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Erfüllte Prophezeiungen

"Was die Manifestation des Größten Namens betrifft: Dies ist Er, den Gott in allen Seinen Büchern und Schriften verheißen hat, wie in der Bibel, den Evangelien und dem Qur'án."
('Abdu'l-Bahá)

Auslegung von Prophezeiungen

Die Auslegung von Prophezeiungen ist anerkannt schwierig, und bei nichts anderem weichen die Meinungen der Gelehrten weiter voneinander ab. Dabei ist nichts Verwunderliches, denn in Übereinstimmung gerade mit den geoffenbarten Schriften wurden viele der Prophezeiungen in solcher Form kundgegeben, dass sie nicht völlig verstanden werden konnten, bevor die Erfüllung eintrat, und sogar dann nur von solchen, die reinen Herzens und frei von Vorurteilen waren. So wurde am Ende von Daniels Gesichten der Seher geheißen:
"Und du, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden... Und ich hörte es, aber ich verstand's nicht und sprach: Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel: denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit."
(Daniel 12, 4.8.9.)

Wenn Gott die Prophezeiungen bis zur verheißenen Zeit versiegelte und die Auslegung nicht einmal den Propheten offenbarte, durch die Er sie aussprechen ließ, so dürfen wir erwarten, dass niemand als der verheißene Gottgesandte fähig sein wird, das Siegel zu zerbrechen und die Bedeutungen zu enthüllen, die in der Schatzkammer prophetischer Gleichnisse verborgen sind.

Das Nachdenken über die Geschichte der Prophezeiungen und ihre Missdeutungen in den vergangenen Zeitaltern und Sendungen, zusammen mit den feierlichen Warnungen der Propheten selbst, sollte uns sehr vorsichtig machen gegenüber den Gedankengängen der Theologen bezüglich der wirklichen Bedeutung dieser Aussprüche und der Art ihrer Erfüllung. Wenn andererseits jemand erscheint, der für sich in Anspruch nimmt, die Pophezeiungen zu erfüllen, so ist es wichtig, dass wir seinen Anspruch offenen und unvoreingenommenen Herzens prüfen. Handelt es sich um einen Betrüger, so wird der Trug bald aufgedeckt, ohne dass Schaden entsteht. Aber wehe allen, die achtlos Gottes Boten von der Türe weisen, weil Er in einer unerwarteten Gestalt oder zu unerwarteter Zeit kommt.

Das Leben und die Aussprüche von Bahá'u'lláh bezeugen, dass Er der Verheißene aller heiligen Bücher ist, der die Macht hat, die Siegel der Prophezeiungen zu brechen und uns den "versiegelten, auserlesenen "Wein" der göttlichen Geheimnisse einzuschenken. Lasst uns nun eilen, Seine Auslegungen zu hören und in ihrem Licht nochmals die vertrauten, aber vielfach geheimnisvollen Worte prüfen, die von den Propheten vor alters gesprochen wurden.



Das Kommen des Herrn

Das "Kommen des Herrn in den letzten Tagen" ist das eine "fern liegende göttliche Ereignis", auf das alle Propheten vorausschauten, das die meisten ihrer herrlichen Gesänge besungen haben. Was ist denn nun gemeint mit dem "Kommen des Herrn"? Gott ist doch zu allen Zeiten bei Seinen Geschöpfen, in allen, über allen und alle durchdringend. "Er ist heimlicher denn ein Atemzug, näher denn Hände und Füße." Ja, aber die Menschen können Gott als innewohnend und die Fassungskraft übersteigend weder sehen noch hören, sie können sich Seine Gegenwart nicht vorstellen, bis Er Sich selbst offenbart durch eine sichtbare Gestalt und zu ihnen mit menschlicher Zunge redet. Zur Offenbarung Seiner höheren Eigenschaften hat Gott immer von einem menschlichen Werkzeug Gebrauch gemacht. Jeder der Propheten war ein Mittler, durch welchen Gott Sein Volk besuchte und zu ihm sprach. Jesus war solch ein Mittler, und die Christen haben ganz richtig Sein Erscheinen als ein Kommen Gottes geachtet. In Ihm sahen sie das Angesicht Gottes, und von Seinen Lippen hörten sie die Stimme Gottes. Bahá'u'lláh verkündet, dass das "Kommen" des Herrn der Heerscharen, des ewigen Vaters, des Schöpfers und Erlösers der Welt, das nadi alien Propheten "zur Zeit des Endes" eintreten wird, nidits anderes bedeutet als Seine Manifestation in einem menschlichen Tempel, wie Er Sich durch den Tempel von Jesus von Nazareth geoffenbart hat, nur zu dieser Zeit mit einer volleren und herrlicheren Offenbarung, für welche die Herzen und Geister vorzubereiten Jesus und alle die früheren Offenbarer kamen.



