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ChristusEs ist mehr als erstaunlich, dass man die Lehren Christi erst nach dessen Wiederkehr in von Irrtümern gereinigter Form verstehen kann. 'Abdu'l-Bahá hat sehr viel dazu beigetragen, die Größe und Bedeutung Christi deutlicher hervor treten zu lassen. Die folgenden Ausführungen stammen aus "Beantwortete Fragen".Die Geburt ChristiFrage: Wie ist die Geburt Christi durch den Heiligen Geist zu verstehen?Antwort: In dieser Frage widersprechen sich die Theologen und die Materialisten. Die Theologen glauben, dass Christus durch den Heiligen Geist geboren wurde, die Materialisten denken, dass dies unmöglich und unzulässig sei, und dass Er zweifellos einen menschlichen Vater gehabt habe. Im Qur'án heißt es: "Wir sandten zu ihr unseren Geist in der Gestalt eines vollkommenen Mannes." (Súrih 19,17) Das bedeutet, dass der Heilige Geist menschliche Gestalt annahm - wie ein Bild im Spiegel hervorgerufen wird - und zu Maria sprach. Die Materialisten glauben, dass eine Ehe sein muss, und sagen, dass ein lebendiger Körper nicht von einem körperlosen Wesen gezeugt werden könne und dass ohne Mann und Frau eine Befruchtung nicht stattfinden könne. Sie denken, dass dies nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier und den Pflanzen unmöglich sei. Denn die Paarung von Männlichem und Weiblichem bestehe bei allem lebendigen und pflanzlichen Sein. Diese Paarung in der Schöpfung wird sogar im Qur'án dargelegt: "Preis sei Ihm, Der zu Paaren erschaffen hat alles, was auf der Erde wächst, und die Menschen auf ihr und manches, was sie nicht erkennen." (Súrih 56,36) Das heißt, Menschen, Tiere und Pflanzen, alle sind gepaart - "und es gibt kein Ding, das Wir nicht in Paaren zu zweien erschaffen hätten." Das heißt, die ganze Natur wurde durch Paarung erschaffen.Kurz, die Materialisten sagen, ein Mensch ohne menschlichen Vater sei nicht denkbar. Darauf antworten die Theologen: "Dies ist nicht unmöglich und unausführbar. Es ist nur noch nicht gesehen worden, es besteht ein großer Unterschied zwischen einer unmöglichen und einer unbekannten Sache. Zum Beispiel war in früheren Zeiten der Telegraph, der den Osten und Westen verbindet, unbekannt, aber nicht unmöglich; auch die Photographie und der Phonograph waren unbekannt, aber nicht unmöglich." Die Materialisten beharren auf ihrer Meinung, und die Theologen antworten: "Ist diese Erde schon immer gewesen oder ist sie entstanden?" Die Materialisten erwidern, dass es nach dem Stand der Wissenschaften und entscheidender Entdeckungen festliege, dass sie entstanden sei. Zuerst war sie eine feurige Kugel, die sich allmählich abkühlte und eine Kruste bildete; dann wuchsen auf dieser Kruste zuerst Pflanzen, später entwickelten sich Tiere, und zuletzt trat der Mensch in Erscheinung. Die Theologen entgegnen: "Aus eurer Darstellung geht also klar und deutlich hervor, dass auf der Erde die Menschheit in Erscheinung trat und nicht schon ewig bestand. Demnach hatte der erste Mensch sicherlich weder Vater noch Mutter, denn das Dasein des Menschen ist entstanden. Ist die Erschaffung des Menschen ohne Vater und Mutter, selbst wenn er sich allmählich entwickelt hat, nicht schwerer, als wenn er einfach ohne Vater ins Leben gerufen worden wäre? Da ihr zugebt, dass der erste Mensch - sei es nun allmählich oder plötzlich - ohne Vater und ohne Mutter ins Dasein kam, kann es keinen Zweifel geben, dass auch ein Mensch ohne menschlichen Vater möglich und zulässig ist; ihr könnt dies nicht als unmöglich ansehen, sonst seid ihr unlogisch. Wenn man zum Beispiel sagt, dass diese Lampe einmal ohne Docht angezündet