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Gesundheit und Heilung

"Sein Antlitz Gott zuzuwenden bringt Heilung für den Leib, den Geist und die Seele." (´Abdu'l-Bahá.)

Körper und Seele

Nach der Bahá'í-Lehre dient der menschliche Körper einem zeitbegrenzten Zweck bei der Entwicklung der Seele, und wenn er diesem Zweck gedient hat, wird er abgelegt. Es ist genau wie mit der Eierschale, die bei der Entwicklung des Kükens einem zeitlichen Zweck dient und, wenn dieser Zweck erfüllt ist, zerbrochen und abgelegt wird. ´Abdu'l-Bahá sagt, dass der physische Körper nicht fähig ist zur Unsterblichkeit, weil er etwas aus Atomen und Molekülen Aufgebautes ist und gleich allen Dingen, die zusammengesetzt sind, mit der Zeit der Auflösung anheim fällt.

Der Körper sollte der Diener der Seele und niemals ihr Herr sein. Er sollte ein williger, gehorsamer und tüchtiger Diener sein und sollte mit der gleichen Rücksicht behandelt werden, wie man einen guten Diener behandelt. Wenn er nicht richtig behandelt wird, so ist das Ergebnis Krankheit und Unglück mit ihren schlimmen Folgen, sowohl für den Herrn als für den Diener.



Einheit alles Lebens

Die wesentliche Einheit der Myriaden von Formen und Abstufungen des Lebens ist eine der grundlegenden Lehren von Bahá'u'lláh. Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.

Es gibt darum kein Gebot des Offenbarers, auf welchen Teil des Lebens es sich auch ursprünglich beziehen mag, das nicht die körperliche Gesundheit berührt. Manche der Lehren beziehen sich jedoch in noch größerem Maß auf physische Gesundheit als andere, und diese sind es, die wir nun erforschen wollen.

Einfaches Leben

´Abdu'l-Bahá sagt:

"Sparsamkeit ist die Grundlage menschlicher Wohlfahrt. Der Verschwender ist immer in Sorge. Verschwendung ist für jedermann eine unverzeihliche Sünde. Wir dürfen nie auf Kosten anderer leben wie eine Schmarotzerpflanze. Jedermann muss einen Beruf haben, mit Hand oder Feder, und muss ein sauberes, ehrbares Leben leben, ein Beispiel der Reinheit, das von anderen nachgeahmt werden sollte.

Es ist königlicher, mit einer Kruste alten Brotes zufrieden zu sein, als sich an einem prunkhaften Mahle mit vielen Gängen zu ergötzen, wofür das Geld aus den Taschen anderer fließt. Das Gemüt eines zufriedenen Menschen ist immer friedfertig und sein Herz ist ruhig."
(Bahá'í Scriptures, S. 453.)

Fleischnahrung ist nicht verboten, aber ´Abdu'l-Bahá sagt:

"Die zukünftige Nahrung wird aus Früchten und Getreide bestehen. Die Zeit wird kommen, da kein Fleisch mehr gegessen wird. Die ärztliche Wissenschaft befindet sich erst in ihrer Kindheit. Dennoch hat sie bereits gezeigt, dass unsere natürliche Nahrung in dem besteht, was aus dem Boden hervor wächst."
(nach Julia M. Grundy, Ten Days in the Light of Acca.)



Alkohol und Narkotika

Jeder Gebrauch von betäubenden und berauschenden Mitteln aller Art ist, ausgenommen als Heilmittel in Krankheitsfällen, von Bahá'u'lláh streng verboten.

Lebensfreuden

Der Bahá'í-Glaube beruht auf Mäßigung, nicht auf Asketentum. Sich der guten und schönen Dinge im materiellen und geistigen Leben zu erfreuen, ist nicht nur anempfohlen, sondern zur Pflicht gemacht.

Bahá'u'lláh sagt:

"Beraubt euch nicht selbst dessen, was für euch erschaffen wurde."
Und ferner:
"Es ist eure Pflicht, dass Begeisterung und Freude in eurem Angesicht leuchte."

