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Rückblick und Ausblick"Ich bezeuge, o Freunde: Die Gunst ist erzeigt, der Sinn erfüllt, der Beweis erbracht und das Zeugnis abgelegt worden. Lasst nun sehn, was euer Bemühen auf dem Pfad der Loslösung erbringt. So wurde die göttliche Gunst euch und allen, die im Himmel und auf Erden sind, in vollem Maße gewährt. Preis sei Gott, dem Herrn aller Welten!"(Bahá'u'lláh, Verborgene Worte, S. 82.) Der Fortschritt des GlaubensLeider ist es nicht möglich, in dem uns zur Verfügung stehenden Raum im einzelnen den Fortschritt des Bahá'í-Glaubens in der ganzen Welt darzulegen. Viele Kapitel könnten diesem fesselnden Gegenstand gewidmet und viele ergreifende Geschichten von den Bahnbrechern und Märtyrern der Sache berichtet werden, aber hier muss eine ganz kurze Zusammenfassung genügen. In Persien erfuhren die ersten Gläubigen dieser Offenbarung äußersten Widerstand, Verfolgung und Grausamkeit von Seiten ihrer Landsleute. Aber sie gingen allen Schwierigkeiten und Feuerproben mit höchstem Heldenmut entgegen. Ihre Taufe erfolgte mit ihrem eigenen Blut, denn viele Tausende von ihnen starben als Märtyrer, während Tausende andere gegeißelt, eingekerkert, von ihrem Besitztum vertrieben, aus ihrem Heim verjagt oder auf andere Weise misshandelt wurden. Sechzig Jahre lang und länger setzte jedermann in Persien, der es wagte, dem Báb oder Bahá'u'lláh die Treue zu halten, sein Eigentum, seine Freiheit und sogar sein Leben aufs Spiel. Dieser entschlossene und heftige Widerstand konnte jedoch den Fortschritt des Glaubens ebenso wenig hindern wie eine Staubwolke den Sonnenaufgang.Von einem Ende Persiens bis zum anderen findet man jetzt Bahá'í in fast allen Städten und Dörfern, ebenso unter den Nomadenstämmen. In manchen Dörfern besteht die ganze Bevölkerung aus Bahá'í, und an anderen Orten ist ein verhältnismäßig großer Teil der Einwohner gläubig. Aus vielen und verschiedenartigen Sekten stammend, die einander bitter Feind sind, bilden sie jetzt eine große Gemeinschaft von Freunden, die sich zur Bruderschaft bekennen nicht nur untereinander, sondern mit allen Menschen. Allerorts arbeiten sie an der Vereinigung und Hebung der Menschheit, an der Abschaffung aller Vorurteile und allen Kampfes und an der Aufrichtung des Königreichs Gottes auf Erden. Welches Wunder könnte größer sein als dieses? Nur eines, nämlich die Vollendung der Aufgabe, der sich diese Menschen gewidmet haben, auf der ganzen Welt. Und es mangelt nicht an Zeichen, dass dieses größere Wunder sich ebenfalls vollzieht. Der Glaube zeigt eine erstaunliche Lebenskraft und ist im Begriff, die ganze Menschheit wie Sauerteig zu durchsetzen und, wo er sich ausbreitet, Menschen und Gesellschaft zu verändern.Die verhältnismäßig kleine Anzahl von Bahá'í mag noch unbedeutend erscheinen im Vergleich mit den Anhängern der alten Religionen; sie sind aber voll Vertrauen, dass eine göttliche Macht sie gesegnet hat mit dem hohen Vorrecht, einer neuen Ordnung zu dienen, in welche sich die Scharen des Ostens und Westens an einem nicht allzu fernen Tage drängen werden. Wie es also wahr bleibt, dass der Heilige Geist aus den reinen Herzen in allen Ländern widerstrahlt, sei die Quelle ihnen auch unbewusst, und dass das Wachstum des Glaubens durch die vielen Bemühungen außerhalb der Bahá'í-Gemeinschaft, die eine oder andere der Bahá'í-Lehren zu fördern, bezeugt werden kann, so ist doch der Mangel irgendeiner dauerhaften Grundlage in der alten Ordnung ein überzeugender Beweis dafür, dass die Ideale des "Königreiches" nur in dem Rahmen der Bahá'í-Gemeinschaft fruchttragend werden können. ![]() Báb und Bahá'u'lláh als OffenbarerJe mehr wir Leben und Lehren von Báb und Bahá'u'lláh studieren, desto weniger möglich erscheint es uns, irgendeine Erklärung für Ihre Größe zu finden, ausgenommen die der göttlichen Inspiration. Sie wurden auferzogen in einer Umgebung des Glaubenseifers und der Frömmelei. Sie genossen nur die allereinfachste Erziehung. Sie standen in keiner Berührung mit abendländischer Kultur. Sie hatten weder politische noch finanzielle Macht hinter Sich. Sie verlangten nichts von den Menschen und erfuhren meist nur Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Die Großen der Erde übersahen Sie oder widersetzten sich Ihnen. Sie wurden gepeitscht und gefoltert, gefangen gesetzt und in der Erfüllung Ihrer Sendung den schrecklichsten Trübsalen unterworfen. Sie standen allein gegen die Welt, keine Hilfe hinter Sich als die von Gott. Aber schon wird Ihr Sieg offenbar und großartig.Die Größe und Erhabenheit Ihrer Ideale, die Vornehmheit und Selbstaufopferung Ihres Lebens, Ihr unerschrockener Mut und Ihre Überzeugung, Ihre erstaunliche Weisheit und Erkenntnis, Ihr sicheres Erfassen der Bedürfnisse sowohl der östlichen wie der westlichen Völker, das Umfassende und die Angemessenheit Ihrer Lehren, Ihre Macht, in Ihren Anhängern gänzlicheHingabe und Begeisterung zu entflammen, das Durchdringen und die Gewalt Ihres Einflusses, der Fortschritt der Sache, die Sie begründeten, sicherlich sind dies alles Beweise Ihrer göttlichen Sendung, so überzeugend wie irgend etwas, das die Religionsgeschichte bisher aufzuweisen vermag. ![]() Ein herrlicher AusblickDie frohen Bahá'í-Botschaften enthüllen ein Bild der Gnadenfülle Gottes und des künftigen Fortschritts der Menschheit, das sicherlich die größte und herrlichste Offenbarung ist, die je der Menschheit geschenkt wurde, die Fortentwicklung und Erfüllung aller früheren Offenbarungen. Ihr Zweck ist kein geringerer als die Wiedergeburt des Menschengeschlechts und die Schöpfung "neuer Himmel und einer neuen Erde". Es ist dieselbe Aufgabe, der Christus und alle Offenbarer Ihr Leben gewidmet haben, und unter diesen großen Lehrern gibt es keinen Wettstreit. Nicht von der einen oder von der andern Manifestation, sondern von allen zusammen wird die Aufgabe gelöst,wie 'Abdu'l-Bahá sagt: ![]() "Es ist nicht nötig, Abraham herabzusetzen, um Jesus zu erhöhen. Es ist nicht nötig, Jesus herabzusetzen, um Bahá'u'lláh zu verkünden. Wir müssen die Wahrheit von Gott willkommen heißen, woher wir sie auch erhalten. Der Kern der Frage ist, dass alle diese großen Gesandten kamen, um die göttliche Fahne der Vollkommenheit aufzurichten. Sie alle scheinen als Gestirne am gleichen Himmel des Göttlichen Willens. Sie alle geben der Welt Licht." ('Abdu'l-Bahá, Star of the West, Bd. III, Nr. 8, S. 8.) Gott stellt die Aufgabe, und Gott beruft nicht nur die Offenbarer, sondern das ganze Menschengeschlecht zu Seinen Mitarbeitern bei diesem Schöpfungswerk. Weisen wir Seine Einladung zurück, so werden wir doch das Werk nicht am Vorwärtsschreiten hindern, denn was Gott will, wird sich sicherlich durchsetzen. Wenn wir versäumen, unsern Teil beizutragen, wird Er andere Werkzeuge berufen, Seinen Plan durchzuführen. Wir aber werden den wirklichen Zweck und Sinn unseres eigenen Lebens verfehlen. Eins zu sein mit Gott, Seine Geliebten, Seine Diener, willige Wege und Mittel Seiner Schöpferkraft zu werden, so dass wir uns bewusst sind, dass es in uns kein Leben gibt als Sein göttliches und überströmendes Leben, dies ist nach der Bahá'í-Lehre die unaussprechliche und herrliche Vollendung menschlichen Daseins. Trotz allem ist die Menschheit im Herzen gesund, denn sie ist erschaffen "zum Bild und Gleichnis Gottes", und wenn sie schließlich die Wahrheit sieht, wird sie nicht auf den Pfaden der Torheit verharren. Bahá'u'lláh versichert uns, dass binnen kurzem der Ruf Gottes allgemein angenommen und die Menschheit als Ganzes sich Rechtschaffenheit und Gehorsam zuwenden wird."Aller Kummer wird dann verwandelt werden in Freude und alle Krankheit in Wohlsein, und die Reiche dieser Welt werden sein das Reich "unseres Herrn und Seines Christus ... , und Er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit". (Offenbarung Johannes 11, 15) Nicht nur die Menschen auf Erden, sondern