worden wäre, und dann behauptet, dass es unmöglich sei, sie ohne Docht zum Leuchten zu bringen, so ist dies unlogisch. Christus hatte eine Mutter; der erste Mensch hatte nach der Überzeugung der Materialisten weder Vater noch Mutter. ![]() Die Größe Christi liegt in Seiner VollkommenheitEin großer Mann ist groß, gleichgültig, ob er einen menschlichen Vater hat oder nicht. Wenn es ein Vorzug wäre, keinen Vater zu haben, so wäre Adam größer und erhabener als alle Propheten und Gottgesandten, denn er hatte weder Vater noch Mutter. Die Ursache der Größe und Erhabenheit ist der Glanz und die Gnade göttlicher Vollkommenheit. Die Sonne ist aus Substanz und Form geschaffen, die man mit Vater und Mutter vergleichen kann, und sie ist reine Vollendung; die Finsternis aber hat weder Substanz noch Form, weder Vater noch Mutter, und sie ist absolute Unvollkommenheit. Die Substanz von Adams körperlichem Leben war Erde, diejenige Abrahams aber reiner menschlicher Samen; sicherlich ist reiner und keuscher Samen besser als Erde.Mehr noch, im Evangelium des Johannes, im ersten Kapitel, Vers 12 und 13, heißt es: "Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Gelübde noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind." Aus diesen Worten geht klar hervor, dass das Wesen eines Jüngers auch nicht durch physische Kraft, sondern durch die geistige Wirklichkeit verursacht wurde. Die hohe Stellung und die Größe Christi liegen nicht darin, dass Er keinen Vater hatte, sondern in Seinen Vollkommenheiten, Seinen Gnadengaben und in Seiner himmlischen Herrlichkeit. Wenn die Größe Christi in Seiner Vaterlosigkeit gelegen hätte, müsste Adam größer gewesen sein, denn er hatte weder Vater noch Mutter. Im Alten Testament steht: "Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und Er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele." (1. Mose 2,7) Beachte, es heißt, dass Adam durch den Geist des Lebens erschaffen wurde. Darüber hinaus sind die Worte des Johannes über die Jünger ein Beweis dafür, dass auch sie vom himmlischen Vater sind.Es ist also klar erwiesen, dass die geheiligte Wirklichkeit, das heißt das wirkliche Sein eines jeden großen Menschen, von Gott kommt und durch den Odem des Heiligen Geistes ins Leben tritt. Der Sinn ist: Wenn es der größte Vorzug des Menschen wäre, keinen menschlichen Vater zu haben, dann wäre Adam größer als alle anderen, weil er weder Vater noch Mutter hatte. Ist es besser für den Menschen, aus lebendiger Substanz oder aus Erde erschaffen zu werden? Sicher ist es besser, aus lebendiger Substanz erschaffen zu werden. Christus aber wurde vom Heiligen Geist geboren und ins Leben gerufen. Abschließend: Der hohe Rang und der Ehrenplatz der heiligen Seelen und der göttlichen Offenbarer kommen von ihren Vollkommenheiten und Gnadengaben und ihrer himmlischen Herrlichkeit, und von nichts anderem. ![]() Der Heilige GeistFrage: Was ist der Heilige Geist?Antwort: Der Heilige Geist ist die Gnade Gottes und die leuchtenden Strahlen, die von den Offenbarern ausgehen; denn der Brennpunkt der Strahlen der Sonne der Wahrheit war Christus, und von diesem strahlenden Mittelpunkt, der Wirklichkeit Christi, strahlte die Gnade Gottes auf die anderen Spiegel, die Wirklichkeit der Apostel, zurück. Die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger bedeutet, dass sich die herrlichen göttlichen Gnadengaben widerspiegelten und in der Wirklichkeit der Jünger offenbar wurden. Ferner sind Eintritt und Austritt, Herabkommen und Auffahrt bezeichnende körperliche und nicht geistige Merkmale. Damit soll gesagt sein, sinnlich wahrnehmbare Wirklichkeiten treten