Prophezeiungen über Christus

Weil sie die Bedeutung der Prophezeiungen über die Herrschaft des Messias falsch auffassten, verwarfen die Juden Christus.

'Abdu'1-Bahá sagt:

"Die Juden erwarten noch immer das Kommen des Messias und beten Tag und Nacht zu Gott, dass Er Sein Kommen beschleunigen möge.
Als Christus kam, verrieten und töteten sie Ihn mit den Worten: Dies ist nicht der von uns Erwartete. Siehe, wenn der Messias kommt, werden Zeichen und Wunder bezeugen, dass Er in der Tat der Christ ist. Wir kennen die Zeichen und Gegebenheiten, und sie sind nicht erschienen. Der Messias wird aus einer unbekannten Stadt hervorgehen. Er wird auf dem Throne Davids sitzen und siehe, Er wird kommen mit einem Schwert von Stahl und mit einem eisernen Stabe herrschen! Er wird das Gesetz der Propheten erfüllen. Er wird den Osten und den Westen erobern und Sein erwähltes Volk, die Juden, erheben. Er wird ein Reich des Friedens mit sich bringen, während welchem selbst die Tiere aufhören werden, mit dem Menschenfeind zu sein. Denn siehe, Wolf und Lamm werden aus einer Quelle trinken ... und alle Geschöpfe Gottes in Ruhe leben." ...

So dachten und sprachen die Juden, denn sie begriffen weder die Schriften noch die in ihnen enthaltene herrliche Wahrheit. Sie hatten die Buchstaben auswendig gelernt, verstanden aber kein einziges Wort vom Leben spendenden Geiste. Hört zu, und ich will euch den Sinn davon zeigen. Obwohl Er aus Nazareth, einem bekannten Ort, kam, kam Er doch auch vom Himmel, Sein Körper wurde durch Maria geboren, aber Sein Geist kam vom Himmel. Das Schwert, das Er führte, war das Schwert Seiner Zunge, mit dem Er den Guten vom Bösen, das Echte vom Falschen, den Gläubigen vom Ungläubigen und das Licht von der Finsternis schied. Sein Wort war in der Tat ein scharf geschliffenes Schwert! Der Thron, auf dem Er saß, war der ewige Thron, von dem aus Christus auf immer herrscht, ein himmlischer und kein irdischer Thron, denn das Irdische vergeht, Himmlisches aber wird nicht vergehen. Er gab dem Gesetze Moses eine neue Deutung, vollendete es und erfüllte das Gesetz der Propheten. Sein Wort eroberte den Osten und den Westen, Sein Reich ist ewig. Er erhob die Juden, die Ihn anerkannten. Es waren Männer und Frauen von schlichter Herkunft, aber die Verbindung mit Ihm machte sie groß und verlieh ihnen unvergängliche Würde. Die Tiere, die beisammen leben sollten, bedeuteten die verschiedenen Sekten und Rassen, die einst gegeneinander im Kampfe standen, jetzt aber in Liebe und Güte wohnen und miteinander das Wasser des Lebens aus Christus, der ewigen Quelle, trinken."
('Abdu'l-Bahá, Ansprachen in Paris, S. 39-41.)

Die meisten Christen nehmen diese Auslegung der messianischen Prophezeiungen als für Christus geltend in Anspruch. Aber hinsichtlich ähnlicher Prophezeiungen über den letzten Tag des Messias nehmen viele die gleiche Stellung ein wie die Juden und erwarten die Entfaltung eines Wunders auf der materiellen Ebene, das den genauen Buchstaben der Prophezeiungen erfüllen wird.



Prophezeiungen über den Báb und Bahá'u'lláh

Nach der Bahá'í-Auslegung beziehen sich besonders die Prophezeiungen, die von der "Zeit des Endes", den "letzten Tagen", dem "Kommen des Herrn der Heerscharen", dem "Ewig-Vater" sprechen, nicht auf das Kommen von Jesus Christus, sondern auf das von Bahá'u'lláh. Nehmen wir als Beispiel die wohl bekannte Prophezeiung des Jesaja:
"Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell ... Denn du hast das Joch ihrer Last und die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Michans. Denn alle Rüstungen derer, die sich mit Ungestüm rüsten, und die blutigen Kleider werden verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf Seiner Schulter, und Er heißt Wunder-Rat, Kraft-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, auf dass Seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in Seinem Königreich, dass Er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth."
(Jesaja 9,1.3-6.)