alle in den Himmeln und auf Erden, sollen eins werden in Gott und sich ewig freuen in Ihm. ![]() Erneuerung der ReligionDer Zustand der Welt von heute bietet sicherlich Beweis dafür, dass die Menschen aller Religionen, mit seltenen Ausnahmen, es nötig haben, wieder zu dem wirklichen Sinn ihrer Religion geführt zu werden, und diese Hinführung ist ein Hauptteil des Werkes von Bahá'u'lláh. Er kommt, die Christen zu besseren Christen, die Moslems zu wirklichen Moslems zu machen, alle Menschen dem Geiste, der ihre Offenbarer beseelte, getreu zu machen. Er erfüllt auch die von allen Propheten gegebene Verheißung einer noch herrlicheren Manifestation, die erscheinen soll in der "Fülle der Zeiten", um Ihr Werk zu krönen und zu vollenden. Er bringt vollere Entfaltung geistiger Wahrheiten als Seine Vorgänger und offenbart den Willen Gottes im Hinblick auf alle Fragen, die das Einzel- und Gemeinschaftsleben uns heutzutage in der Welt entgegenstellt. Er bringt eine allumfassende Lehre, die eine feste Grundlage bietet, auf der eine neue und bessere Zivilisation aufgebaut werden kann, eine Lehre, angepasst den Bedürfnissen der Welt in dem neuen Zeitalter, das jetzt seinen Anfang nimmt.Notwendigkeit einer neuen OffenbarungDie Einigung der Menschheit, das Zusammenschweißen der verschiedenen Weltreligionen, die Versöhnung von Religion und Wissenschaft, die Aufrichtung des Weltfriedens, der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, eines Universalen Hauses der Gerechtigkeit, einer internationalen Hilfssprache, die Gleichberechtigung der Frauen, umfassende Erziehung, die Abschaffung nicht nur der leiblichen, sondern auch der industriellen Versklavung, der Aufbau der Menschheit als ein einziges Ganzes unter gebührender Rücksicht auf die Rechte und Freiheiten jedes Einzelorganismus - dies sind Probleme von riesenhafter Größe und erstaunlicher Schwierigkeit im Vergleich zu jenen, an denen die Christen, die Muhammadaner und die Anhänger der andern Religionen festgehalten haben und heute noch festhalten mit den verschiedensten und oft einander heftig widersprechenden Auffassungen. Bahá'u'lláh aber hat klar und fest umrissene Grundsätze geoffenbart, deren allgemeine Annahme die Welt offensichtlich zu einem Paradies machen wird.![]() Wahrheit ist für alleManche Menschen sind gern bereit zuzugeben, dass die Bahá'í-Lehre eine herrliche Sache für Persien und für den Osten sei, bilden sich aber ein, dass sie für die Völker des Westens unnötig oder unangebracht sei. Jemandem, der eine solche Ansicht äußerte, erwiderte 'Abdu'l-Bahá:"Bezüglich der Bedeutung der Sache von Bahá'u'lláh: Was immer mit dem allgemeinen Wohl zu tun hat, ist göttlich, und was immer göttlich ist, ist für das allgemeine Wohl. Wenn es wahr ist, ist es für alle, wenn nicht, ist es für niemanden. Deshalb kann eine göttliche Sache zum allgemeinen Wohl nicht auf den Osten oder den Westen beschränkt werden, denn die Strahlen der Sonne der Wahrheit erleuchten sowohl den Osten wie den Westen, und sie lassen Süden wie Norden ihre Wärme fühlen. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem einen oder dem anderen Pol. Zur Zeit der Manifestation Christi dachten die Römer und Griechen, Seine Sache sei besonders für die Juden bestimmt. Sie dachten, sie besäßen eine vollkommene Zivilisation und hätten es nicht nötig, von Christi Lehren zu lernen, und infolge dieser falschen Voraussetzung wurden viele Seiner Gnade beraubt. Wisse auch, dass die Grundsätze des Christentums und die Befehle von Bahá'u'lláh einander gleich und dass ihre Pfade die gleichen sind. Jeder Tag hat seinen Fortschritt: es gab eine Zeit, als diese göttliche Einrichtung (Fortschreitende Offenbarung) sich noch im Keimzustand befand, dann war sie neugeboren, dann ein Kind, schließlich ein vernunftbegabter Jüngling, heute aber strahlt sie in Schönheit und leuchtet im größten Glanz. Glücklich, wer das Geheimnis durchdringt und sich seinen Platz in der Welt der Erleuchteten erringt."![]() Letzter Wille und Testament von 'Abdu'l-BaháMit dem Hinscheiden ihres geliebten Vorbilds 'Abdu'l-Bahá trat die Bahá'í-Religion in einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte ein. Dieser neue Abschnitt stellt einen höheren Zustand im Dasein dieses gleichen geistigen Organismus dar, einen reiferen und infolgedessen - so wird es von seinen Gliedern empfunden - verantwortungsvolleren Ausdruck des Glaubens. 'Abdu'l-Bahá hatte Seine übermenschliche Tatkraft und einzigartige Fähigkeit der Aufgabe gewidmet, Seine Liebe für Bahá'u'lláh nach dem Osten und Westen hin zu verbreiten. Er hatte die Lampe des Glaubens in zahllosen Seelen entzündet. Er hatte sie erzogen und gelenkt in den Belangen des persönlichen und geistigen Lebens.![]() Im Hinblick auf die hohe Tragweite von 'Abdu'1-Bahás letztem Willen und Testament, die Schwere seiner Folgen und die tiefe Weisheit, die seinen Verfügungen zugrunde liegt, geben wir im folgenden einige Auszüge, die anschaulich den Geist und die führenden Prinzipien schildern, die 'Abdu'l-Bahá beseelten und leiteten, und die Seinen getreuen Nachfolgern als ein reiches Erbe übergeben wurden. "O ihr Geliebten des Herrn! In dieser heiligen Sendung ist keinerlei Kampf und Streit gestattet. Jeder Angreifer beraubt sich selber der Gnade Gottes. Jedem einzelnen obliegt es, allen Völkern und Artverwandten auf Erden Liebe, Redlichkeit, Ehrlichkeit und aufrichtige Freundschaft zu erzeigen, gleichviel, ob sie Freunde oder Feinde sind. So stark muss der Geist der Liebe und Güte sein, dass sich der Fremde als Freund, der Feind als wahrer Bruder fühlt, gleichviel, welcher Unterschied zwischen ihnen sein mag. Denn allumfassend zu sein ist göttlich, und alle Beschränkungen sind irdisch. Verkehrt darum, o meine liebenden Freunde, mit allen Völkern, Stämmen und Religionen der Welt in äußerster Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Treue, Güte, Zuneigung und Freundlichkeit, auf dass sich die ganze Daseinswelt mit der heiligen Entzündung der Gnade Bahás erfülle, Unwissenheit, Feindseligkeit, Hass und Groll aus der Welt verschwinden und die Finsternis der Entfremdung unter den Völkern und Stämmen der Welt dem Lichte der Einigkeit weichen mögen. Sollten andere Völker und Nationen euch gegenüber treulos sein, so müsst ihr ihnen Treue erzeigen, sollten sie ungerecht gegen euch sein, so müsst ihr gegen sie gerecht sein, sollten sie sich von euch fernhalten, so ziehet sie zu euch hin, sollten sie sich feindselig zeigen, so seid freundlich zu ihnen, sollten sie euer Leben vergiften, so versüßet ihre Seelen, sollten sie euch verletzen, so seid ein Balsam für ihre Wunden. Das sind die Eigenschaften der Aufrichtigen! Das sind die Eigenschaften der Wahrhaftigen! ... ![]() O ihr Geliebten des Herrn! Es obliegt euch, allen rechtmäßigen Herrschern ergeben zu sein und jedem rechtlichen König eure Treue zu erweisen. Dienet den Herrschern der Welt mit äußerster Wahrhaftigkeit und Ergebenheit. Erzeigt ihnen Gehorsam und bringt ihnen Wohlwollen entgegen. Mischt euch nicht ohne ihre Erlaubnis und Genehmigung in politische Dinge ein, denn Untreue gegen einen rechtmäßigen Herrscher ist Untreue gegen Gott. Dies ist mein Rat und Gottes Gebot an euch. Wohl denen, die danach handeln ... Herr! Du siehst, wie alle Dinge Tränen über mich vergießen, während sich meine Verwandten an meinen Schmerzen weiden. Bei Deiner Herrlichkeit, o mein Gott! Selbst einige von meinen Feinden beklagten meine Qual und Pein, und eine Reihe meiner Neider beweinte meine Sorgen, meine Verbannung und meine Not. Sie taten dies, weil sie nichts an mir finden konnten als Liebe und Fürsorge, Güte und Erbarmen. Als sie sahen, wie diese Flut von Elend und Trübsal mich fortriss, wie ich den Pfeilen des Schicksals als Zielscheibe diente, da bewegte Mitleid ihre Herzen, Tränen traten ihnen in die Augen, und sie bekundeten: Der Herr ist unser Zeuge! Nichts haben wir je von