ein und kommen hervor, aber intelligible Feinheiten und geistige Wirklichkeiten, wie Einsicht, Liebe, Erkenntnis, Einbildungskraft und Denkfähigkeit, treten nicht ein, noch kommen sie hervor oder herab, sondern sie sind aufeinander bezogen. Zum Beispiel ist Wissen als Errungenschaft des Intellekts ein intelligibler Zustand. Eingehen und Herauskommen aus dem Verstand sind eingebildete Vorgänge; aber der Verstand ist mit der Erringung von Wissen so verbunden wie Bilder, die von einem Spiegel zurückgeworfen werden.Da es also offensichtlich und klar ist, dass intelligible Wirklichkeiten nicht eintreten und herabsteigen, und es völlig unmöglich ist, dass der Heilige Geist auf- und absteigt, kommt und geht oder eindringt, so kann es nur sein, dass der Heilige Geist wie die Sonne in einem Spiegel widergestrahlt wird. An einigen Stellen der heiligen Bücher wird vom Geist gesprochen, auch wenn ein bestimmter Mensch damit gemeint ist; man sagt ja auch häufig in Rede und Unterhaltung, dass jemand verkörperter Geist ist oder Edelmut und Großherzigkeit in Person. In solchen Fallen blicken wir auf das Licht und nicht auf die Lampe. Im Johannesevangelium, wo von dem Verheißenen, der nach Christus kommen soll, die Rede ist, heißt es in Kapitel 16, Vers 12 und 13: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden." Nun achte genau darauf, dass aus den Worten: "Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden," klar hervorgeht, dass der Geist der Wahrheit in einem individuellen Menschen verkörpert ist, der Ohren hat zu hören und eine Zunge zu reden. In gleicher Weise wird der Name "Geist Gottes" mit Beziehung auf Christus angewandt; wie man von einem Licht spricht und dabei Licht und Lampe zugleich meint. ![]() Die Ausgiesung des Heiligen GeistesFrage: Nach der Bibel kam der Heilige Geist auf die Jünger herab. Auf welche Weise geschah dies und was bedeutet es?Antwort: Das Herabkommen des Heiligen Geistes ist nicht wie der Eintritt der Luft in den Körper; es ist ein bildlicher und kein wörtlich zu nehmender Ausdruck. Es gleicht vielmehr dem Eintritt des Bildes der Sonne in einen Spiegel; das heißt, ihr Glanz wird in ihm sichtbar. Die Jünger waren nach dem Hingang Christi in Verwirrung, ihre Meinungen und Gedanken gingen auseinander und widersprachen sich; später wurden sie gefestigt und einig, und am Pfingstfest kamen sie zusammen und lösten sich von den Dingen dieser Welt. Sie dachten nicht an sich selbst, verzichteten auf Behagen und irdisches Glück, opferten Leib und Seele ihrem geliebten Herrn, verließen ihre Familien und wurden heimatlose Wanderer, wobei sie sogar ihr eigenes Dasein vergaßen. Da wurde ihnen göttliche Hilfe zuteil, und die Kraft des Heiligen Geistes wurde offenbar; die Geistigkeit Christi siegte, und die Liebe Gottes herrschte. An diesem Tage wurde ihnen Hilfe geschenkt, und sie zerstreuten sich in alle Richtungen, lehrten die Sache Gottes und machten sie klar und offenkundig. Die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger bedeutet also, dass sie sich dem Geiste Christi ganz ergaben, wobei sie Sicherheit und Festigkeit fanden. Durch den Geist der Liebe Gottes gewannen sie neues Leben und sahen, dass Christus lebte, half und sie beschützte. Sie waren wie Wassertropfen und wurden zum Meer, sie waren wie schwache Mücken und wurden zu königlichen Adlern, sie waren kraftlos und wurden stark. Sie waren wie Spiegel, die der Sonne zugewendet sind; wahrlich, in ihnen wurden Strahlen der Sonne offenbar. ![]() Die DreieinigkeitFrage: Was bedeutet die Dreieinigkeit, die drei Personen in der einen?Antwort: Die göttliche Wirklichkeit ist über