´Abdu'l-Bahá sagt:

"Alles, was erschaffen wurde, ist für den Menschen da, den Höhepunkt der Schöpfung, und er muss dankbar sein für die göttlichen Gaben. Alle materiellen Dinge sind für uns da, damit wir durch unsere Dankbarkeit lernen mögen, das Leben als eine göttliche Wohltat zu verstehen. Wenn uns das Leben verleidet ist, sind wir undankbare Menschen, denn sowohl unser materielles als auch unser geistiges Dasein sind die äußeren Beweise der göttlichen Gnade. Daher müssen wir glücklich sein und unsere Tage in Lobpreis und Wertschätzung aller Dinge verbringen."
(´Abdu'l-Bahá, Divine Philosophy, S. 104.)

Als ´Abdu'l-Bahá gefragt wurde, ob das Bahá'í-Verbot des Spielens auf alle Arten von Spiel Anwendung finde, antwortete Er:

"Nein, manche Spiele sind harmlos, und wenn sie zur Kurzweil gespielt werden, schaden sie nichts. Aber es liegt eine Gefahr darin, dass Kurzweil ausartet in Zeitvergeudung. Zeitvergeudung ist aber in der Sache Gottes nicht zulässig. Jedoch Erholungsspiele, die zur Kräftigung des Körpers dienen, z. B. Leibesübungen, sind wünschenswert."
(A heavenly Vista, S.9.)

Reinlichkeit

Bahá'u'lláh sagt im Buche Aqdas:

"Seid das Muster der Reinlichkeit unter den Menschen ... richtet euch unter allen Umständen nach den edelsten Sitten ..., lasst keine Spur von Unreinlichkeit auf euren Kleidern sein ... Badet in reinem Wasser. Wasser, das schon benutzt ist, darf nicht mehr verwendet werden ... Wahrlich, Unser Wunsch ist, euch als die Offenbarungen des Paradieses auf Erden zu sehen, damit das von euch ausströmen möge, was die Herzen der Begünstigten erfreut."
(Bahá'u'lláh, Kitáb-i-Aqdas.)

Mírzá 'Abu'1-Fadl beschreibt in seinem Buch Bahá'í-Proofs, wie außerordentlich wichtig diese Gebote besonders für einige Gegenden des Ostens sind, wo faules Wasser, das jeder Beschreibung spottet, für Haushaltszwecke, zum Baden und selbst zum Trinken verwendet wird, wodurch äußerst ungesunde Zustände herrschen, die viele sonst vermeidbare Krankheiten und Übel verursachen. Diese Zustände, von denen in gewissen Fallen anzunehmen ist, dass sie von der herrschenden Religion gutgeheißen werden, können unter den Orientalen nur durch Gebote eines Menschen beseitigt werden, von dem sie glauben, dass er göttliche Autorität besitzt. Auch in verschiedenen Teilen des Westens würden wunderbare Veränderungen eintreten, wenn man die Reinlichkeit nicht als der Frömmigkeit nachstehend, sondern sie als einen wesentlichen Teil der Frömmigkeit betrachten würde.



Die Wirkungen des Gehorsams gegenüber den Geboten der Offenbarer

Der Einfluss dieser auf einfaches Leben, Hygiene, Enthaltsamkeit von Alkohol und Rauschgift usw. sich beziehenden Gebote auf die Gesundheit ist zu einleuchtend, als dass er weiterer Erläuterungen bedürfte, obschon die lebenswichtige Bedeutung dieser Gebote oft sehr unterschätzt wird. Wenn sie allgemein beachtet würden, dann würden bald die meisten ansteckenden Krankheiten und ein großer Teil anderer Übel bei den Menschen verschwinden. Die Zahl der Krankheiten infolge Vernachlässigung der einfachsten hygienischen Vorsichtsmaßnahmen und durch Genuss von Tabak und Rauschmitteln ist sehr groß. Der Gehorsam gegen diese Gebote wäre nicht nur von gutem Einfluss auf die Gesundheit, er könnte vielmehr auch eine ungeheure Wirkung zum Guten auf den Charakter und den Lebenswandel ausüben.