ihm erfahren als Treue, Großmut und grenzenloses Erbarmen. Die Bündnisbrecher jedoch, jene Unheilverkünder, wurden nur noch gehässiger in ihrer Erbitterung. Sie frohlockten, als ich der schlimmsten Heimsuchung zum Opfer fiel, wiegelten einander erneut gegen mich auf und freuten sich über die herzzerreißenden Geschehnisse um mich her. Ich flehe zu Dir, o Herr, mein Gott, nicht nur mit Worten, sondern mit meinem ganzen Herzen. Vergilt ihnen nicht ihre Grausamkeit und ihre Übeltaten, ihre Verschlagenheit und das Unheil, das sie anrichteten, denn sie sind dumm und gemein und wissen nicht, was sie tun. Sie können Gut und Böse, Wahr und Falsch, Recht und Unrecht nicht unterscheiden. Sie gehen ihren eigenen Gelüsten nach und folgen den Fußstapfen des Dümmsten und Unvollkommensten unter ihnen. O mein Herr! Habe Mitleid mit ihnen, bewahre sie vor allem Leid in dieser so unruhevollen Zeit und gewähre, dass alle Sorge und Mühsal Deinem Diener zufallen möge, der in diesen finsteren Abgrund stürzte. Erwähle mich für jegliche Pein und mache mich zum Opfer für alle Deine Geliebten. O Herr, Du Höchster! Nimm mein Herz, mein Leben, mein Sein, meinen Geist, nimm alles, was mein ist, zum Opfer für sie hin! O Gott, mein Gott! Demütig bittend, mein Angesicht im Staube, flehe ich zu Dir mit der ganzen Inbrunst meiner Anbetung: Vergib jedem, der mich verletzte, verzeihe dem, der sich gegen mich verschwor und versündigte, und lösche die Untaten derer, die mir Unrecht zufügten. Gewähre ihnen Deine göttlichen Gaben, gib ihnen Freude, bewahre sie vor Leid, schenke ihnen Frieden und Wohlstand, gönne ihnen Deine Wonne und überschütte sie mit Deiner Freigebigkeit. Du bist der Machtvolle, der Gnädige, der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende! ...Die Jünger Christi vergaßen sich selbst und alles Irdische, gaben alle ihre Sorgen und Habe auf, läuterten sich vom Ich und den Leidenschaften und verstreuten sich in völliger Loslösung weithin, um die Völker unter die göttliche Führung zu rufen, bis sie schließlich aus dieser Welt eine neue Welt gemacht und die Erdoberfläche erleuchtet hatten, und bis zu ihrer letzten Stunde bewiesen sie ihre Opferbereitschaft auf dem Pfad jenes Geliebten Gottes. Schließlich erlitten sie in verschiedenen Ländern ruhmvolles Märtyrertum. Lasst die, die Menschen der Tat sind, ihren Spuren folgen! ... O Gott, mein Gott! Ich rufe Dich, Deine Propheten, Deine Boten und Deine Heiligen zu Zeugen, dass ich Deine Beweise überzeugend vor Deinen Geliebten verkündet und alles deutlich vor ihnen an den Tag gelegt habe, damit sie über Deinen Glauben wachen, Deinen geraden Weg behüten und Dein strahlendes Gesetz beschützen. Du bist wahrlich der Allwissende, der Allweise!"('Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, S. 27-29, 31-32, 24, 34-35.) Mit 'Abdu'l-Bahás Hinscheiden war jedoch die Zeit gekommen, die Verwaltungsordnung zu begründen, die als Muster und Kern der Weltordnung bezeichnet worden ist, welche die eigentliche Sendung der aufzurichtenden Religion von Bahá'u'lláh ist. Demzufolge kennzeichnet Wille und Testament von 'Abdu'l-Bahá einen Wendepunkt in der Bahá'í-Geschichte, der die Ära der Unreife und Unverantwortlichkeit von der Ära scheidet, in der die Bahá'í selbst ihre Geistigkeit zu erfüllen bestimmt sind, indem sie ihren Rahmen über den Bereich persönlicher Erfahrung hinaus zu dem sozialer Einheit und Zusammenarbeit erweitern. Die drei Grundelemente in dem von 'Abdu'l-Bahá hinterlassenen Verwaltungsplan sind:
![]() Der Hüter der Sache Gottes'Abdu'l-Bahá bestimmte Seinen ältesten Enkel, Shoghi Effendi, für die verantwortungsvolle Stellung des "Hüters der Sache" (Valíyy-i-Amru'lláh). Shoghi Effendi ist der älteste Sohn von Díyá'íyyih Khánum, der ältesten Tochter von 'Abdu'1-Bahá. Sein Vater, Mírzá Hádí, ist ein Verwandter des Báb, wenn auch nicht ein direkter Abkömmling, da das einzige Kind des Báb im Kindesalter starb. Shoghi Effendi war zur Zeit des Heimgangs seines Großvaters 25 Jahre alt und studierte am Balliol College in Oxford. Die Ankündigung seiner Einsetzung lautet im letzten Willen von 'Abdu'l-Bahá wie folgt:"O meine lieben Freunde! Nach dem Heimgang dieses Unrecht Leidenden müssen die Aghsán (Äste), die Afnán (Zweige) des Heiligen Lotosbaumes, die Hände (Pfeiler) der Sache Gottes und die Geliebten der Abhá-Schönheit sich Shoghi Effendi zuwenden, dem jugendlichen Ast, der aus den beiden geweihten und heiligen Lotosbäumen hervorgegangen, der Frucht, die aus der Vereinigung der beiden Sprösslinge des Heiligen Baumes entstanden ist, denn er ist das Zeichen Gottes, der ausersehene Ast, der Hüter der Sache Gottes, der, dem sich alle Äste, Zweige und Hände der Sache Gottes und Seine Geliebten zuwenden müssen. Er ist der Erklärer der Worte Gottes, und auf ihn wird der Erstgeborene seiner unmittelbaren Nachkommen folgen. Der heilige und jugendliche Ast, der Hüter der Sache Gottes sowohl als auch das Universale Haus der Gerechtigkeit, das allgemein zu wählen und einzusetzen ist, sind beide unter der Fürsorge und dem Schutz der Abhá-Schönheit, unter dem Schirm und der nicht irrenden Führung Seiner Heiligkeit des Erhabenen - möge mein Leben ein Opfer für beide sein! Was immer sie entscheiden, ist von Gott ...O ihr Geliebten des Herrn! Es obliegt dem Hüter der Sache Gottes, bei seinen Lebzeiten denjenigen zu ernennen, der sein Nachfolger werden soll, damit nach seinem Hinscheiden keine Meinungsverschiedenheiten entstehen. Der Ernannte muss in sich Loslösung von allem Weltlichen offenbaren, das Abbild der Reinheit sein und Gottesfurcht, Erkenntnis, Weisheit und Wissen zeigen. Sollte daher der Erstgeborene des Hüters der Sache Gottes in sich nicht die Wahrheit der Worte ,Das Kind ist das geheime Wesen seines Vaters' offenbaren, das heißt nicht seine (des Hüters der Sache Gottes) Geistigkeit geerbt haben und sich seine glorreiche Abkunft nicht mit einer schönen Wesensart paaren, so muss er (der Hüter der Sache Gottes) einen anderen Ast für seine Nachfolge ausersehen. Die Hände der Sache Gottes müssen aus ihrer eigenen Zahl heraus neun Personen wählen, die sich jederzeit den wichtigen Diensten in der Arbeit des Hüters der Sache Gottes widmen. Die Wahl dieser neun muss entweder einstimmig oder mit Stimmenmehrheit durch die Gemeinschaft der Hände der Sache Gottes erfolgen, und sie müssen, einstimmig oder durch Stimmenmehrheit, ihre Beipflichtung zur Ernennung dessen erklären, den der Hüter der Sache Gottes zu seinem Nachfolger erwählt hat. Diese Beipflichtung muss in einer Weise bekundet werden, welche die beipflichtenden und die abweichenden Stimmen nicht erkennen lässt (d. h. geheime Stimmabgabe)." ('Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, S. 24-26.) ![]() Die Hände der Sache GottesZu Seinen Lebzeiten bestimmte Bahá'u'lláh einige erprobte und vertraute Freunde, Ihn in der Leitung und Förderung des Werkes der Sache zu unterstützen, und gab ihnen den Titel Ayádíy-i-Amru'lláh (wörtlich: "Hände der Sache Gottes"). Abdu'l-Bahá traf in Seinem Willen Vorsorge für die Errichtung einer dauernden Körperschaft von Arbeitern, die der Sache Gottes dienen und dem Hüter der Sache helfen und die den gleichen Titel führen sollen.Er schreibt: "O Freunde! Die Hände der Sache Gottes müssen durch den Hüter der Sache Gottes ernannt und berufen werden... Es ist die Pflicht der Hände der Sache Gottes, die göttlichen Düfte zu verbreiten, die menschlichen Seelen zu erbauen, das Wissen zu fördern, den Charakter aller Menschen zu bessern und jederzeit und unter allen Umständen von allen irdischen Dingen geheiligt und losgelöst zu sein. Sie müssen durch ihre Führung, Sitten, Taten und Worte Gottesfurcht äußern. Diese Körperschaft der Hände der Sache Gottes steht unter der Leitung des Hüters der Sache Gottes. Er muss sie fortgesetzt anspornen, dass sie sich bemühen und bis zur äußersten Möglichkeit danach streben, die süßen Düfte