das Verstehen der Geschöpfe erhaben und geheiligt, und die weisesten und klügsten Köpfe können sich kein Bild von ihr machen; denn sie ist frei von jeder Vorstellung. Jene Wirklichkeit des Herrn lässt keine Teilung zu; denn Teilung und Vermehrung sind den Geschöpfen eigen, die abhängig in ihrem Sein sind, und sind keine Ereignisse, von denen der Selbstbestehende mitbetroffen ist. Die göttliche Wirklichkeit ist über die Vereinzelung geheiligt, wie viel mehr noch über die Vielheit. Das Herabsteigen jener Wirklichkeit Gottes zu Bedingungen und Stufen wäre mit Unvollkommenheit gleichbedeutend und das Gegenteil von Vollkommenheit; deshalb ist es völlig ausgeschlossen. Die Wirklichkeit des Herrn war immer und bleibt in der Erhabenheit der Heiligung und Heiligkeit. Alles, was von den Offenbarungen und Erscheinungsorten Gottes gesagt ist, bezeichnet die göttliche Widerspiegelung und nicht ein Herabsteigen zu den Bedingungen des Daseins. Gott ist reine Vollkommenheit, Geschöpfe sind bloß unvollkommen. Das Herabsteigen Gottes zu den Bedingungen des Daseins wäre die größte Unvollkommenheit; nein, Seine Offenbarung, Sein Erscheinen, Sein Aufgang gleichen dem Sichtbarwerden der Sonne in einem reinen, makellosen und fein geschliffenen Spiegel.Alle Geschöpfe sind offenkundige Zeichen Gottes, wie die anderen irdischen Organismen, auf die alle die Strahlen der Sonne fallen. Aber auf Ebenen, Berge, Bäume und Früchte fällt nur soviel Licht, dass sie sichtbar werden, sich entfalten und zum Ziel ihres Daseins gelangen, während der vollkommene Mensch (Der göttliche Offenbarer) im Rang des klaren Spiegels ist, in dem die Sonne der Wahrheit mit allen ihren Eigenschaften und Vollkommenheiten sichtbar und deutlich wird. So war die Wirklichkeit Christi ein klarer, fein geschliffener Spiegel von größter Schönheit und Reinheit. Die Sonne der Wahrheit, das Wesen Gottes, offenbarte sich in diesem Spiegel, und durch ihn wurden ihr Licht und ihre Wärme wahrnehmbar; aber von der Höhe ihrer Heiligkeit und dem Himmel ihrer Reinheit ist die Sonne nicht selbst herabgestiegen, um im Spiegel zu wohnen und zu verweilen. Nein, sie verharrt ewig in ihrer Erhabenheit und Höhe, während sie im Spiegel nur sichtbar wird und sich in Schönheit und Vollendung offenbart. Wenn wir nun sagen, dass wir die Sonne in zwei Spiegeln - einer Christus und einer der Heilige Geist - gesehen haben, so dass wir also drei Sonnen, eine am Himmel und zwei andere auf Erden, wahrgenommen haben, haben wir recht. Und wenn wir sagen, dass es nur eine unteilbare Sonne gibt, die einzig und ohnegleichen ist, sprechen wir wiederum die Wahrheit. Zusammengefasst: Die Wirklichkeit Christi war ein reiner Spiegel, und die Sonne der Wahrheit, die wesenhafte Einzigkeit, mit ihren unendlichen Vollkommenheiten und Wesensmerkmalen, wurde im Spiegel sichtbar. Es ist nicht so, dass die Sonne, die das Wesen Gottes ist, geteilt und vervielfacht worden wäre, sondern die Sonne ist eine, aber sie erschien im Spiegel. Darum sagte Christus: "Der Vater ist im Sohn" und meinte, dass jene Sonne in diesem Spiegel ersichtlich und offenbar ist. (Vgl. Johannes 10,38 und 14,10)Der Heilige Geist ist die Gnade Gottes, die in der Wirklichkeit Christi sichtbar und offenkundig wurde. Die Stufe der Sohnschaft ist das Herz Christi, und der Heilige Geist ist die Stufe des Geistes Christi. Folglich ist es erwiesen und eindeutig geworden, dass das Wesen Gottes absolut einzigartig ist und dass es nichts Gleiches, nichts Ähnliches, nichts Vergleichbares gibt. Dies ist die Bedeutung der drei Personen der Dreieinigkeit. Wäre es anders, so beruhten die Grundlagen der Religion