Alkohol und Rauschmittel beeinflussen des Menschen Bewusstsein längst bevor sie seinen aufrechten Gang beeinflussen oder eine offenbare körperliche Krankheit verursachen, so dass der moralische und geistige Gewinn aus der Enthaltsamkeit wohl noch größer ist als der physische. Über die Reinlichkeit sagt ´Abdu'l-Bahá:

"Äußere Reinlichkeit hat, obwohl sie nur etwas Stoffliches ist, einen großen Einfluss auf das Geistige ... Wenn der Mensch einen reinen und makellosen Körper besitzt, hat dies in gleicher Weise Einfluss auf seinen Geist."
(´Abdu'l-Bahá, Tablet on Purity, Tabl. of ´Abdu'l-Bahá, Bd. Ill, S. 581.)

Würden die Gebote der Offenbarer bezüglich der Keuschheit im Sexuellen allgemein beachtet, dann wäre eine weitere stets sich fortpflanzende Krankheitsursache beseitigt. Die ekelhaften Geschlechtskrankheiten, welche heutzutage die Gesundheit so vieler Tausender, Unschuldiger wie Schuldiger, kleiner Kinder wie Eltern, vernichten, würden sehr bald gänzlich der Vergangenheit angehören.

Würden die Gebote der Offenbarer in Bezug auf Gerechtigkeit, gegenseitige Hilfe und das "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" beachtet, wie könnten alsdann Arbeit in überfüllten, ungesunden Räumen und tiefste Armut einerseits, zügellose Genusssucht, Faulheit und niedriges Wohlleben andererseits noch weiter geistigen, sittlichen und physischen Untergang verursachen?

Der einfache Gehorsam gegenüber den hygienischen und sittlichen Geboten von Moses, Buddha, Christus, Muhammad oder Bahá'u'lláh würde auf dem Wege der Krankheitsverhütung mehr bewirken, als alle Ärzte und alle öffentlichen Gesundheitsvorschriften der Welt auszurichten vermocht haben. Es scheint in der Tat gewiss zu sein, dass, sofern ein solcher Gehorsam allgemein wäre, gute Gesundheit ebenso allgemein werden würde. Anstatt dass das Leben durch Krankheit vernichtet oder in der Kindheit, Jugend oder Vollkraft abgeschnitten wird, wie es jetzt so häufig vorkommt, würden die Menschen zu einem hohen Alter heranreifen, wie gesunde Früchte, die reif und vollendet werden, bevor sie vom Zweige fallen.



Der Offenbarer als Arzt

Wir leben in einer Welt, in der, seit man zurückdenken kann, Gehorsam gegenüber den Geboten der Offenbarer mehr Ausnahme als Regel und Eigenliebe mehr Beweggrund als Liebe zu Gott sind, wo Einzel- und Parteinutzen dem Nutzen der ganzen Menschheit vorangeht, wo materielle Besitztümer und sinnliche Vergnügungen der sozialen und geistigen Wohlfahrt der Menschheit vorgezogen werden. Daraus sind rücksichtsloser Wetteifer und Streit, Unterdrückung und Tyrannei, Gegensätze von Reichtum und Armut hervorgegangen - Zustände, die geistige wie physische Krankheiten hervorrufen. Infolgedessen ist der ganze Baum der Menschheit krank, und jedes Blatt des Baumes hat unter dieser allgemeinen Krankheit zu leiden. Selbst die Reinsten und Heiligsten haben unter den Sünden anderer zu leiden. Heilung tut Not, Heilung der Menschheit als Ganzes, Heilung der Völker und Heilung des Einzelnen. So zeigt uns Bahá'u'lláh, gleich Seinen erleuchteten Vorgängern, nicht nur, wie die Gesundheit erhalten werden kann, sondern auch, wie die verlorene Gesundheit wiederherzustellen ist. Er kam als der große Arzt, der Heiler der Weltkrankheiten, sowohl der körperlichen als der geistigen.

Heilung durch materielle Mittel

In der westlichen Welt ist heute ein bemerkenswertes Wiederaufleben des Glaubens an die Wirksamkeit der Heilung durch geistige Mittel wahrzunehmen. In der Tat, viele gingen in ihrer Auflehnung gegen die materialistischen Ideen über Krankheiten und ihre Behandlung, wie sie im neunzehnten Jahrhundert vorherrschten, zu dem anderen Extrem über und sprechen den materiellen Heilmitteln oder den hygienischen Methoden jeglichen Wert ab.