Gottes zu verbreiten und alle Völker der Welt zu führen, denn es ist das Licht göttlicher Führung, das das ganze Weltall erstrahlen lässt." (Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, S. 26.) ![]() Die VerwaltungsordnungEs war ein allgemeines Merkmal von Religionen, dass ihre Organisation eine Unterbrechung des wahren geistigen Einflusses zur Folge hatte und zu verhindern half, dass der ursprüngliche Impuls in die Welt weitergegeben wurde. Die Organisation wurde stets eher zum Ersatz für die Religion als Mittel und Weg, der Religion Wirksamkeit zu verleihen. Die Trennung der Völker in unterschiedliche Überlieferungen, ohne Ausgleich durch friedlichen und schöpferischen Umgang, hat zwangsläufig dorthin geführt. Bis zur Gegenwart hat in der Tat kein Gründer einer geoffenbarten Religion ausdrücklich die Prinzipien dargelegt, die den Verwaltungsmechanismus des Glaubens, den Er begründete, leiten sollen. Im Bahá'í-Glauben wurden die Grundsätze der Weltadministration von Bahá'u'lláh zum Ausdruck gebracht, und diese Grundsätze wurden in den Schriften von 'Abdu'1-Bahá besonders in Seinem Willen und Testament weiter entwickelt.Das Ziel dieser Organisation ist, eine wahre und dauernde Einheit unter den Völkern verschiedener Rassen, Klassen, Interessen, Eigenart und ererbten Glaubens zu ermöglichen. Ein eingehendes und einfühlendes Studium dieser Seite des Bahá'í-Glaubens zeigt, dass die Ziele und das Verfahren der Bahá'í-Verwaltung so vollkommen dem ursprünglichen Geiste der Bahá'í-Offenbarung angepasst sind, dass sie zu ihm in demselben Verhältnis stehen wie der Körper zur Seele. In ihrer Eigenart stellen die Grundsätze der Bahá'í-Verwaltung die Wissenschaft der Zusammenarbeit dar; in ihrer Anwendung sehen sie einen neuen und höheren Typ von Sittlichkeit vor, weltumfassend in seinen Zielen ... Eine Bahá'í-Gemeinde unterscheidet sich von anderen freiwilligen Vereinigungen darin, dass ihre Grundlage so tief gegründet und so weit geschaut ist, dass sie jede aufrichtige Seele einschließen kann. Während andere Gruppen exklusiv sind, zum mindesten in der Wirkung, wenn nicht schon in der Absicht, der Handhabung oder im Ideal, schließt die Bahá'í-Religion alles ein und schlägt die Tore der Kameradschaft vor keiner aufrichtigen Seele zu. In jeder Gemeinschaft ist heimlich oder offen irgendeine Grundlage für eine Auslese da. In der Religion ist diese Grundlage ein Glaubensbekenntnis, das durch die historische Art seines Ursprungs beschränkt ist. Im Politischen ist es eine Partei oder ein Programm. Im Wirtschaftlichen ist dies eine beiderseitige Notlage oder beiderseitige Macht. In den Künsten und Wissenschaften besteht diese Grundlage in besonderer Erziehung oder Tätigkeit oder in besonderen Interessen. Bei alledem ist die betreffende Bewegung um so starker, je exklusiver die Grundlage der Auslese ist - ein Zustand, der demjenigen in der Bahá'í-Religion diametral entgegengesetzt ist. Daher entwickelt sich dieser Glaube bei all seinem Wachstums- und Fortschrittsgeist doch langsam, was die Zahl seiner tätigen Anhänger betrifft. Denn die Menschen sind an Exklusivität und Unterteilung in allen Angelegenheiten gewöhnt. Und wichtige Bestimmungen sind immer die Garanten und die Rechtfertigung von Unterteilung gewesen. In die Bahá'í-Religion einzutreten aber heißt, diese Bestimmungen hinter sich zu lassen - ein Erlebnis, das zunächst den Gläubigen beständig neuen Versuchungen und Leiden aussetzt, da sich das menschliche Ich gegen das höchste Gesetz der allumfassenden Liebe auflehnt. Der Wissenschaftler muss sich zum Einfachen und Ungelehrten gesellen, der Reiche zum Armen, der Weiße zum Farbigen, der Mystiker zum Buchstabenmenschen, der Christ zum Juden, der Muhammadaner zum Parsen, und dies unter Bedingungen, die den Vorzug seit langem begründeter Anmaßungen und Vorrechte beseitigen. Aber für dies schwierige Erlebnis gibt es herrlichen Ausgleich. Lasst uns daran denken, dass die Kunst unfruchtbar wird, wenn sie sich von der menschlichen Allgemeinheit abwendet, dass die Philosophie ebenso ihre Schaukraft verliert, wenn sie sich in der Einsamkeit entwickelt, und dass Politik und Religion nie Erfolg haben abseits von den allgemeinen Nöten der Menschheit. Die menschliche Wesensart ist noch nicht bekannt, denn wir haben alle in einem Zustand gedanklicher, sittlicher, gefühlsmäßiger oder sozialer Abwehr gelebt, und die Psychologie der Abwehr ist die der Hemmung. Die Liebe Gottes aber beseitigt Furcht; die Beseitigung der Furcht richtet die verborgenen Kräfte auf, und Anschluss an andere in geistiger Liebe bringt diese Kräfte zu lebendigem, bejahendem Ausdruck. Eine Bahá'í-Gemeinde ist ein Zusammensein, wo dieser Vorgang Platz greifen kann, langsam zu Beginn, wenn dieser neue Antrieb Kräfte sammelt, rascher sodann, wenn die Mitglieder sich der Kräfte bewusst werden, welche die Blüte der Einheit unter den Menschen entfalten ...Mit der Verantwortlichkeit für örtliche Bahá'í-Angelegenheiten und deren Überwachung ist eine Körperschaft bekleidet, die als Geistiger Rat bekannt ist. Diese Körperschaft, auf neun Mitglieder begrenzt, wird jährlich am 21. April, dem ersten Tage des Ridván - der Festzeit zum Gedenken der Erklärung von Bahá'u'lláh - durch die erwachsenen erklärten Gläubigen der Gemeinde gewählt, deren Wahlliste von dem scheidenden Geistigen Rat aufgestellt wird. Was die Eigenart und Amtstätigkeit dieser Körperschaft betrifft, so hat 'Abdu'l-Bahá folgendes geschrieben: "Allen Gläubigen obliegt es, keinen Schritt (der Bahá'í-Tätigkeit) zu unternehmen ohne Beratung durch den Geistigen Rat, und sie müssen gewisslich mit Herz und Seele seinem Geheiß gehorchen und sich ihm unterordnen, so dass die Dinge klar angeordnet und richtig verabredet werden. Sonst wird jedermann nach seinem eigenen Gutdünken handeln, wird seinem eigenen Wunsche folgen und der Sache Schaden zufügen. Die ersten Erfordernisse für jene, die zusammen einen Rat bilden, sind Reinheit der Beweggründe, strahlender Geist, Loslösung von allem außer Gott, Anziehungskraft zu Seinen göttlichen Düften, Demut und Bescheidenheit inmitten Seiner Geliebten, Geduld und Langmut in Schwierigkeiten und Dienstbarkeit an Seiner erhabenen Schwelle. Sollte ihnen gnädiglich geholfen werden, diese Eigenschaften zu erwerben, so wird ihnen Sieg verliehen werden von dem unsichtbaren Königreiche Bahás. An diesem Tage sind Ratsversammlungen von größter Bedeutung und ein Lebensbedürfnis. Gehorsam ihnen gegenüber ist wesentlich und Pflicht. Deren Mitglieder müssen miteinander in der Weise beratschlagen, dass kein Anlass zu Missstimmung oder Zwietracht sich erheben mag. Dies kann erreicht werden, wenn jedes Mitglied in völliger Freiheit seine eigene Meinung ausspricht und seinen Beweisgrund klarlegt. Sollte irgendjemand dagegen sein, so muss jener in keiner Weise sich getroffen fühlen, denn der rechte Weg kann nicht geklärt werden, ehe die Angelegenheiten nicht völlig zur Sprache gebracht sind. Der leuchtende Wahrheitsfunken bricht erst nach dem Aufeinandertreffen verschiedener Meinungen hervor. Wenn nach der Aussprache ein Entschluss einstimmig zustande gebracht wird, so ist es wohl und gut; wenn aber, was Gott verhüte, Meinungsverschiedenheiten sich erheben sollten, so muss Stimmenmehrheit entscheiden ... Die erste Bedingung ist völlige Liebe und Einklang unter den Mitgliedern des Rates. Sie müssen gänzlich frei sein von gegenseitiger Entfremdung und müssen die Einheit Gottes offenbaren, denn sie sind die Wogen eines Meeres, die Tropfen eines Flusses, die Sterne eines Himmels, die Strahlen einer Sonne, die Bäume einer Wiese, die Blumen eines Gartens. Sollten Einklang des Denkens und unbedingte Einigkeit nicht bestehen, so soll diese Versammlung zerstreut und dieser Rat zunichte werden.Die zweite Bedingung: Sie müssen, wenn sie zusammenkommen, ihr Angesicht dem Königreiche in der Höhe zuwenden und um Hilfe bitten aus