Dies ist eine der Prophezeiungen, die oft als auf Christus bezüglich angesehen werden, und viel davon mag ganz richtig anwendbar sein, aber eine kleine Prüfung wird zeigen, wie viel vollständiger und passender sie auf Bahá'u'lláh bezogen wird. Christus war tatsächlich ein Lichtbringer und Erlöser. Aber während der nahezu zweitausend Jahre seit Seinem Auftreten wandelt die große Mehrheit der Menschen auf Erden immer noch im Finstern, und die Kinder Israel und viele andere Kinder Gottes fuhren fort, unter dem "Stecken des Treibers" zu stöhnen. Auf der andern Seite hat während der ersten wenigen Jahrzehnte des Bahá'í-Zeitalters das Licht der "Wahrheit den Osten und den Westen erhellt, die frohe Botschaft von der Vaterschaft Gottes und von der Bruderschaft der Menschen wird in alle Länder der Welt getragen, und ein Völkerbund wurde ins Leben gerufen, der allen niedergetretenen und unterdrückten Nationalitäten der Welt bald Erleichterung bringen soll. Der große Krieg, der von 1914 bis 1918 die "Welt durchbrauste, mit seiner noch nie da gewesenen Anwendung von Feuerwaffen, von flüssigem Feuer, Brandbomben und Feuermaschinen, ist in der Tat etwas gewesen, das "verbrannt und mit Feuer verzehrt" hat. (Der zweite Weltkrieg zeigte erneut die Erfüllung dieser Prophezeiung, mit dem Höhepunkt der Verwendung von Atombomben.) Bahá'u'lláh hat, als Er einen großen Teil Seiner Schriften Fragen der Regierungen und Verwaltungen widmete und zeigte. wie sie am besten gelöst werden, "die Herrschaft auf Seine Schulter" genommen auf eine Weise, wie es Christus niemals tat. Bezüglich der Titel "Ewig-Vater", "Friede-Fürst" verweist Bahá'u'lláh wiederholt auf Sich selbst als die Manifestation des Vaters, von der Christus und Jesaja sprachen, während Christus immer von Sich als dem Sohn sprach. Und Bahá'u'lláh erklärt, dass Seine Sendung ist, den Frieden auf Erden aufzurichten, während Christus sagte: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert", und tatsächlich gab es während des ganzen christlichen Zeitalters Kriege und sektiererische Streitigkeiten in Fülle.



Die Herrlichkeit Gottes

Der Titel "Bahá'u'lláh" ist das arabische Wort für "Herrlichkeit Gottes", und dieser nämliche Titel wird häufig gebraucht von den hebräischen Propheten für den Verheißenen, der in den letzten Tagen erscheinen werde.

So lesen wir in Jesaja 40, 1-5:
"Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden. Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen."

Wie die zuvor erwähnte Prophezeiung wurde auch diese teilweise erfüllt durch das Kommen Christi und Seines Vorläufers, Johannes des Täufers; aber nur teilweise, denn in den Tagen Christi war das Kriegsleben Jerusalems noch nicht zu Ende. Viele Jahrhunderte bitterer Prüfung und Erniedrigung waren ihm noch vorbehalten. Mit dem Kommen des Báb und Bahá'u'lláhs beginnt jetzt aber die vollständigere Erfüllung sich zu zeigen, denn schon sind Anzeichen lichterer Tage für Jerusalem und Aussichten auf eine friedvolle und herrliche Zukunft festzustellen.

Andere Prophezeiungen sprechen von dem Erlöser Israels, der Herrlichkeit des Herrn, dass Er kommen werde ins Heilige Land von Osten, vom Aufgang der Sonne her. Nun erschien Bahá'u'lláh in Persien, das ostwärts von Palästina gelegen ist, gegen Aufgang der Sonne hin, und Er kam nach dem Heiligen Land, wo Er die letzten vierundzwanzig Jahre Seines Lebens zubrachte. Wäre Er hierher gekommen als freier Mann, könnten die Menschen sagen, dass dies eine List eines Betrügers sei, um den Prophezeiungen zu entsprechen. Aber Er kam als Verbannter und Gefangener. Er wurde dorthin verschickt durch den Sháh von Persien und den Sultan der Türkei, welche schwerlich der Absicht verdächtigt werden können, dass sie Beweise für den Anspruch von Bahá'u'lláh hätten schaffen wollen, Er sei die "Herrlichkeit Gottes", deren Kommen die Propheten vorhersagten.



Der Zweig

In den Prophezeiungen von Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Zacharias gibt es verschiedene Hinweise auf einen Mann, genannt "der Zweig". Diese sind von den Christen oft so aufgefasst worden, als ob sie sich auf Christus bezögen. Sie werden aber von den Bahá'í als besonders auf Bahá'u'lláh weisend angesehen.

Die belangreichste Bibelprophezeiung über den Zweig befindet sich im 11. Kapitel von Jesaja:
"Und es wird ein Reis hervorgehen von dem Stamm Isais und ein Zweig aus Seiner Wurzel Frucht bringen. Auf Ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn... Gerechtigkeit wird der Gurt Seiner Lenden sein und die Treue der Gurt Seiner Hüften. Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Parder bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben .... Man wird nirgends Sünde tun, noch freveln auf Meinem ganzen heiligen Berge, denn das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt ... Und der Herr wird zu der Zeit zum zweiten Mai Seine Hand ausstrecken, dass er den Rest Seines Volkes loskaufe, der übrig geblieben ist in Assur, Ägypten, Pathros, Kusch, Elam, Sinear, Hamath und auf den Inseln des Meeres. Und Er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern und zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde."
(Jesaja 11,1-12.)