Gottes auf einer unlogischen Annahme, die der Verstand niemals begreifen könnte; und wie könnte das Bewusstsein gezwungen werden, etwas zu glauben, was es nicht einsehen kann? Vom Verstand kann nur etwas angenommen werden, wenn es in eine verständliche Form gefasst ist; sonst ist es nichts als eine Bemühung der Einbildung. Durch diese Erklärung dürfte deutlich geworden sein, was der Sinn der drei Personen der Dreieinigkeit ist. Auch die Einheit Gottes ist bewiesen. ![]() Die Auferstehung ChristiFrage: Was bedeutet die Auferstehung Christi nach drei Tagen?Antwort: Die Auferstehung der göttlichen Offenbarer ist keine körperliche. Ihre Stellung und ihre Erscheinungsweise, ihr Tun und ihre Einrichtungen, ihre Lehren und ihre Ausdrucksweise, ihre Gleichnisse und ihre Unterweisungen haben geistige und göttliche Bedeutung und sind nicht an die stoffliche Welt gebunden. Nimm zum Beispiel die Frage von Christi Kommen aus dem Himmel: An zahlreichen Stellen des Evangeliums heißt es ganz klar, dass der Sohn des Menschen vom Himmel kam, dass Er im Himmel ist und dass Er in den Himmel geht. So steht in Kapitel 6, Vers 38, des Johannesevangeliums: "Denn Ich bin vom Himmel gekommen;" und in Vers 42 lesen wir: "Sie sprachen: Ist dies nicht Jesus, Josephs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel gekommen?" Und in Kapitel 3, Vers 13, heißt es: "Und niemand fährt gen Himmel, denn Der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, Der im Himmel ist." Beachte, dass gesagt ist: "... des Menschen Sohn, Der im Himmel ist", obwohl Christus zu dieser Zeit auf Erden war. Bedenke auch, dass geschrieben ist, dass Christus vom Himmel kam, obgleich Er aus Marias Schoß kam und Sein Leib von ihr geboren wurde. So ist es klar, dass es keine äußere, sondern eine innere Bedeutung hat, wenn gesagt ist, dass des Menschen Sohn vom Himmel kam; es ist eine geistige und keine körperliche Tatsache. Der Sinn ist, dass Christus, obwohl Er augenscheinlich aus Marias Schoß geboren wurde, tatsächlich vom Himmel kam, vom Mittelpunkt der Sonne der Wahrheit, von der göttlichen Welt und dem geistigen Königreich. Da nun klar erwiesen ist, dass Christus vom geistigen Himmel des göttlichen Reiches herabkam, hat auch Sein Verborgensein unter der Erde während dreier Tage eine innere Bedeutung und ist keine äußere Tatsache. Ebenso ist Seine Auferstehung aus dem Inneren der Erde symbolisch; sie ist ein geistiges und göttliches Geschehnis, kein materielles; gleicher Weise ist Seine Himmelfahrt eine geistige und keine körperliche.Von diesen Erklärungen abgesehen, hat die Wissenschaft festgestellt und bewiesen, dass der sichtbare Himmel eine unendliche Weite ist, öde und leer, wo zahllose Gestirne und Planeten ihre Bahnen ziehen. Darum erklären Wir den Sinn der Auferstehung Christi wie folgt: Die Jünger waren nach dem Kreuzestode Christi beunruhigt und verwirrt. Die Wirklichkeit Christi, Seine Lehren, Segensgaben, Seine Vollkommenheit und geistige Macht waren nach Seinem Kreuzestode zwei oder drei Tage lang verborgen und verschleiert, sie waren nicht sichtbar und leuchteten nicht. Im Gegenteil, man hielt sie für verloren, denn der Gläubigen waren wenige, und sie waren unruhig und aufgewühlt. Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper; nach drei Tagen aber, als die Apostel fest und sicher wurden, Seiner Sache zu dienen begannen und sich entschlossen, die göttlichen Lehren zu verbreiten, indem sie nach Seinem Vermächtnis handelten und sich erhoben, Ihm zu dienen, leuchtete die Wirklichkeit Christi, und Seine Segensgaben wurden sichtbar; Seine Religion wurde lebendig, und Seine Lehren und Ermahnungen wurden klar und offenkundig. Mit anderen Worten: Die Sache Christi war wie ein lebloser Körper, bis das Leben und die Segensgaben des Heiligen Geistes sie erfüllten.Das ist die Bedeutung der Auferstehung Christi, und es war eine wahre Auferstehung. Aber da die Priester weder den Sinn des Evangeliums verstanden noch seine Symbole erkannten, wurde gesagt, Religion widerspreche der Wissenschaft, und die Wissenschaft empöre sich gegen die Religion; denn gerade diese Auffassung von der leiblichen Himmelfahrt Christi in den sichtbaren Himmel steht im Widerspruch zur exakten Wissenschaft. Wenn aber die Wahrheit über diese Frage erkannt und ihr Symbolcharakter erklärt wird, widerspricht ihr die Wissenschaft in keiner Weise; im Gegenteil werden Wissenschaft und Verstand sie bestätigen. ![]() Christi Verklärung"Und nun verherrliche mich Du, Vater, bei Dir Selbst mit der Klarheit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war." (Johannes 17,5)Es gibt zwei Arten von Präexistenz: Die eine ist wesentlich, keine Ursache geht ihr voraus, sondern ihr Dasein ist unabhängig. Zum Beispiel hat die Sonne ihr Licht in sich, denn ihr Scheinen hängt nicht vom Licht anderer Gestirne ab. Dies nennt man Licht aus dem Wesen. Das Licht des Mondes aber kommt von der Sonne, denn der Mond ist mit seinem Scheinen von der Sonne abhängig. Folglich ist die Sonne in Bezug auf das Licht die Ursache und der Mond die Wirkung. Die Sonne ist das Frühere, Vorhergehende, Ursprüngliche, während der Mond das Spätere, Nachkommende ist. Die zweite Art von Präexistenz ist zeitlich, bei ihr gibt es keinen Anfang. Das Wort Gottes (die Wirklichkeit Christi) ist geheiligt über die Zeit. In Beziehung auf Gott sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich. Ein Gestern, Heute und Morgen gibt es nicht für die Sonne. Ebenso gibt es eine Präexistenz der Herrlichkeit, das heißt, das Herrlichste geht dem Herrlichen voraus. Darum ist die Wirklichkeit Christi, Der das Wort Gottes ist, in Bezug auf Wesen, Eigenschaften und Herrlichkeit sicherlich den Geschöpfen vorangegangen.Vor Seiner Offenbarung in menschlicher Gestalt war das Wort Gottes in höchster Heiligkeit und Herrlichkeit, wesenhaft in vollendeter Schönheit und hellstem Glanz, auf der Höhe Seiner Pracht. Als es nach dem Ratschluss des allmächtigen Gottes von den Höhen der Herrlichkeit in die körperliche Welt leuchtete, wurde das Wort Gottes infolge der Körperlichkeit unterdrückt, so dass es in die Hände der Juden fiel; es wurde das Opfer der Herrschsüchtigen und Unwissenden und wurde schließlich gekreuzigt. Darum sprach Christus zu Gott: "Löse mich aus den Fesseln der körperlichen Welt, mache mich frei aus diesem Käfig, auf dass ich zur höchsten Höhe der Erhabenheit und Herrlichkeit aufsteige und dass ich jene Größe und Heiligung, die vor der irdischen Welt bestand, wieder finde, dass ich mich der ewigen Welt erfreue und mich zur ursprünglichen Heimat, zur Welt ohne Raum, zum verborgenen Königreich erhebe." So kommt es, dass man sogar im Reich dieser Welt, das heißt im Gebiet des Geistes und der Materie, sieht, wie die Größe und Herrlichkeit Christi auf dieser Erde nach Seiner Himmelfahrt offenbar wurden. Während Seines Daseins in der körperlichen Welt war Er der Verachtung und dem Spott des schwächsten Volkes der Welt, der Juden, preisgegeben, die es für passend hielten, eine Dornenkrone auf Sein gesegnetes Haupt zu setzen. Aber nach Seiner Himmelfahrt wurden die juwelenbesetzten Kronen aller Könige gedemütigt und beugten sich vor der Dornenkrone. Erkenne daraus die Herrlichkeit, die das Wort Gottes sogar in dieser Welt erlangte. ![]() |