dem Reiche der Herrlichkeit ... Aussprachen müssen sich alle auf geistige Dinge beschränken, die der Erziehung von Seelen zukommen, der Unterweisung von Kindern, der Unterstützung der Armen, der Hilfe der Schwachen in allen Klassen der Welt, der Güte zu allem Volke, der Verbreitung der Düfte Gottes und der Lobpreisung Seines heiligen Wortes. Sollten sie sich bemühen, diese Bedingungen zu erfüllen, so wird die Gnade des Heiligen Geistes ihnen gewährt werden und dieser Rat der Mittelpunkt der göttlichen Segnungen werden, die Scharen göttlicher Bestätigung werden ihnen zu Hilfe eilen, und sie werden Tag für Tag eine neue Ausgießung des Geistes empfangen." ('Abdu'l-Bahá) Zur weiteren Erklärung dieses Gegenstandes schreibt Shoghi Effendi: "Nichts, was auch immer es sei, sollte durch irgendeinen einzelnen unter den Freunden der Öffentlichkeit übergeben werden, ehe es nicht reiflich erwogen und gebilligt wurde durch den Geistigen Rat seines Ortes. Und wenn dies, was sicherlich zutrifft, eine Angelegenheit ist, die das allgemeine Wohl in diesem Lande angeht, dann ist es Pflicht des Geistigen Rates, es der Erwägung und Zustimmung des Nationalen Rates zu unterbreiten, der alle die verschiedenen örtlichen Rate vertritt. Nicht allein hinsichtlich der Veröffentlichung, sondern auch sonst sollten alle Angelegenheiten ohne eine Ausnahme, die sich auf das Wohl der Sache an jenem Orte beziehen, die einzelnen oder die Gesamtheit betreffend, ausschließlich dem Geistigen Rate dieses Ortes zugeleitet werden, der über sie entscheiden soll, außer wenn es eine Angelegenheit nationalen Belanges ist. In diesem Falle soll sie dem Nationalen Rate zugeleitet werden. Bei diesem Nationalen Rate wird auch die Entscheidung verbleiben, ob ein gegebener Fall von örtlichem oder nationalem Belang ist. (Unter nationalen Angelegenheiten sind nicht Dinge gemeint, die von politischem Charakter sind, denn den Freunden Gottes in aller Welt ist es streng verboten, sich auf irgendeine Weise in politische Angelegenheiten zu mischen. Vielmehr sind Angelegenheiten gemeint, welche die geistige Tätigkeit des Rates der Freunde in diesem Lande berühren.)Voller Einklang jedoch sowie Zusammenarbeit unter den verschiedenen örtlichen Räten und den Mitgliedern selbst, und besonders zwischen jedem Rat und dem Nationalen Rat, sind von äußerster Wichtigkeit, denn davon hängt die Einheit der Sache Gottes, der Zusammenschluss der Freunde, die vollständige, rasche und erfolgreiche Wirkung der geistigen Tätigkeit Seiner Geliebten ab. Die verschiedenen örtlichen und nationalen Rate bilden heutzutage die Grundlage, auf deren Stärke das Universale Haus (der Gerechtigkeit) in Zukunft fest begründet und aufgebaut werden soll. Nicht ehe diese kraftvoll und harmonisch in Tätigkeit sind, kann die Hoffnung auf Abschluss dieser Übergangszeit sich verwirklichen ... Haltet daran fest, dass der Grundton in der Sache Gottes nicht diktatorische Gewalt, sondern bescheidene Kameradschaft ist, nicht eigenwillige Macht, sondern der Geist freimütiger und liebevoller Beratung. Nichts anderes als der Geist eines wahren Bahá'í kann hoffen, die Grundsätze von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, von Freiheit und Unterwerfung, von der Heiligkeit des Rechtes des einzelnen und von Selbstentsagung, von Wachsamkeit, Verschwiegenheit und Klugheit einerseits und Kameradschaft, Aufrichtigkeit und Mut andererseits zu versöhnen." ...Die örtlichen Geistigen Räte eines Landes sind einander angeschlossen und gleichgerichtet durch eine andere erwählte Körperschaft von neun Mitgliedern, den Nationalen Geistigen Rat. Diese Körperschaft kommt zustande durch eine jährliche Wahl, die durch gewählte Abgeordnete abgehalten wird, welche die örtlichen Bahá'í-Gemeinden vertreten ... Die Nationaltagung, auf welcher die Abgeordneten sich versammeln, setzt sich aus einer Wahlkörperschaft zusammen, die auf dem Grundsatz proportionaler Vertretung ruht ... Diese Nationaltagungen werden vorzugsweise während der Ridván-Zeit gehalten, jener zwölf Tage, die am 21. April beginnen zum Andenken an die Erklärung von Bahá'u'lláh im Garten Ridván bei Baghdad. Die Anerkennung der Abgeordneten steht dem scheidenden Nationalen Geistigen Rate zu. Eine Nationaltagung ist eine Gelegenheit zur Vertiefung des Verständnisses der Bahá'í-Tätigkeit und zum Anhören von Berichten nationaler und örtlicher Tätigkeit in der Zeitspanne des vergangenen Jahres ... Das Amt eines Bahá'í-Abgeordneten ist soll die Tätigkeit der Freunde lenken, achtsam die Sache Gottes behüten und die Angelegenheiten des Glaubens im allgemeinen beaufsichtigen und überwachen. Lebenswichtige Aufgaben, welche das Wohl der Sache in diesem Lande betreffen, wie die Angelegenheit der Übersetzung und Veröffentlichung, der Mashriqu'l-Adhkár, die Lehrtätigkeit und anderes mehr, das sich deutlich von streng örtlichen Angelegenheiten abhebt, müssen unter der vollen Oberaufsicht des Nationalen Rates stehen.Er wird, ebenso wie die örtlichen Rate, eine jede dieser Aufgaben einem besonderen Ausschuss überweisen, welcher durch die Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates aus allen Freunden dieses Landes zu erwählen ist und zu ihm im selben Verhältnis steht wie die örtlichen Ausschüsse zu ihren entsprechenden örtlichen Räten. Ihm bleibt auch die Entscheidung, ob ein gewisser Punkt seinem Wesen nach streng örtlich und zur Erwägung und Entscheidung dem örtlichen Rate vorbehalten ist oder ob er in seinen eigenen Wirkungskreis fällt und eine Angelegenheit ist, die seine besondere Aufmerksamkeit verdient ... Es ist, zum Wohle der Sache, die wir alle lieben und der wir dienen, die bindende Pflicht der Mitglieder des neuen Nationalen Rates, nachdem er einmal durch die Abgeordneten auf der Tagung gewählt ist, äußerste Rücksicht, einzeln sowohl als insgesamt, auf die Ratschläge, die wohlerwogene Meinung und die echten Gefühle der versammelten Abgeordneten anzustreben und zu üben. Indem sie jede Spur von Heimlichtuerei, von unangebrachter Schweigsamkeit und von diktatorischer Abgeschlossenheit aus ihrer Mitte bannen, sollten sie strahlend und ausgiebig vor den Augen der Abgeordneten, durch die sie gewählt wurden, ihre Plane, ihre Hoffnungen und ihre Sorgen ausbreiten. Sie sollten die Abgeordneten mit den verschiedenen Angelegenheiten vertraut machen, die im kommenden Jahr erwogen werden müssen, und ruhig und gewissenhaft die Meinungen und Urteile der Abgeordneten erforschen und abwägen. Der neu gewählte Nationale Rat sollte während der wenigen Tage, da die Nationaltagung Sitzungen abhält, und nach dem Auseinandergehen der Abgeordneten Wege und Mittel suchen, um das Sichverstehen zu pflegen, den Austausch von Ansichten zu erleichtern und aufrechtzuerhalten, das Vertrauen zu vertiefen und durch jeden erreichbaren Beweis ihren einen Wunsch zu rechtfertigen, dem gemeinsamen Wohl zu dienen und es zu fördern ... Der Nationale Geistige Rat wird jedoch angesichts der unvermeidlichen Beschränkungen, die dem Abhalten häufiger und lang andauernder Sitzungen auf der Tagung gesetzt sind, in seiner Hand die endgültige Entscheidung aller Dinge, die das Wohl der Sache berühren, behalten, ... so zum Beispiel das Recht der Entscheidung, ob ein örtlicher Rat im Einklang mit den Grundsätzen, die zur Führung und Förderung der Sache niedergelegt sind, arbeitet."Was die Aufstellung der Wählerlisten für die jährlichen örtlichen Bahá'í-Wahlen betrifft, so trägt die Verantwortung hierfür jeder örtliche Geistige Rat. Als Anleitung in dieser Sache hat der Hüter folgendes geschrieben: "Um ganz kurz und den gegenwärtigen Umständen angemessen die Hauptfaktoren festzustellen, die in Erwägung gezogen werden müssen vor der Entscheidung, üb eine Person als wahrer Gläubiger angesehen werden kann oder nicht: Volle Anerkennung der Stufe des Vorläufers, des Begründers und des wahren Vorbildes des Bahá'í-Glaubens, wie es in 'Abdu'l-Bahás