'Abdu'1-Bahá bemerkt über diese und andere Prophezeiungen vom Zweig folgendes:
"Eines der großen Ereignisse, das am Tage des Erscheinens dieses unvergleichlichen Zweiges eintreten soll, ist das Hissen des Banners des Herrn unter allen Völkern. Das heißt, dass alle Völker und Stämme unter den Schutz dieses göttlichen Banners, das kein anderes als der erhabene Zweig selbst ist, kommen und zu einem einzigen Volke werden.
Die Gegensätze der Glaubensbekenntnisse und Religionen, die Feindschaft zwischen Rassen und Völkern und die Verschiedenheiten nationaler Interessen werden verschwinden. Alle werden einer Religion, einem Bekenntnis, einer Rasse und einem Volk angehören und in einem Vaterland wohnen, das die ganze Erde ist. Universaler Friede und Einheit werden unter allen Völkern verwirklicht, und jener unvergleichliche Zweig wird ganz Israel versammeln. Das kündet an, dass in diesem Zyklus Israel im Heiligen Land versammelt wird, und dass die Juden, die im Osten und Westen, im Süden und Norden zerstreut sind, vereinigt werden.
Nun sieh, dass sich dies im Zeitalter Christi nicht ereignet hat, denn die Völker sind nicht unter dem einen Banner, mit dem der göttliche Spross gemeint ist, zusammengekommen. Aber in diesem Zyklus des Herrn der Heerscharen werden alle Völker und Nationen unter den Schutz dieses Banners gelangen. Auch das in alle Welt zerstreute Israel wurde im christlichen Zeitalter nicht im Heiligen Land von neuem vereint. Aber am Anfang des Zeitalters Bahá'u'lláhs begann sich dieses göttliche Versprechen, das in allen Büchern der Propheten verkündet wurde, zu erfüllen. Man kann sehen, wie von allen Teilen der Welt jüdische Geschlechter zum Heiligen Land kommen; sie leben in Dörfern und auf Boden, den sie sich erwerben, und Tag für Tag vermehrt sich ihre Zahl in einem solchen Ausmaß, dass ganz Palästina ihre Heimat werden wird."
('Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 12, S. 72 f.)



Der Tag Gottes

Das Wort "Tag" in solchen Ausdrücken, wie "Tag Gottes" und "letzter Tag" wird dahin ausgelegt, dass es "Sendung" (d. h. der ganze Zyklus eines Offenbarers) bedeutet. Jeder der großen Religionsgründer hat Seinen "Tag". Jeder gleicht einer Sonne. Ihre Lehren nehmen ihren Anfang, ihre Wahrheit erleuchtet schrittweise mehr und mehr den Geist und die Herzen der Menschen, bis sie den Zenith ihres Einflusses erreichen. Dann werden sie nach und nach verdunkelt, entstellt und verdorben, und Finsternis überschattet die Erde, bis die Sonne eines neuen Tages aufgeht. Der Tag der allerhöchsten Manifestation Gottes ist der "letzte Tag", weil es ein Tag ist, der nimmer enden und nicht von der Nacht überwältigt werden soll. Seine Sonne soll nie untergehen, sondern soll die Seelen der Menschen in dieser Welt und in der kommenden Welt erleuchten. In Wirklichkeit geht keine der geistigen Sonnen unter. Die Sonnen von Moses, Christus und Muhammad und allen andern Offenbarern scheinen immer noch am Himmel mit unvermindertem Licht. Aber irdische Wolken haben ihre Strahlen den Menschen verborgen. Die erhabene Sonne von Bahá'u'lláh wird endlich diese finsteren Wolken zerteilen, damit die Menschen aller Religionen sich in dem Lichte aller Offenbarer erfreuen werden und wie ein Herz den einen Gott anbeten, dessen Licht alle Manifestationen widergespiegelt haben.

Der Tag des Gerichts

Christus sprach in Gleichnissen viel über den Tag des Gerichts, wenn

"des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit Seines Vaters mit Seinen Engeln; und alsdann wird Er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken."
(Matth. 16, 27.)

Er vergleicht diesen Tag mit der Zeit der Ernte, wenn die Spreu verbrannt und der Weizen in die Scheunen gesammelt wird:

"Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird es auch am Ende dieser Welt gehen: Des Menschen Sohn wird Seine Engel senden; und sie werden sammeln aus Seinem Reich alle, die Ärgernis geben und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich."
(Matth. 13, 40-43.)