Bahá'u'lláh anerkennt sowohl den Wert der materiellen als der geistigen Heilmittel. Er lehrt, die Wissenschaft und Kunst des Heilens müsse entwickelt, ermutigt und vervollkommnet werden, so dass alle Heilmittel, jedes in seinem Bereich, aufs nützlichste angewendet werden. Wenn Familienmitglieder Bahá'u'lláhs erkrankten, dann wurde ein Arzt gerufen, und dasselbe zu tun, hat Er Seinen Anhängern empfohlen.
Er sagt:
"Wenn ihr von Leiden oder Krankheit befallen werdet, so lasst euch von geschickten Ärzten beraten."
(Kitáb-i-Aqdas.)

Dies ist völlig im Einklang mit der Haltung, welche die Bahá'í im allgemeinen der Wissenschaft und Kunst gegenüber einnehmen. Jede Wissenschaft und jede Kunst, die dem Wohl der Menschheit dienen, selbst in materieller Hinsicht, sind zu schätzen und zu fördern. Durch die Wissenschaft wird der Mensch Herr über die materiellen Dinge, durch Unwissenheit bleibt er ihr Sklave.

Bahá'u'lláh schreibt:

"Versäume nie die ärztliche Behandlung, wenn sie erforderlich ist, doch höre damit auf, wenn die Gesundheit wiederhergestellt ist. Behandle Krankheiten vorwiegend durch Diät, vor allem vermeide Betäubungsmittel; und wenn du in einem einzigen Kraut das Notwendige findest, so greife nicht zu zusammengemischten Medikamenten ... Verzichte auf die Anwendung von Betäubungsmitteln, wenn du gesund bist, aber wende sie an, wenn es nötig ist."
(Bahá'u'lláh, Tablet to a Physician.)

In einem Seiner Tablets sagt ´Abdu'l-Bahá:

"O Sucher nach Wahrheit! Es gibt zweierlei Wege, Krankheiten zu heilen: durch stoffliche und durch geistige Mittel. Der erste Weg besteht in der Anwendung von Medikamenten und Heilmitteln, der zweite im Gebet und in der Hinwendung zu Gott. Beide Mittel sollten angewendet und geübt werden. .. Sie widersprechen sich übrigens nicht, und du solltest die physischen Heilmittel als Gnade und Barmherzigkeit Gottes annehmen, der die ärztliche Wissenschaft geoffenbart und kundgetan hat, damit Seine Diener in den Genuss auch dieser Art der Heilbehandlung kommen."
(Tablets of ´Abdu'l-Bahá, Bd. Ill, S. 587.)

Er lehrt, dass, sofern unser natürlicher Geschmack und Instinkt nicht durch eine törichte und unnatürliche Lebensweise verdorben wären, sie uns sowohl in der Auswahl einer angemessenen Diät, als auch im Gebrauch heilkräftiger Früchte, Kräuter und anderer Heilmittel zu zuverlässigen Führern würden, wie dies bei den wilden Tieren der Fall ist. In einer in den Beantworteten Fragen berichteten interessanten Rede über Heilung sagt Er am Schluss:

"Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden."
(´Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, S. 251.)

Wenn auch die Heilmittel materiell sind, so ist die heilende Macht in Wirklichkeit göttlich, denn die Eigenschaften der Kräuter oder der Minerale sind göttliche Gaben. "Alles ist von Gott abhängig. Die Medizin ist nur eine äußere Form oder das Mittel, durch das wir die himmlische Heilung erlangen."



Heilung durch immaterielle Mittel

´Abdu'l-Bahá lehrt, dass es auch viele Methoden der Heilung ohne materielle Mittel gibt. Es gibt ebenso "ansteckende Gesundheit", wie es ansteckende Krankheiten gibt. Die erstere vollzieht sich jedoch langsam und hat nur geringe Wirkung, während die letzteren oft heftig auftreten und rasch wirken.

Weit mächtigere Wirkungen gehen von des Patienten eigenem geistigen Zustand aus, und die "Suggestion" mag in der Beeinflussung solcher Zustände eine wichtige Rolle spielen. Furcht, Zorn, Qual usw. wirken nachteilig auf die Gesundheit, während Hoffnung, Liebe, Freude usw. entsprechend segensreich wirken.