Wille und Testament dargelegt ist; rückhaltlose Annahme all dessen, was durch Ihre Feder offenbart worden ist, und ihre Unterwerfung darunter, treues und standhaftes Festhalten an jeder Klausel des geheiligten Willens unseres Geliebten; und enge Verbindung mit dem Geist wie mit der Form unserer gegenwärtigen Bahá'í-Verwaltung - dies verstehe ich unter den grundsätzlichen und hauptsächlichen Erwägungen, die aufrichtig, besonnen und wohlbedacht angestellt werden müssen, ehe man eine so wesentliche Entscheidung trifft."'Abdu'l-Bahás Anweisungen sehen für die Weiterentwicklung der Bahá'í-Organisation vor: "Und was nun das Haus der Gerechtigkeit betrifft, das Gott als die Quelle alles Guten verordnet und von allem Irrtum befreit hat, so muss es durch allgemeine Wahl, das heißt durch die Gläubigen, gewählt werden. Seine Mitglieder müssen Offenbarungen der Gottesfurcht, Aufgangsorte der Erkenntnis und des Verständnisses und standhaft im Gottesglauben sein und der ganzen Menschheit wohlwollen. Mit diesem Haus ist das Universale Haus der Gerechtigkeit gemeint, das heißt, dass in allen Ländern ein nachgeordnetes Haus der Gerechtigkeit zu errichten ist, und dass diese nachgeordneten Häuser der Gerechtigkeit die Mitglieder des Universalen zu wählen haben. (Das Universale Haus der Gerechtigkeit wurde erstmals im April 1963 von den Mitgliedern von sechsundfünfzig Nationalen Geistigen Räten gewählt.) Auf diese Körperschaft muss sich alles beziehen. Sie erlässt alle Verordnungen und Verfügungen, die nicht ausdrücklich im Heiligen Text zu finden sind. Durch diese Körperschaft sind alle schwierigen Probleme zu lösen, und der Hüter der Sache Gottes ist ihr geheiligtes Haupt und das hervorgehobene lebenslängliche Mitglied dieser Körperschaft. Sollte er ihren Beratungen nicht selbst beiwohnen, so muss er jemanden zum Vertreter bestimmen. Sollte irgendeines der Mitglieder sich in einer Weise vergehen, die das Allgemeinwohl schädigt, so ist der Hüter der Sache Gottes nach eigenem Ermessen berechtigt, es auszuschließen, worauf das Volk jemand anderen an dessen Stelle wählen muss. Dieses Haus der Gerechtigkeit erlässt die Gesetze, und die Regierung führt sie durch. Die gesetzgebende Körperschaft muss die vollziehende stärken und die vollziehende der gesetzgebenden helfen und zur Seite stehen, damit durch die innige Verbindung und Übereinstimmung dieser beiden Kräfte die Grundlagen der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit fest und stark und alle Gegenden der Erde wie das Paradies werden mögen ...Jeder muss sich nach dem Heiligsten Buche richten, und was darin nicht ausdrücklich Erwähnung findet, ist an das Universale Haus der Gerechtigkeit zu verweisen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit entscheidet, ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abgeht, gehört wahrlich zu denen, die Uneinigkeit lieben, Bosheit zeigen und sich vom Herrn des Bündnisses abkehren. ('Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, S. 28, 32.) Auch in der gegenwärtigen Zeit halten die Bahá'í in allen Teilen der Welt eine innige und herzliche Verbindung aufrecht durch regelmäßigen Briefwechsel und persönliche Besuche. Diese Berührung von Angehörigen verschiedener Rassen, Völker und religiöser Überlieferungen ist ein greifbarer Beweis dafür, dass die Last der Vorurteile und die historischen Kräfte der Abspaltung durch den von Bahá'u'lláh begründeten Geist der Einheit gänzlich überwunden werden können. ![]() Die Weltordnung Bahá'u'lláhsDie weiteren in dieser Ordnung liegenden Folgerungen sind von Shoghi Efîendi in aufeinander folgenden Mitteilungen erläutert, die an die Bahá'í-Gemeinschaft seit Februar 1929 gerichtet sind:"Ich kann nicht umhin, diejenigen, die sich mit dem Glauben identifizieren, aufzurufen, die vorherrschenden Meinungen und flüchtigen Moden des Tages außer Acht zu lassen und sich mehr denn je darüber klar zu sein, dass die erschütterten Theorien und wankenden Einrichtungen der heutigen Zivilisation notwendig in scharfen Gegensatz zu jenen gottgegebenen Einrichtungen treten müssen, die sich auf ihren Trümmern zu erheben bestimmt sind ... Denn Bahá'u'lláh ... hat die Menschheit nicht allein mit neuem, schöpferischem Geiste durchtränkt. Er hat nicht lediglich gewisse allumfassende Grundsätze verkündet oder eine besondere Philosophie vorgelegt, wie machtvoll, gesund und allgemeingültig diese auch seien. Er und nach Ihm 'Abdu'l-Bahá haben, anders als die Offenbarungen der Vergangenheit, klar und im einzelnen eine Reihe von Gesetzen niedergelegt, bestimmte Einrichtungen begründet und alles Wesentliche für eine göttliche Ordnung vorgesehen. Diese sind dazu ausersehen, ein Muster künftiger Gesellschaft, ein allerhöchstes Werkzeug für die Begründung des Allergrößten Friedens und das eine wirksame Mittel zur Einigung der Welt und zur Verkündung der Herrschaft der Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit auf Erden zu sein ... Anders als in der Offenbarung von Christus, anders als in der Offenbarung von Muhammad, anders als in allen Offenbarungen der Vergangenheit, haben die Anhänger von Bahá'u'lláh in jedem Lande, wo immer sie arbeiten und sich mühen, in klarer und nachdrucksvoller Sprache alle Gesetze, Regelungen, Grundsätze, Einrichtungen, Anleitungen, die sie zur Verfolgung ihrer Aufgabe benötigen, vor Augen ... Darin liegt das Unterscheidungsmerkmal der Bahá'í-Offenbarung. Darin liegt die Stärke der Einheit des Glaubens, der Geltungskraft einer Offenbarung, die nicht vorangegangene Offenbarungen zerstören oder herabsetzen möchte, sondern sie verbinden, vereinen und erfüllen will...Mag auch unser Glauben heute sehwach erscheinen in den Augen von Menschen, die ihn entweder als Ableger des Islam erklären oder verächtlich nichts von ihm wissen wollen, weil er eine dieser finsteren Sekten sei, die im Westen so üppig blühen - dieser unschätzbare Edelsinn göttlicher Offenbarung, jetzt noch in seinem keimhaften Zustand, wird sich in der Schale seines Gesetzes entwickeln und wird sich ungeteilt und ungeschwächt durchringen, bis er das ganze Menschengeschlecht umfasst. Nur jene, die schon die allerhöchste Stufe von Bahá'u'lláh erkannt haben, nur jene, deren Herzen von Seiner Liebe berührt sind, und die die Macht Seines Geistes selbst erfahren durften, können den Wert dieser göttlichen Verordnung, ihre unschätzbare Gabe für das Menschengeschlecht, angemessen würdigen." (21. März 1930). "Diesem Ziel muss eine gequälte Menschheit entgegenstreben, dem Ziele einer neuen Weltordnung, göttlich im Ursprung, allumfassend im Endzweck, gerecht im Grundsatz, tatkräftig im Handeln.Wie ergreifend sind doch in der Tat die Bemühungen jener Leiter menschlicher Einrichtungen, die in äußerster Missachtung des Zeitgeistes bemüht sind, nationale Belange, die den alt vergangenen Tagen in sich abgeschlossener Nationen angemessen sind, einem Zeitalter einzureihen, das entweder, wie von Bahá'u'lláh umrissen, die Welteinheit vollenden oder zugrunde gehen muss. Zu einer so kritischen Stunde in der Geschichte der Zivilisation geziemt es den Führern aller Nationen der Welt, der großen wie der kleinen, im Osten wie im Westen, Siegern wie Besiegten, auf den Posaunenruf von Bahá'u'lláh zu achten und, tief durchdrungen von einem Gefühl der Weltsolidarität, dem sine qua non der Treue zu Seiner Sache, sich mannhaft zu erheben, um das Heilverfahren in seiner Ganzheit zu verwirklichen, das Er, der göttliche Arzt, einer krankenden Menschheit verordnet hat. Lasst sie ein für allemal jeden voreingenommenen Gedanken, jedes nationale Vorurteil beiseite setzen und auf den erhabenen Rat 'Abdu'l-Bahás achten, des bevollmächtigten Auslegers Seiner Lehren. ,Du kannst am besten deinem Lande dienen', war 'Abdu'l-Bahás Erwiderung an einen hohen Beamten im Dienste der Bundesregierung der Vereinigten Staaten, der Ihn über die beste Art, wie er das Wohl seines Staates