Der Ausdruck "Ende der Welt", wie er in der autorisierten Übersetzung der Bibel an dieser und an ähnlichen Stellen gebraucht wird, hat manchen verleitet, zu denken, dass, wenn der Tag des Gerichts komme, die Erde plötzlich zerstört werde; aber dies ist offensichtlich ein Irrtum. Die richtige Übersetzung dieses Ausdrucks scheint zu sein "die Vollendung oder das Ende des Zeitalters". Christus lehrt, dass das Königreich des Vaters sowohl auf Erden wie im Himmel aufzurichten sei. Er lehrt uns beten: "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel." In dem Gleichnis von dem Weinberg zerstört der Vater, wenn Er, der Herr des Weinbergs, kommt, die gottlosen Weingärtner umzubringen, nicht auch den Weinberg (die Welt), sondern gibt ihn an andere Weingärtner, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben.
(Vgl. Matth. 21, 41)

Die Erde muss nicht vernichtet, sondern erneuert und wiedergeboren werden. Christus sprach von diesem Tage bei einer andern Gelegenheit als "der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn sitzen wird auf dem Thron Seiner Herrlichkeit".
(Matth. 19, 28.)

Petrus sprach von ihm als den "Zeiten der Erfrischung", "den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, welche Gott durch den Mund aller Seiner Propheten seit Weltbeginn versprochen hat". Der Tag des Gerichts, von welchem Christus sprach, ist offensichtlich gleich mit dem Kommen des Herrn der Heerscharen, des Vaters, wie es von Jesaja und den andern Propheten des Alten Testaments prophezeit wurde, eine Zeit schrecklicher Strafe für die Gottlosen, aber eine Zeit, in welcher Gerechtigkeit geschaffen wird und Rechtschaffenheit herrschen soll, auf Erden wie im Himmel.
Nach der Bahá'í-Auslegung ist das Kommen jeder Manifestation Gottes ein Tag des Gerichtes, aber das Kommen der allerhöchsten Manifestation Bahá'u'lláh ist der große Tag des Gerichts für den Weltzyklus, in welchem wir leben. Der Posaunenruf, von dem Christus und Muhammad und viele andere Propheten sprachen, ist der Ruf der Manifestation, der erschallen wird für alle, die im Himmel und auf Erden sind, für die im Leib und für die ohne Leib. Die Begegnung mit Gott durch Seine Manifestation ist für die, welche Ihm zu begegnen wünschen, die Pforte zum Paradies des Ihn Erkennens und Liebens und des Lebens in Liebe mit allen Seinen Geschöpfen. Jene andererseits, die ihren eigenen Weg Gottes Weg vorziehen, wie er durch die Manifestation geoffenbart ist, überliefern sich dadurch selbst der Hölle der Selbstsucht, des Irrtums und der Feindseligkeit.



Die große Auferstehung

Der Tag des Gerichts ist auch der Tag der Auferstehung, des Auferstehens vom Tode. Paulus sagt in seinem ersten Brief an die Korinther:
"Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit."
(1. Kor. 15, 51-53.)

Bezüglich der Bedeutung dieser Stellen über die Auferstehung der Toten schreibt Bahá'u'lláh in dem Buch Iqán:

"Mit den Worten "Leben" und "Tod", wovon in den Schriften gesprochen wird, ist das Leben des Glaubens und der Tod des Unglaubens gemeint. Die große Masse hat, weil sie die Bedeutung dieser Worte nicht zu fassen vermochte, die Persönlichkeit der Manifestation verworfen und missachtet; sie haben sich des Lichtes Seiner göttlichen Führung beraubt und sich gesträubt, dem Beispiel jener unsterblichen Schönheit zu folgen ...
Jesus sprach: "Ihr müsset von neuem geboren werden."
(Job. 3, 7.)

Und wiederum sagte Er: ,Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was von Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.'
(Joh. 3, 5-6.)

Der Sinn dieser Worte ist: Wer immer in jeder Sendung aus dem Geiste geboren und durch den Hauch der Manifestation der Heiligkeit beseelt ist, der gehört wahrlich zu denen, die zum "Leben" und zur "Auferstehung" gelangt und in das "Paradies" der Liebe Gottes eingegangen sind. Und wer immer nicht zu ihnen gehört, der ist zum "Tod" und zur "Gottferne", zum "Feuer" des Unglaubens und zum "Zorn" Gottes verurteilt... Würdest du nur einen Tautropfen der kristallklaren Wasser göttlicher Erkenntnis erlangen, so würdest du alsbald gewahr werden, dass wahres Leben nicht das Leben des Fleisches, sondern das Leben des Geistes ist.
Denn das Leben des Fleisches ist den Menschen sowohl als auch den Tieren gemeinsam, während das Leben des Geistes nur den Reinen im Herzen eigen ist, die aus dem Meere des Glaubens getrunken und von der Frucht der Gewissheit sich ihr Teil erworben haben. Ein solches Leben kennt keinen Tod, und ein solches Dasein ist von Unsterblichkeit gekrönt. So ist gesagt worden: "Wer ein wahrer Gläubiger ist, der lebt sowohl in dieser Welt als auch in der künftigen." Wäre mit "Leben" dieses irdische Leben gemeint, so müsste der Tod es hinwegraffen; das ist klar."
(Bahá'u'lláh, Das Buch der Gewißheit, S. 81, 84, 85.)

