswirtschaften zählen, zeigen immer deutlichere Ohnmachtsymptome. Wahre und nachhaltige Lösungen für die Menschheitsprobleme sind weder auf der politischen noch wirtschaftlichen Ebene in Sicht. Auch im Religiösen, etwa in der Ökumene, sind keine überzeugenden Zukunftsperspektiven mit Verbindlichkeitscharakter erkennbar.

Die effizienteste Lösung für alle drängenden Menschheitsprobleme liegt in der weltweiten Annahme des aktuellen göttlichen Willens, der in dem Offenbarungswerk Bahá'u'lláhs ausführlich dargelegt ist. Es geht um einen weltweit gemeinsamen Neuanfang, die Vereinigung aller Menschen in einem gemeinsamen Glauben, in einer neuen göttlichen Weltordnung, die allen wesentlichen individuellen und kollektiven Anforderungen gerecht wird. Allein Gott vermag Seine Schöpfung umfassend zu verstehen, in Krisenzeiten eine umfassende und zutreffende Diagnose zu stellen, um sodann die richtige Medizin zu verordnen, die schließlich den gesamten "Menschheitskörper" zu heilen und geistig zu wandeln vermag.

Mit der Offenbarung Bahá'u'lláhs sind nicht nur alle bestehenden religiösen Schwierigkeiten und Missverständnisse überwindbar, sondern auch die göttlichen Grundlagen für eine hoffnungsvolle Weiterentwicklung der ganzen menschlichen Rasse bereit gestellt.

"Einheit der Menschheit" meint letztlich noch viel mehr, als man zunächst annehmen könnte. Esslemont schreibt in "Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter" auf S. 219:
"Wie von Bahá'u'lláh gelehrt, umfasst die Einheit der Menschheit nicht nur die Menschen, die noch im Körper wandeln, sondern alle menschlichen Wesen, ob sie noch im Körper oder körperlos sind. Nicht nur alle Menschen, die noch auf der Erde leben, sind Teile eines und desselben Organismus, sondern auch alle in den geistigen Welten, und diese zwei Teile sind eng voneinander abhängig. Geistige Gemeinschaft der einen mit der andern ist nicht unmöglich oder unnatürlich, sie ist vielmehr beständig und unvermeidlich vorhanden. Die, deren geistige Fähigkeiten noch unentwickelt sind, sind sich dieser lebendigen Verbindung nicht bewusst, aber wie sich des Menschen Fähigkeiten entwickeln, wird er sich der Verbindung mit den im Jenseits Befindlichen nach und nach bewusst und klar. Den Offenbarern und Heiligen ist diese geistige Gemeinschaft so vertraut und wirklich wie das gewöhnliche Schauen und der gewöhnliche Verkehr der übrigen Menschen."



Das Erscheinen eines neuen Gottgesandten entspricht dem Frühling in der Natur. Esslemont führt in "Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter" auf S. 19 aus:
"In der Natur bringt der Frühling nicht nur Wachstum und Erwachen zu neuem Leben, sondern auch die Zerstörung und die Entfernung des Alten und Morschen; denn die gleiche Sonne, welche die Blumen zum Blühen bringt und die Bäume knospen lässt, bewirkt auch Zerfall und Auflösung dessen, was tot und nutzlos ist; sie bricht das Eis, schmilzt den Schnee des Winters und entfesselt die Flut und den Sturm, welche die Erde säubern und reinigen. So ist es auch in der geistigen Welt. Das geistige Sonnenlicht schafft ähnlichen Aufruhr und Wandel. So wird der Tag der Auferstehung auch zum Tag des Gerichts, an dem Verdrehung und Verfälschung der Wahrheit und abgenützte Ideen und Gebräuche aufgehoben und zerstört werden, an dem das Eis und der Schnee der Vorurteile und des Aberglaubens, die sich während der Winterszeit angehäuft haben, schmelzen und verwandelt werden und Kräfte, die lange eingefroren und gebannt waren, frei werden, um die Welt zu über-fluten und zu erneuern."

Es bleibt zu hoffen, dass die Menschheit die historisch jüngste Gottesoffenbarung noch rechtzeitig als die Lösung aller großen Zeitprobleme entdeckt, erkennt und annimmt, bevor Fluten, Stürme und Feuer über sie hereinbrechen. Wir haben für diesen Erkenntnisprozess keine unbegrenzte Zeit zur Verfügung.

In Bahá'u'lláhs "Ährenlese" heißt es auf S. 187 unmissverständlich:

"Wir haben euch eine Frist gesetzt, o Völker! Wenn ihr versäumt, euch bis zur festgesetzten Stunde Gott zuzuwenden, wird Er wahrlich gewaltig Hand an euch legen und schwere Leiden von allen Seiten über euch kommen lassen. Wie streng ist fürwahr die Züchtigung, mit der euer Herr euch dann züchtigen wird!"

"Bahá'u'lláh erklärte offen und wiederholt, dass Er der lang erwartete Erzieher und Lehrer aller Völker sei, der Vermittler wunderbarer Gnade, die über alle früheren Ausgießungen hinausreiche. In ihr würden alle früheren Religionsformen münden wie Flüsse in das Weltmeer. Er legte den Grund zu einem festen Fundament der Einheit in der ganzen Welt und zur Errichtung jenes herrlichen Zeitalters des Friedens auf Erden, des Wohlgefallens unter den Menschen, von dem die Offenbarer früherer Religionen gekündet und die Dichter gesungen haben.

Unabhängiges Suchen nach Wahrheit, Einheit der Menschheit, Einheit der Religionen, der Rassen, der Völker, des Ostens und des Westens, Aussöhnung von Religion und Wissenschaft, Ablegen von Vorurteilen und Aberglauben, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit, Einsetzung eines höchsten übernationalen Gerichtshofs, Einführung einer Welthilfssprache, verbindlicher Erwerb von Wissen - diese und viele andere Lehren gleich diesen wurden durch die Feder von Bahá'u'lláh während der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in unzähligen Büchern und Sendschreiben, von denen verschiedene an die Könige und Herrscher der Welt gerichtet waren, geoffenbart.

Seine Botschaft, einzigartig in ihrer Verständlichkeit und Weite, ist in wundervoller Weise abgestimmt auf die Zeichen und Nöte der Zeit. Nie waren die neuen Aufgaben, die den Menschen gestellt wurden, so riesenhaft und so verwickelt wie jetzt. Nie waren die von Menschen angebotenen Lösungen so zahlreich und widerstreitend. Nie war daher die Not nach einem großen Weltenlehrer so dringend und so weithin spürbar."
(Esslemont: "Bahá'u'lláh und das Neue Zeitalter" S. 19 f.)

Literatur-Empfehlungen:

Statements der Internationalen Bahá'í-Gemeinde (Bahá'í-Verlag)
  • Wendezeit für die Nationen
  • Wer schreibt die Zukunft?
  • Entwicklungsperspektiven für die Menschheit