und Volkes fördern könnte, befragt hatte, ,wenn du danach strebst, in deiner Eigenschaft als Weltbürger bei der allmählichen Anwendung des in der Regierung deines eigenen Landes herrschenden Grundsatzes des Föderalismus auf die jetzt zwischen Völkern und Nationen bestehenden Beziehungen mitzuhelfen' ... Irgendeine Form eines Welt-Oberstaates muss sich notwendigerweise entwickeln, zu dessen Gunsten alle Nationen der Welt auf das Recht der Kriegserklärung, auf gewisse Rechte der Steuerauferlegung und auf alle Rechte der Waffenrüstung, ausgenommen zum Zwecke der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in ihrem eigenen Gebiet, freiwillig verzichten. Ein solcher Staat wird in seinen Machtkreis auch eine internationale Exekutive mit einzuschließen haben, welche die höchste und unbestreitbare Autorität bei jedem widerspenstigen Mitglied des Gemeinwesens durchzusetzen imstande sein wird, ferner ein Weltparlament, dessen Mitglieder durch das Volk in den verschiedenen Ländern zu wählen sind, und deren Wahl durch die betreffenden Regierungen zu bestätigen sein wird, und schließlich einen obersten Gerichtshof, dessen Urteil eine bindende Wirkung hat, selbst in solchen Fallen, wo die betroffenen Parteien ihren Fall nicht freiwillig seiner Erwägung zu unterwerfen geneigt sind. Ein Weltgemeinwesen, in dem alle wirtschaftlichen Schranken auf immer abgebaut und die gegenseitige Abhängigkeit von Kapital und Arbeit endgültig anerkannt sein werden, in dem der Lärm des religiösen Fanatismus und Streites für immer gestillt sein wird, in dem die Feindseligkeit zwischen den Rassen endgültig ausgetilgt sein wird, in dem ein einziges internationales Gesetzbuch, das Ergebnis der wohlerwogenen Entscheidung der vereinigten Weltvertreter, als Zwangsmaßnahme das sofortige, zwingende Eingreifen der vereinten Kräfte der Bundesstaaten vorsehen wird, und schließlich eine Weltgemeinschaft, in welcher die Furie eines launenhaften und streitbaren Nationalismus sich in das blühende Bewusstsein eines Weltbürgertums verwandelt haben wird - so erscheint uns fürwahr, in gröbsten Umrissen, die von Bahá'u'lláh vorgezeichnete Ordnung, eine Ordnung, die als die schönste Frucht eines langsam dazu reifenden Zeitalters betrachtet werden wird ... Lasst hier keine Besorgnisse aufkommen wegen der Erreichung des belebenden Zieles des Welt umfassenden Gesetzes von Bahá'u'lláh. Weit davon entfernt, auf den Umsturz der bestehenden Grundlagen der Gesellschaft abzuzielen, sucht es ihre Basis zu erweitern, ihre Einrichtungen in einer den Bedürfnissen der immer sich wandelnden Welt angepassten Art umzuformen. Es kann mit keinen gesetzlichen Untertanenpflichten in Widerstreit geraten noch das Wesen ihrer Treue untergraben. Sein Ziel ist, weder die Flamme einer gesunden und verständigen Vaterlandsliebe in den Menschenherzen zu ersticken noch das System nationaler Selbständigkeit abzuschaffen, das so wichtig ist, wenn die Übel übertriebener Zentralisierung vermieden werden sollen. Es kennt sehr wohl die Unterschiede völkischen Ursprungs, des Klimas, der Geschichte, der Sprache und der Überlieferung, der Denkweise und der Gebräuche, welche die Völker und Nationen der Welt verschieden sein lassen, und ist nicht bemüht, sie zu unterdrücken. Es ruft uns zu einer erweiterten Treuepflicht, zu einer größeren Sehnsucht als irgendeines, das seither das Menschengeschlecht beseelt hat ...Der Ruf von Bahá'u'lláh ist in erster Linie gegen alle Formen von Provinzlertum, Abgeschlossenheit und Vorurteile gerichtet, ... denn seine gesetzlichen Richtmaße, seine politischen und wirtschaftlichen Lehren sind einzig dazu ersonnen, um das Wohl der Menschheit als Ganzes zu behüten, nicht aber, damit sie zur Bewahrung der Unantastbarkeit von besonderen Gesetzen oder Doktrinen gekreuzigt werde ... Der Grundsatz der Einheit des Menschengeschlechtes - der Angelpunkt, um den alle Lehren von Bahá'u'lláh kreisen - ist kein bloßer Ausbruch einer unwissenden Gefühlsseligkeit oder Ausdruck einer vagen frommen Hoffnung ... Seine Folgerungen gehen tiefer, Seine Ansprüche sind größer als irgendwelche, die die Offenbarer früher zu stellen ermächtigt waren. Seine Botschaft ist nicht nur für den Einzelmenschen da, sondern betrifft an und für sich in erster Linie die Natur jener wesentlichen Verwandtschaften, die alle Staaten und Nationen als Glieder einer Menschenfamilie binden müssen ...Sie stellt die Vollendung menschlicher Entwicklung dar ... Dass allein die Wucht einer Weltkatastrophe einen so neuen Entwicklungsgang menschlichen Denkens beschleunigen kann, wird leider mehr und mehr klar ... Nichts als eine Feuerprobe, aus der die Menschheit gezüchtigt und vorbereitet hervorgehen wird, vermag diesen Verantwortungssinn ihr einzupflanzen, wie ihn die Führer eines neugeborenen Zeitalters auf ihre Schultern nehmen müssen. ... Hat nicht 'Abdu'l-Bahá in unmissverständlicher Sprache versichert, dass ,ein neuer Krieg, grausamer als der letzte, ausbrechen wird'?" (28. November 1931.) "Diese Verwaltungsordnung ... wird, wenn ihre Bestandteile, ihre organischen Institutionen mit Kraft und Nachdruck in Tätigkeit treten, ihre Ansprüche geltend machen und ihre Eignung erweisen, nicht nur als Kern, sondern als das Muster der neuen Weltordnung angesehen zu werden, die dazu bestimmt ist, wenn die Zeit sich erfüllt, die ganze Menschheit zu umfassen ... Allein von allen ihm vorangegangenen Offenbarungen ist es diesem Glauben ... gelungen, ein Bauwerk zu errichten, dem sich die irregeleiteten Anhänger zusammengebrochener und zerrütteter Glaubensbekenntnisse getrost nähern mögen, das sie kritisch prüfen können und in dem sie, ehe es zu spät ist, die unverwundbare Sicherheit seines Welt umfassenden Schutzes aufsuchen mögen ... ![]() Auf was anderes, als auf die Macht und Majestät, welche diese Verwaltungsordnung - die Grundlage des zukünftigen allumfassenden Bahá'í-Gemeinwesens - zu offenbaren bestimmt ist, können diese Worte von Bahá'u'lláh hinweisen: ,Das Gleichgewicht der Welt ist ins Wanken geraten durch den erschütternden Einfluss dieser größten, dieser neuen Weltordnung. Der Menschheit geregeltes Leben ist in Aufruhr geraten durch die Auswirkung dieses einzigartigen, dieses wundersamen Systems - desgleichen sterbliche Augen noch niemals Zeuge gewesen und ... Das Bahá'í-Gemeinwesen der Zukunft, für das diese umfassende Verwaltungsordnung das einzigartige Fachwerk bildet, ist, sowohl in der Theorie wie in der Praxis, nicht nur einzig dastehend in der gesamten Geschichte politischer Einrichtungen, sondern es kann kein Gegenstück in den Aufzeichnungen irgendeines der anerkannten Religionssysteme der Welt finden. Keine Form demokratischer Regierung, kein System autokratischer oder diktatorischer Art, sei es monarchisch oder republikanisch, kein vermittelnder Plan einer rein aristokratischen Ordnung, selbst keiner der anerkannten Typen der Priesterherrschaft, sei es das hebräische Gemeinwesen, seien es die verschiedenen christlichen Kirchenorganisationen oder das Imámat oder das Kalifat im Islam - keiner dieser Typen kann als gleichbedeutend oder übereinstimmend mit der Verwaltungsordnung angesehen werden, die die Meisterhand ihres vollendeten Baumeisters gebildet hat ...Lasst niemand, während sich dieses System noch im Zustande der Kindheit befindet, seinen Charakter missverstehen, seine Bedeutung verkleinern oder seinen Zweck verkehrt darstellen. Der Felsen, auf dem diese Verwaltungsordnung begründet ist, ist Gottes unwandelbarer Plan für die Menschheit an diesem Tage. Die Quelle, aus der sie ihre Inspiration ableitet, ist keine geringere als Bahá'u'lláh selbst ... Das zentrale ihr zugrunde liegende Ziel, das sie beseelt, ist die Errichtung der neuen Weltordnung, wie sie von Bahá'u'lláh entworfen wurde. Die Methoden, die sie anwendet, die Richtschnur, die sie gibt, neigen weder zum Osten noch zum Westen, weder zum Juden noch zum Heiden, weder