Bahá'u'lláh sagt:

"Wahrlich, das Notwendigste ist Zufriedenheit in allen Lebenslagen, durch sie bewahrt sich der Mensch vor krankhaften Zuständen und vor Abspannung. Gib nicht dem Kummer und der Sorge Raum, denn sie verursachen das größte Elend. Eifersucht verzehrt den Körper, und Zorn verbrennt die Leber.
Meide diese beiden, wie du einen Löwen meidest."
(Bahá'u'lláh, Tablet to a Physician.)

´Abdu'l-Bahá sagt:

"Freude gibt uns Schwingen. In Zeiten der Freude ist unsere Kraft lebendiger, unser Verstand schärfer... Wenn aber Traurigkeit bei uns einkehrt, verlässt uns die Kraft."
(´Abdu'l-Bahá, Ansprachen in Paris, S. 85.)

Von einer andern Art geistiger Heilung schreibt ´Abdu'l-Bahá, dass sie zustande kommt:

"... aus der völligen Konzentration des Willens eines starken Menschen auf einen Kranken, wobei der letztere mit seinem ganzen Glauben konzentriert erwartet, dass durch die geistige Kraft des Gesunden eine Heilung bewirkt wird, so sehr, dass es eine innige Verbindung zwischen dem Gesunden und dem Kranken gibt. Der Gesunde macht jede Anstrengung, den Kranken zu heilen, und dieser ist dann sicher, Heilung zu empfangen. Durch die Auswirkung dieser geistigen Eindrücke wird eine Erregung der Nerven hervorgerufen, und diese Beeindruckung und Erregung der Nerven werden zur Ursache der Gesundung des Kranken."
(´Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 72, S. 248.)

Alle diese Heilweisen sind jedoch in ihrer Wirkung begrenzt und können bei ernsten Krankheiten versagen.

Die Macht des Heiligen Geistes

Das wirksamste Heilmittel ist die Macht des Heiligen Geistes.

´Abdu'l-Bahá sagt hierzu:

"Diese Heilung hängt weder von Berührung noch vom Sehen noch von der Gegenwart ab... Ob die Krankheit leicht oder schwer ist, ob ein körperlicher Kontakt besteht oder nicht und ob es eine persönliche Verbindung zwischen dem Kranken und dem Heilenden gibt oder nicht, diese Heilung geschieht durch die Kraft des Heiligen Geistes."
(´Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 72, S. 249.)

In einer Unterredung im Oktober 1904 mit Miss Ethel Rosenberg sagte ´Abdu'l-Bahá:

"Die durch die Macht des Heiligen Geistes bewirkte Heilung hat keine besondere Konzentration oder Berührung nötig. Sie wird durch den sehnlichen Wunsch und das Gebet des heiligen Menschen bewirkt. Der Kranke mag sich im Osten und der Heiler im Westen befinden, sie brauchen auch nicht miteinander bekannt zu sein, aber sobald der heilige Mensch sein Herz zu Gott wendet und betet, ist der Kranke geheilt. Dies ist eine Gabe, die den heiligen Manifestationen und denen eigen ist, die die höchste Stufe erreicht haben."

Von dieser Art waren zweifellos die Heilungen, die von Christus und Seinen Aposteln verrichtet wurden, und ähnliche Heilungen wurden den heiligen Menschen aller Zeitalter zugeschrieben. Sowohl Bahá'u'lláh als ´Abdu'l-Bahá waren mit dieser Macht ausgestattet, und ähnliche Kräfte sind Ihren getreuen Anhängern verheißen.



Die Haltung des Patienten

Um aber der Macht der geistigen Heilung eine vollkommene Wirkung zu verschaffen, sind von Seiten des Patienten, des Heilers, der Freunde des Kranken und sogar der Gemeinschaft, der er angehört, gewisse Erfordernisse nötig.

Von Seiten des Patienten ist das erste Erfordernis, dass er sich von ganzem Herzen zu Gott wendet, mit unbedingtem Vertrauen auf Seine Macht und auf Seinen Willen in dem Gedanken, dass Er tun wird, was das Beste ist.