Nach der Bahá'í-Lehre hat die Auferstehung mit dem physischen Körper nichts zu tun. Dieser Körper, einmal tot, ist damit abgetan. Er verfällt der Auflösung und seine Atome werden niemals wieder zum gleichen Körper zusammengesetzt. Auferstehung ist die Geburt des einzelnen zu geistigem Leben durch die Gabe des Heiligen Geistes, dargereicht durch die Manifestation Gottes. Das Grab, von welchem er sich erhebt, ist das Grab der Unwissenheit und Nachlässigkeit Gott gegenüber. Der Schlaf, aus welchem er erwacht, ist der geistige Schlafzustand, in welchem viele das Dämmern des Tages Gottes erwarten. Die Dämmerung dieses Tages gibt allen, die auf der Erde gelebt haben, ihr Licht, ob sie sich im Körper oder außerhalb des Körpers befinden, aber die, welche geistig blind sind, können sie nicht begreifen. Der Auferstehungstag ist kein Tag von vierundzwanzig Stunden, sondern ein Zeitalter, das jetzt begonnen hat und dauern wird, solange der gegenwärtige Weltzyklus dauert. Er wird noch fortdauern, wenn bereits alle Spuren der gegenwärtigen Zivilisation von der Oberfläche dieser Erde weggewischt sein werden.



Wiederkunft Christi

In vielen Seiner Gespräche spricht Christus von der zukünftigen Manifestation Gottes in der dritten Person, in anderen wieder ist die erste Person gebraucht. Er sagt: "Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und wenn Ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will Ich wiederkommen und euch zu Mir nehmen."
(Job. 14, 2-3.)

Im ersten Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir, dass den Jüngern bei der Himmelfahrt Christi gesagt wurde: "Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr Ihn gesehen habt gen Himmel fahren."
(Apg. 1, 11.)

`Wegen dieser und ähnlicher Aussprüche erwarten viele Christen, dass, wenn des Menschen Sohn kommt "in den Wolken des Himmels und mit großer Herrlichkeit", sie den gleichen Jesus in körperlicher Gestalt sehen werden, wie Er zweitausend Jahre zuvor in den Straßen Jerusalems wandelte und am Kreuze blutete und litt. Sie erwarten, dass es ihnen vergönnt sei, ihre Finger in die Nägelmale Seiner Hände und Füße zu legen und ihre Hand in die Speerwunde in Seiner Seite. Aber sicher wird ein wenig Nachdenken über Christi eigene Worte solche Vorstellungen zerstreuen. Die Juden zu Christi Zeiten hatten ebensolche Vorstellungen von der Wiederkunft des Elias, aber Jesus legte ihren Irrtum klar, indem Er zeigte, dass die Prophezeiung, dass "Elias zuerst kommen müsse", erfüllt war, nicht durch die Wiederkunft der Person und des Körpers des früheren Elias, sondern in der Person von Johannes dem Täufer, der kam "im Geist und in der Kraft des Elias". "Und (so ihr's wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünftig sein. Wer Ohren hat zu hören, der höre."
(Matth. 11, 14.)

Die "Wiederkunft" des Elias bedeutete daher das Erscheinen einer andern Person, geboren von andern Eltern, aber von Gott inspiriert mit dem gleichen Geist und der gleichen Kraft. Von diesen Worten Jesu darf wahrlich angenommen werden, dass sie bedeuten, dass die Wiederkunft Christi in gleicher Weise durch das Erscheinen einer andern Person, geboren von einer anderen Mutter, vollendet werden wird, die aber den Geist und die Macht Gottes gerade so aufweisen muss, wie Christus dies tat. Bahá'u'lláh erklärt, dass das Wiederkommen Christi erfüllt Wurde in dem Kommen des Báb und in Seinem eigenen Kommen.

Er spricht:

"Betrachtet die Sonne! Wollte sie sagen: "Ich bin die Sonne von gestern", so würde sie die Wahrheit sprechen, und würde sie, den Zeitenlauf betonend, behaupten, sie sei eine andere als jene Sonne, so würde sie auch die Wahrheit reden. Ebenso ist es richtig und wahr, wenn gesagt wird, alle Tage seien ein und derselbe. Und wenn im Hinblick auf ihre besonderen Namen und Bezeichnungen gesagt wird, sie seien verschieden, so ist dies auch wahr. Denn wenn sie auch die gleichen sind, so lässt sich doch an jedem eine andere Bezeichnung, eine besondere Eigenschaft, ein eigener Wesenszug erkennen. Begreife nun dementsprechend die Kennzeichen des Unterschieds, der Mannigfaltigkeit und der Einheit der Manifestationen der Heiligkeit, damit du die Andeutungen verstehen mögest, die der Schöpfer aller Namen und Eigenschaften über diese Mysterien der Einheit und der Unterscheidung machte."
(Bahá'u'lláh, Das Buch der Gewissheit, S. 24.)

