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(8) Das Menschenbild
Die höchste AufgabeAus der Tatsache, dass Gott den Menschen aus Liebe erschaffen hat, leitet sich für den Menschen die ehrenvolle und verpflichtende Aufgabe ab, Gott anzubeten und die Beziehung zu Ihm immer weiter zu intensivieren. Dies ist die höchste und eigentliche Aufgabe im Leben eines Menschen.EntscheidungsfreiheitWährend das Tier durch Instinkte gelenkt wird, die es ihm nicht ermöglichen, zwischen "gut" und "böse" zu unterscheiden, ist dem Menschen eine vernunftbegabte Seele gegeben, die sich frei entscheiden kann. Der Mensch ist selbst gesellschaftlichen Zwängen und kollektiven Vorgaben nicht wahllos ausgeliefert; vielmehr kann er sich stets "auch anders" entscheiden. Wenn der einzelne Mensch sein Leben auf den Willen Gottes ausrichtet, kann er zu erhabenen geistigen Entwicklungsstufen aufsteigen. Erlaubt man hingegen den niederen Neigungen ungehemmte Entfaltung, kann der Mensch tief unter die Stufe des Tieres hinabsinken. Der Mensch benötigt für sein geistiges Wachstum die Führung durch die "Sonne der Wahrheit", den Logos, den Gottesoffenbarer. Auch ist der mündige Mensch auf dem geistigen Weg aufgerufen, selbst aktiv und initiativ zu werden: "Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen" (Bahá'u'lláh: Verborgene Worte, Hofheim / Taunus 1978, S. 9).Leben nach dem Tod Analog dem vorgeburtlichen Leben im Mutterleib, aus dem heraus wir ja schon einmal "gestorben" sind, und in dem wir uns auf dieses Leben vorbereitet haben, ist auch das Leben in dieser vergänglichen Welt eine Vorbereitung auf weitere Entwicklungsstufen in der künftigen geistigen Welt, losgelöst von allen materiellen Verhaftungen. Dabei wird durch Bahá'u'lláh jede Art von Reinkarnation in ein neues Erdenleben ausgeschlossen und darauf hingewiesen, dass die Zahl der jenseitigen Welten Gottes unendlich ist. Dort erfolgt der Fortschritt unserer Seele mit Gottes Hilfe in einer Weise, die sich unserer Vorstellungskraft entzieht.Der Báb führt aus:Die stoffliche Gestalt ist der Thron des inneren Tempels; deshalb empfindet dieser alles, was dem Leib geschieht. In Wirklichkeit ist es des Leibes innerer Tempel, der durch Freude erhoben und durch Leid bedrückt wird, nicht der Leib selbst. Da der stoffliche Leib der Thron ist, auf dem der innere Tempel ruht, hat Gott bestimmt, dass der Leib, so gut es geht, erhalten wird, damit nichts geschieht, was Unstimmigkeit hervorruft. Der innere Tempel sieht seinen Thron, die stoffliche Gestalt. Wenn dieser Achtung entgegengebracht wird, ist es, als ob der innere Tempel sie empfängt. Das Gegenteil trifft ebenso zu. Deshalb wurde bestimmt, dass dem Leichnam höchste Ehrerbietung und Achtung entgegengebracht wird. (Verse Gottes, S. 392)Eine Verbrennung des Leichnams bzw. eine Feuerbestattung kommt angesichts der vorbeschriebenen Haltung für Bahá'í nicht in Betracht. |