Zu einer amerikanischen Dame sagte ´Abdu'l-Bahá im August 1912:

"Alle diese Leiden werden verschwinden, und du wirst vollkommene körperliche und geistige Gesundheit erlangen ... Lass dein Herz vertrauensvoll und dessen sicher sein, dass durch die Gaben und die Gunst von Bahá'u'lláh sich für dich alles erfreulich gestalten wird ... Aber du musst dich gänzlich dem Reiche Abhá zuwenden und ihm deine völlige Aufmerksamkeit schenken, dieselbe Aufmerksamkeit, die Maria Magdalena Seiner Heiligkeit Christus schenkte, und ich versichere dir, dass du alsdann körperliche und geistige Gesundheit erlangen wirst. Du bist dessen würdig. Ich gebe dir die frohe Botschaft, dass du dessen würdig bist, weil dein Herz rein ist... Sei zuversichtlich! Sei glücklich! Sei froh! Sei hoffnungsvoll! ..."

Obschon ´Abdu'l-Bahá in diesem Einzelfall die Erlangung der körperlichen Gesundheit zusagte, tat Er dies doch nicht in jedem Fall, selbst da nicht immer, wo ein starker Glaube von Seiten des Betreffenden vorhanden war.

Zu einer Pilgerin in 'Akká sagte Er:

"Die Gebete, welche für Heilungszwecke geschrieben wurden, sind sowohl für geistige als körperliche Heilung gegeben. Wenn die Heilung für den Patienten das Beste ist, so wird sie ihm sicherlich gewährt werden. Für manche aber, die krank sind, würde Heilung nur zur Ursache anderer Leiden werden. Daher kommt es, dass die Weisheit manche Gebete nicht erhört.

O Dienerin Gottes! Die Macht des Heiligen Geistes heilt sowohl materielle als geistige Leiden."
(Daily Lessons Received in Acca, S. 95.)

Einem andern Kranken schrieb Er:

"Wahrlich, der Wille Gottes handelt manchmal solcherart, dass die Menschen den Grund dafür nicht ermitteln können. Die Ursachen und Gründe werden später offenbar werden. Glaube an Gott, vertraue auf Ihn und ergib dich in den Willen Gottes. Wahrlich, dein Gott ist liebevoll, mitleidig und barmherzig, ... und Er wird Seine Barmherzigkeit auf dich herabkommen lassen."
(Star of the West, Band VIII, S. 232.)

´Abdu'l-Bahá lehrt, dass geistige Gesundheit zu körperlicher Gesundheit führt, dass aber körperliche Gesundheit von vielen Umständen abhängig ist, deren manche sich außerhalb der Kontrolle des Menschen befinden. Daher vermag selbst die musterhafteste geistige Haltung des einzelnen nicht in jedem Fall die körperliche Gesundheit zu sichern. Die heiligsten Männer und Frauen leiden zuweilen unter Krankheiten.

Dessen ungeachtet ist der segensreiche Einfluss auf die körperliche Gesundheit, der von einer richtigen geistigen Einstellung ausgeht, weit mächtiger, als man es sich im allgemeinen denkt, und er genügt in verhältnismäßig vielen Fallen, um die schlechte Gesundheit zu beseitigen.

´Abdu'l-Bahá schrieb an eine englische Dame:

"Du hast über deine körperliche Schwäche geschrieben. Ich erbitte von der Freigebigkeit Bahá'u'lláhs, dass dein Geist stark werden möge, damit dein Körper durch die Stärke deines Geistes geheilt werde."

Ferner sagte Er:

"Gott hat den Menschen mit so wunderbarer Kraft bedacht, dass er immer aufwärts schauen und außer anderen Gaben auch Heilung aus Seinem göttlichen Segensüberfluss empfangen mag.
Doch ach, der Mensch ist nicht für diese höchste Segnung dankbar, sondern er schläft den Schlaf der Nachlässigkeit und missachtet die große Gnade, die ihm Gott erzeigt hat, indem er sein Gesicht vom Lichte abkehrt und seinen Weg im Dunkel geht."
(´Abdu'l-Bahá, Ansprachen in Paris, S. 11.)