'Abdu'l-Bahá sagt:

"Wisse, dass die Wiederkunft Christi zum zweiten Male nicht das bedeutet, was die Menschen glauben, sondern vielmehr den einen Verheißenen bezeichnet, der nach Ihm kommen soll. Er wird kommen mit dem Königreich Gottes und Seiner Macht, welche die Welt umspannt hat. Diese Herrschaft ist in der Welt des Herzens und Geistes und nicht in der der Materie, denn die materielle Welt ist im Angesicht des Herrn nicht einmal mit einem einzigen Flügel einer Mücke zu vergleichen - würdet ihr es doch verstehen! Wahrlich, Christus kam mit Seinem Königreich vom Anfang, der keinen Anfang hat, und wird kommen mit Seinem Königreich zur Ewigkeit der Ewigkeiten, insoweit als in diesem Sinn ,Christus' ein Ausdrucks der göttlichen Wirklichkeit ist, der einfachen Wesenheit und des himmlischen Seins, welches keinen Anfang hat noch ein Ende. Es hat Erscheinen, Aufgang, Offenbarung und Untergang in jedem der Zeitalter."
(Tablets of 'Abdu'l-Bahá, Bd. 1, S. 138.)



Die Zeit des Endes

Christus und Seine Apostel erwähnten viele Zeichen, welche die Zeiten der "Wiederkunft" des Menschensohns in der Herrlichkeit des Vaters erkennen lassen.

Christus sagt:

"Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert von einem Heer, so merket, dass herbeigekommen ist ihre Verwüstung.Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist ... Denn es wird große Not auf Erden sein und ein Zorn über dies Volk, und sie werden fallen durch des Schwertes Schärfe und gefangen geführt unter alle Völker; und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis dass der Heiden Zeit erfüllt ist."
(Luk. 21, 20-24.)

Wieder sagte Er:

"Sehet zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter Meinem Namen und sagen: "Ich bin der Christus" und werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und her. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um Meines Namens willen von allen Völkern.Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil der Unglaube wird Überhand nehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen."
(Matth. 24, 4-14.)

In diesen zwei Stellen sagt Christus in klaren Ausdrücken, ohne Schleier oder Verhüllung, die Dinge voraus, die sich vor dem Kommen des Menschensohns ereignen müssen. Während der Jahrhunderte, die verflossen sind, seit Christus sprach, hat sich jedes dieser Zeichen erfüllt. Jeweils im letzten Teil beider Stellen erwähnt Er ein Ereignis, das die Zeit des Kommens kennzeichnen wird; in dem einen Fall die Beendigung der Verbannung der Juden und die Wiederherstellung von Jerusalem, im andern das Predigen des Evangeliums in aller Welt. Es ist überraschend, dass diese beiden Zeichen sich in unseren eigenen Tagen wörtlich erfüllt haben. Wenn diese Teile der Prophezeiung so wahr sind wie das Übrige, so folgt daraus, dass wir in der "Zeit des Endes" leben, von der Christus sprach.

Auch Muhammad erwähnt gewisse Zeichen, die bis auf den Tag der Auferstehung fortbestehen. Im Qur'án lesen wir:

"Als Gott sagte: ,Jesus! Ich werde dich abberufen und zu Mir erheben und rein machen, so dass du den Ungläubigen entrückt bist. Und Ich werde bewirken, dass diejenigen, die dir folgen, den Ungläubigen bis zum Tag der Auferstehung überlegen sind. Dann werdet ihr zu Mir zurückkehren. Und Ich werde zwischen euch entscheiden über das, worüber ihr uneins waret...'"
(Qur'án 3,55.)

"Die Juden sagen: ,Die Hand Gottes ist gefesselt. Ihre eigenen Hände sollen gefesselt sein, und verflucht sollen sie sein für das, was sie sagen. Nein! Er hat Seine beiden Hände ausgebreitet und spendet, wie Er will. Was von deinem Herrn zu dir herab gesandt worden ist, wird sicher viele von ihnen in ihrer Widersetzlichkeit und ihrem Unglauben noch bestärken. Und Wir ließen unter ihnen Feindschaft und Hass entstehen bis zum Tag der Auferstehung. Sooft sie ein Feuer zum Krieg anzünden, löscht Gott es aus."
(Qur'án 5, 64)

"Und von denen, die sagen: ,wir sind Christen', haben Wir ihre Verpflichtung entgegengenommen. Aber dann vergaßen sie einen Teil von dem, womit sie erinnert worden waren. Und da erregten Wir unter ihnen Feindschaft und Hass bis zum Tag der Auferstehung. Aber Gott wird ihnen Kunde geben über das, was sie getan haben."
(Qur'án 5,14.)