zum Reichen noch zum Armen, weder zum Weißen noch zum Farbigen. Ihre Losung ist die Vereinigung der menschlichen Rasse, ihre Richtschnur der Größte Frieden ..." (8. Februar 1934.) "Der Gegensatz zwischen den sich häufenden Beweisen standhafter Festigung, welche den Aufstieg der Verwaltungsordnung des Gottesglaubens begleiten, und den Kräften der Zersetzung, die an das Gebäude einer dahinsiechenden Gesellschaft prallen, ist ebenso deutlich wie fesselnd. Sowohl innerhalb als außerhalb der Bahá'í-Welt wachsen und mehren sich Tag für Tag die Merkmale und Zeichen, die in geheimnisvoller Weise die Geburt jener Weltordnung ankünden, deren Errichtung das goldene Zeitalter der Gottessache auszeichnen muss ... ,Bald, so verkünden es die eigenen Worte von Bahá'u'lláh, wird die Ordnung des gegenwärtigen Tages aufgerollt und eine neue an ihrer Stelle ausgebreitet werden' ... Die Offenbarung von Bahá'u'lláh ... sollte ... so betrachtet werden, als kündige sie durch ihre Herabkunft das Zeitalter der Reife der gesamten Menschheit an. Sie sollte nicht nur als noch eine weitere geistige Wiederbelebung in den immer wechselnden Geschicken der Menschheit betrachtet werden, nicht nur als eine weitere Stufe in einer Reihenfolge fortschreitender Offenbarungen, auch nicht nur als der Höhepunkt in einer Reihe wiederkehrender prophetischer Zyklen, sondern vielmehr als ein Markstein der letzten und höchsten Stufe in der erstaunlichen Entwicklung des menschlichen Gesamtlebens auf diesem Planeten.Die dringende Notwendigkeit einer Weltgemeinschaft, das Bewusstsein eines Weltbürgertums, die Begründung einer Weltzivilisation und -kultur ... sollten, ... soweit dieses planetarische Leben in Betracht kommt, als die äußersten Grenzen in dem Bau der menschlichen Gesellschaft betrachtet werden, wenn auch der Mensch als Einzelwesen in der Tat als Ergebnis solcher Vollendung unbegrenzt weiter fortschreiten und sich entwickeln wird, ja muss ... Die Einheit des Menschengeschlechts, wie sie Bahá'u'lláh vorausschaut, umschließt die Begründung eines Weltgemeinwesens, in welchem alle Nationen, Rassen, Glaubensbekenntnisse und Klassen eng und dauerhaft vereint und die Selbständigkeit ihrer Staatsglieder und die persönliche Freiheit und Tatbereitschaft der Einzélwesen, die sie bilden, endgültig und vollständig gesichert sind. Dieses Gemeinwesen muss, so weit wir es uns vorstellen können, aus einer Weltlegislative bestehen, deren Mitglieder als die Bevollmächtigten der ganzen Menschheit die gesamten Hilfsquellen aller sie zusammensetzenden Nationen beaufsichtigen. Es müssen Gesetze erlassen werden, die geeignet sind, das Leben in geregelte Bahnen zu leiten, alle Note zu befriedigen und die Beziehungen sämtlicher Rassen und Völker zu ordnen.Eine Weltexekutive, gestützt auf eine internationale Polizeitruppe, wird die Beschlüsse der Weltlegislative ausführen, die erlassenen Gesetze anwenden und die organische Einheit des ganzen Gemeinwesens schützen. Ein Weltschiedsgerichtshof wird seine bindende und endgültige Entscheidung in sämtlichen Streitfragen erlassen und abgeben, die zwischen den verschiedenen Gliedern dieses allumfassenden Systems entstehen. Das Netzwerk eines alle verbindenden Weltverkehrssystems wird ersonnen werden, das den ganzen Erdball umspannt, und, befreit von allen nationalen Hindernissen und Beschränkungen, mit wunderbarer Schnelligkeit und absoluter Pünktlichkeit abläuft. Eine Welthauptstadt wird als Nervenzentrum einer Weltzivilisation und als Brennpunkt wirken, in dem die einigenden Lebenskräfte zusammenlaufen und von dem ihre Kraft bringenden Einflüsse ausstrahlen werden.Eine Welthilfssprache wird entweder geschaffen oder unter den bestehenden Sprachen ausgewählt und in den Schulen aller Verbündeten Nationen als ein Hilfsmittel neben der jeweiligen Muttersprache gelehrt werden. Eine Weltschrift, eine Weltliteratur, ein einheitliches und allumfassendes Währungs-, Gewichts- und Maßsystem werden den Verkehr und die Verständigung unter den Nationen und Rassen der Menschheit vereinfachen und erleichtern. In dieser Weltgemeinschaft werden Wissenschaft und Religion, die beiden gewaltigsten Kräfte im menschlichen Leben, in Einklang gebracht, zusammenwirken und sich harmonisch entwickeln. Die Presse wird in einem solchen System, in dem sie der Darlegung der verschiedenen Ansichten und Überzeugungen der Menschheit vollen Spielraum gewährt, nicht mehr durch althergebrachte Interessen, seien sie persönlicher oder allgemeiner Natur, unheilvoll gelenkt werden, und sie wird vom Einfluss streitender Regierungen und Völker befreit werden. Die wirtschaftlichen Hilfsmittel der Welt werden organisiert, ihre Rohstoffquellen erschlossen und restlos nutzbar gemacht, ihre Märkte aufeinander abgestimmt und entwickelt und die Verteilung ihrer Erzeugnisse unparteiisch geregelt werden. Nationale Rivalität, Hass und Machenschaften werden aufhören, und Feindseligkeiten und Vorurteile der Rassen werden durch Freundschaft, Verständigung und Zusammenarbeit ersetzt werden.Die Ursachen religiöser Zwistigkeiten werden für immer aus dem Weg geräumt werden; wirtschaftliche Schranken und Hindernisse werden völlig beseitigt und der maßlose Klassenunterschied verwischt werden. Mangel auf der einen Seite und unmäßige Besitzanhäufung auf der anderen Seite werden verschwinden. Die ungeheuren Kräfte, die für den Krieg, wirtschaftlicher oder politischer Art, verzettelt und vergeudet werden, sollen solchen Zwecken zugeführt werden, die den Bereich der menschlichen Erfindungen und der technischen Entwicklung erweitern, der Steigerung der Produktionskraft, der Beseitigung von Krankheiten, der Ausdehnung wissenschaftlicher Forschungen, der Hebung des körperlichen Gesundheitszustands, der Belebung und Verfeinerung des menschlichen Verstandes, der Ausbeutung ungenutzter und ungeahnter Hilfsquellen dieser Erde, der Verlängerung des menschlichen Lebens und der Förderung von Tätigkeiten dienen, und die das verstandesmäßige, sittliche und geistige Leben des ganzen Menschengeschlechtes anzuregen vermögen. Ein Weltbundsystem, das die ganze Erde beherrscht und eine unanfechtbare Befugnis über ihre unvorstellbar großen Hilfsquellen hat, das die Ideale sowohl des Ostens wie auch des Westens verkörpert und in Einklang bringt, vom Fluch des Krieges und des mit ihm verbundenen Elends befreit ist und sich auf die Ausnützung aller verfügbaren Kraftquellen auf der Erdoberfläche erstreckt, ein System, in dem die Stärke zur Dienerin der Gerechtigkeit gemacht ist, dessen Dasein durch seine allumfassende Anerkennung eines Gottes und durch seinen Gehorsam gegen eine gemeinsame Offenbarung getragen wird - dies ist das Ziel, dem die Menschheit, durch die vereinenden Lebenskräfte angetrieben, zustrebt. Das ganze Menschengeschlecht seufzt und schmachtet danach, zur Eintracht geführt zu werden und sein Jahrhunderte langes Martyrium zu beendigen. Und dennoch weigert es sich hartnäckig, das Licht anzunehmen und die unumschränkte Gewalt der einen Kraft anzuerkennen, die es aus seinen Verwicklungen befreien und das jammervolle Unglück abwenden kann, welches es in den Abgrund zu stürzen droht ...Die Vereinigung der ganzen Menschheit ist das Kennzeichen der Stufe, der sich die menschliche Gesellschaft heute nähert. Die Einheit der Familie, des Stammes, des Stadtstaates und der Nation ist nacheinander versucht und völlig erreicht worden. Welteinheit ist das Ziel, dem eine gequälte Menschheit zustrebt. Die Staatenbildung ist zu einem Ende gekommen. Die einer staatlichen Herrschaft anhaftende Gesetzlosigkeit nähert sich dem Höhepunkt. Eine Welt, die zur Reife heranwächst, muss diesen Fetisch aufgeben, die Einheit und Ganzheit der menschlichen Beziehungen erkennen und ein für allemal das Bauwerk errichten, das diese Hauptgrundlage ihres Daseins am besten zu verkörpern vermag." (11. März 1936.)
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