Der Heiler

Die Kraft des geistigen Heilens ist zweifellos in größerem oder kleinerem Maße allen Menschen eigen. Wie aber manche Menschen mit außergewöhnlichen Talenten für Mathematik oder Musik ausgestattet sind, so scheinen andere mit außergewöhnlicher Befähigung für Heilung begabt zu sein. Diese Menschen sollten die Heilkunst zu ihrer Lebensaufgabe machen. Unglücklicherweise ist die Welt in den letzten Jahrhunderten so materialistisch geworden, dass die Möglichkeit geistiger Heilung größtenteils aus den Augen verloren wurde.
Gleich allen andern Talenten muss auch die Gabe des Heilens entdeckt, gepflegt und ausgebildet werden, damit sie die höchste Entwicklung und die größte Kraft erlangt.
Es gibt heute wahrscheinlich Tausende von Menschen in der Welt, die reichlich mit natürlicher Befähigung zum Heilen ausgestattet sind und in denen diese köstliche Gabe unbenutzt und untätig liegt.
Wenn die Möglichkeiten gedanklicher und geistiger Heilung verwirklicht sind, dann wird die Heilkunst verwandelt und veredelt und ihre Wirksamkeit ins Unermessliche gesteigert werden. Und wenn dieses neue Wissen und diese neue Macht des Heilens auf Seiten des Patienten mit lebendigem Glauben und lebendiger Hoffnung verbunden werden, dann werden wunderbare Erfolge zu sehen sein.

"Unser Vertrauen muss auf Gott ruhen. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Heiler, dem Wissenden, dem Helfer ... Nichts auf Erden oder im Himmel ist außerhalb der Macht Gottes.

O Arzt! Beim Behandeln der Kranken nenne zuerst den Namen deines Gottes, des Herrn des Gerichtstages. Alsdann wende das an, was Gott zur Heilung Seiner Geschöpfe bestimmt hat. Bei Meinem Leben! Der Besuch des Arztes, der vom Wein Meiner Liebe getrunken hat, ist Heilung, und sein Atem ist Barmherzigkeit und Hoffnung. Klammert euch an ihn zum Wohle eurer Gesundheit! Er ist in seiner Behandlungsweise durch Gott bestätigt.

Dieses Wissen (der Heilkunst) ist die wichtigste aller Wissenschaften, denn sie ist die größte Gabe von Gott, dem Beleber des Staubes, für die Erhaltung der Körper aller Menschen, und Er hat sie in die erste Reihe aller Wissenschaften und aller Weisheit gestellt. Denn dies ist der Tag, an dem du dich zu Meinem Siege erheben musst.

Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, und Deiner zu gedenken meine Arznei. Nähe zu Dir ist meine Hoffnung und Liebe zu Dir mein Gefährte. Deine Gnade für mich ist meine Heilung und mein Helfer in beiden Welten, in dieser und der kommenden. Wahrlich, Du bist der Allgütige, der Allwissende, der Allweise."
(Bahá'u'lláh, Tablet to a Physician, Gebete und Meditationen, 170.)

´Abdu'l-Bahá schreibt:

"Wer erfüllt ist von der Liebe Bahás (Gottes) und alles andere vergisst, von dessen Lippen wird der Heilige Geist gehört werden, und der Geist des Lebens wird sein Herz erfüllen ... Von seinen Lippen werden Worte strömen gleich Perlen, die von Schnüren gleiten, und alle Krankheit und alle Leiden werden durch sein Händeauflegen geheilt werden."
(Star of the West, Band VIII, S. 233.)

"O du Reine und Geistige! Wende dich Gott zu mit einem Herzen, das in Seiner Liebe schlägt und das Seinem Ruhm geweiht ist. Schaue auf Sein Königreich und suche die Hilfe Seines Heiligen Geistes im Zustand der Begeisterung, der Verzückung, Liebe, Sehnsucht, Freudigkeit und des Wohlgeruchs. Gott wird dir durch den Geist aus Seiner Nähe helfen, Krankheiten und Leiden zu heilen."

"Fahre fort in der Heilung der Herzen und Körper und suche Heilung für die Kranken, indem du dich dem allerhöchsten Königreich zuwendest und das Herz darauf richtest, Heilung durch die Macht des Größten Namens und durch den Geist der Liebe Gottes zu erlangen."
(Tablets of ´Abdu'l-Bahá, Band III, S. 626, 629.)



Wie alle helfen können

Kranke zu heilen ist keine Sache, die nur den Patienten und den Heiler angeht, sondern jedermann. Alle müssen mithelfen, und zwar durch Anteilnahme und Dienst, durch richtiges Leben, richtiges Denken und ganz besonders durch das Gebet, denn von allen Heilmitteln ist das Gebet das wirksamste.

