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Der Wandel der Welt

Dass die Welt während des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts durch die Todesqualen eines alten und die Geburtswehen eines neuen Zeitalters gegangen ist, das ist jedermann klar. Die alten Grundsätze des Materialismus und des Eigennutzes, die alten sektiererischen und vaterländischen Vorurteile und Gehässigkeiten sind im Schwinden begriffen, sie haben inmitten der Trümmer, die sie geschaffen, ihren Sinn verloren, und wir sehen in allen Ländern die Anzeichen eines neuen Geistes des Glaubens, der Brüderlichkeit und übernationalen Denkens, der die alten Bande sprengt und die alten Grenzen überrennt. Umstürzende Veränderungen von nie da gewesener Größe haben sich auf allen Gebieten des menschlichen Lebens ereignet.
Das alte Zeitalter ist aber noch nicht tot. Es ist mit dem neuen in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Es gibt Übel in Menge, riesenhaft und furchtbar, aber sie sind im Begriff, mit neuer Kraft und Hoffnung klargelegt, erforscht, angegriffen und verworfen zu werden. Es gibt Wolken in Menge, ungeheuer und drohend, aber das Licht will durchbrechen, den Weg des Fortschritts erleuchten und die Hindernisse und Fallgruben aufdecken, die den Weg zur Höhe versperren.



Im achtzehnten Jahrhundert war es anders. Damals wurde das geistige und moralische Dunkel, das die Welt umhüllte, kaum durch einen Lichtstrahl erhellt. Es war der dunkelsten Stunde vor der Dämmerung zu vergleichen, da die wenigen noch leuchtenden Lampen und Kerzen kaum mehr bewirken, als die Dunkelheit noch erkennbarer zu machen.

Carlyle schreibt über das achtzehnte Jahrhundert:
"Ein Jahrhundert, das keine Geschichte hat und wenig oder keine haben kann. Ein Jahrhundert, so voll von angehäuften Falschheiten ... wie kein Jahrhundert zuvor! Das nicht mehr das Bewusstsein hatte, falsch zu sein, so falsch war es geworden; und das so in Falschheit getaucht und davon bis auf die Knochen durchdrungen war, dass wirklich das Maß der Dinge voll war und eine Französische Revolution es beenden musste ... Ein äußerst passendes Ende für solch ein Jahrhundert, wie ich dankbar empfinde ... Denn es wäre noch einmal eine göttliche Offenbarung an die stumpfen, leichtfertigen Menschenkinder nötig gewesen, wenn sie nicht allesamt auf die Stufe der Affen sinken sollten."
(Carlyle, Friedrich der Große, Buch 1, Kap. 1.)

Verglichen mit dem achtzehnten Jahrhundert ist die jetzige Zeit wie die Dämmerung auf die Nacht oder wie der Frühling auf den Winter. Die Welt regt sich in neuem Leben, von neuen Idealen und Hoffnungen durchdrungen. Dinge, die noch vor wenigen Jahren unmögliche Träume schienen, sind jetzt vollendete Tatsachen. Andere, die noch Jahrhunderte weit voraus zu liegen schienen, sind bereits Gegenstand der "angewandten Politik" geworden. Wir fliegen in den Lüften und fahren unter dem Wasser. Wir senden Nachrichten rund um die Welt mit Blitzesschnelle. Innerhalb weniger Jahrzehnte haben wir Wunder erlebt, zu zahlreich um sie aufzuzählen. (S. 17f.)