´Abdu'l-Bahá sagt:

"Flehen und Bitten für andere wird sicherlich wirkungsvoll sein."

Die Freunde des Patienten haben eine besondere Verantwortung, denn ihr Einfluss, sowohl zum Guten als zum Schlimmen, ist ein unmittelbarer und ein mächtiger. In wieviel Krankheitsfällen hängt der Ausgang hauptsächlich von der Mitwirkung der Eltern, der Freunde oder Nachbarn auf den hilflosen Kranken ab!

Selbst die Glieder einer Gemeinde insgesamt haben einen Einfluss auf jeden Krankheitsfall. In einzelnen Fallen mag dieser Einfluss nicht groß erscheinen, aber in der Masse ist die Wirkung stark. Jedermann wird durch die soziale Atmosphäre, in der er lebt, beeinflusst, sei es durch die Vorherrschaft des Glaubens, des Materialismus, der Tugend oder des Lasters, des Frohsinns oder der Niedergeschlagenheit. Und jeder einzelne trägt dazu bei, den Zustand dieser sozialen Atmosphäre zu bestimmen. In dem jetzigen Zustand der Welt mag es nicht für jedermann möglich sein, vollkommene Gesundheit zu erlangen, es ist aber für jedermann möglich, ein "williger Kanal" für die Gesundheit verleihende Macht des Heiligen Geistes zu werden und so einen heilenden, hilfreichen Einfluss sowohl auf seinen eigenen Körper als auf alle diejenigen auszuüben, die mit ihm in Berührung kommen.

Wenige Pflichten sind den Bahá'í so nachdrücklich und so wiederholt eingeschärft, wie die Pflicht, die Kranken zu heilen, und zu diesem Zweck wurden sowohl von Bahá'u'lláh als von ´Abdu'l-Bahá viele schöne Gebete geoffenbart.

Das goldene Zeitalter

Bahá'u'lláh gibt uns die Versicherung, dass durch ein harmonisches Zusammenwirken der Patienten, der Heiler und der Gemeinden im allgemeinen und durch das Anwenden der verschiedenen Heilmittel materieller, gedanklicher und geistiger Natur das "goldene Zeitalter" verwirklicht würde, in dem durch die Macht Gottes "alle Sorge in Freude und alle Krankheit in Gesundheit verwandelt werden".

´Abdu'l-Bahá sagte:

"Wenn die göttliche Botschaft verstanden wird, dann werden alle Leiden verschwinden."

Ferner sagte Er:

"Wenn die materielle und die geistige Welt wohl ausgewogen sind, wenn die Herzen himmlisch und das Streben rein und göttlich werden, wird vollkommene Verbundenheit eintreten. Dann wird diese Kraft eine vollendete Offenbarung hervorbringen. Körperliche und seelische Leiden werden völlige Heilung erfahren."

Richtiger Gebrauch der Gesundheit

Zum Schluss dieses Kapitels wird es gut sein, daran zu erinnern, was ´Abdu'l-Bahá über den richtigen Gebrauch der körperlichen Gesundheit lehrt. In einem Seiner Tablets an die Bahá'í in Washington sagte Er:

"Wenn Gesundheit und körperliches Wohlbefinden auf dem Pfade des Königreiches geopfert werden, so ist dies durchaus annehmbar und lobenswert, und wenn sie zum allgemeinen Besten der Menschheit dahin gegeben werden - selbst wenn es zu ihrem materiellen Vorteil und eine Art Wohltätigkeit wäre -, so ist auch dies willkommen. Wenn jedoch menschliche Gesundheit und Wohlstand zur Befriedigung sinnlicher Begierden in tierischem Leben und teuflischem Streben vergeudet werden, - dann ist Krankheit besser als solche Gesundheit, ja, selbst der Tod ist einem solchen Leben vorzuziehen. Wenn du Gesundheit erstrebst, so wünsche sie dir zum Dienste am Königreich. Ich hoffe, dass du vollkommene Einsicht, unbeugsame Entschlossenheit, völlige Gesundheit und geistige und physische Kraft erlangst, damit du aus dem Brunnen des ewigen Lebens trinkst und dir der Geist der göttlichen Bestätigung hilft."
(S. 121-136)