Auch diese Worte haben sich wörtlich erfüllt in der Unterwerfung der Juden unter die christlichen und muslimischen Völker und in dem Sektenwesen und dem Streit, der sowohl Juden wie Christen unter sich uneins machte, während all der Jahrhunderte, seit Muhammad sprach. Erst seit dem Beginn des Bahá'í-Zeitalters, des Tages der Auferstehung, beginnen die Zeichen des herannahenden Endes dieser Zustände in Erscheinung zu treten.



Zeichen im Himmel und auf Erden

In den hebräischen, christlichen, muhammadanischen und vielen anderen Schriften herrscht eine bemerkenswerte Ähnlichkeit in der Beschreibung der Zeichen, die das Kommen des Verheißenen begleiten.

Im Buch Joel lesen wir:

"Und Ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt... Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, da Ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will Ich alle Heiden zusammenbringen und will sie ins Tal Josaphat (,Jahwe hält Gericht') hinausführen und will dort mit ihnen rechten ... Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tale der Entscheidung; denn des Herrn Tag ist nahe im Tale der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne halten ihren Schein zurück ... Aber Seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein ..."
(Joel 3,3 bis 4,16.)

Christus sagt:

"Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit."
(Matth. 24, 29-30.)

Im Qur'án lesen wir:
"Wenn die Sonne eingehüllt wird, die Sterne ihren Glanz verlieren (fallen) und die Berge sich bewegen, wenn die Blätter (des Buches) ausgebreitet werden, der Himmel weggezogen (geöffnet), der Höllenbrand angefacht ... wird."
(Qur'án 81,1-3; 10-12.)

Im Buch Iqán erklärt Bahá'u'lláh, dass diese Prophezeiungen über die Sonne, den Mond und die Sterne, die Himmel und die Erde sinnbildlicher Art sind und nicht im buchstäblichen Sinn zu verstehen sind. Die Propheten befassten sich vorzugsweise mit geistigen, nicht mit materiellen Dingen, mit geistigem, nicht mit natürlichem Licht. Wenn sie, in Beziehung auf den Tag des Gerichts, die Sonne erwähnen, weisen sie auf die Sonne der Gerechtigkeit hin. Die Sonne ist die höchste Lichtquelle. So war Moses eine Sonne für die Juden, Christus für die Christen und Muhammad für die Moslems. Wenn die Propheten von Verfinsterung der Sonne sprechen, so will damit gesagt werden, dass die reinen Lehren dieser geistigen Sonnen verfinstert worden sind durch Entstellung, Missverstehen und Vorurteil, so dass die Menschen sich in geistiger Finsternis befinden. Der Mond und die Sterne sind die Lichtquellen zweiten Ranges, die religiösen Führer und Lehrer, welche die Menschen führen und anfeuern sollten. Wenn gesagt wird, dass der Mond kein Licht von sich geben oder sich in Blut tauchen wird und dass die Sterne vom Himmel fallen werden, so ist damit gemeint, dass die Führer der Kirchen erniedrigt werden, weil sie sich in Streitigkeiten und Kämpfe einlassen, und dass die Priester weltlich gesinnt werden, irdischen Dingen zugeneigt statt himmlischen.
Die Bedeutung dieser Prophezeiungen wird gleichwohl mit einer Erklärung nicht erschöpft, und es gibt auch andere Bedeutungen, nach denen diese Symbole ausgelegt werden können. Bahá'u'lláh sagt, dass in anderem Sinn die Worte "Sonne", "Mond" und "Sterne" angewandt werden auf die Verordnungen und Anweisungen, die in jeder Religion gegeben sind. Da bei jeder folgenden Manifestation die Zeremonien, Formen, Gebräuche und Anweisungen der vorhergehenden Manifestation geändert werden in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Zeit, so werden in diesem Sinn Sonne und Mond verwandelt und die Sterne zerstreut.

In vielen Fallen würde die wörtliche Erfüllung dieser Prophezeiungen dem äußerlichen Sinn nach widersinnig oder unmöglich sein, zum Beispiel, dass der Mond in Blut getaucht wird oder dass die Sterne auf die Erde fallen. Der kleinste der sichtbaren Sterne ist vieltausendmal größer als die Erde, und würde einer auf die Erde fallen, wäre keine Erde mehr vorhanden, auf die ein weiterer fallen könnte. In anderen Fallen wieder gibt es sowohl eine materielle wie eine geistige Erfüllung. Zum Beispiel ist das Heilige Land viele Jahrhunderte lang wüst und verlassen gewesen, wie von den Propheten vorausgesagt, aber schon ist, am Tage der Auferstehung, der Anfang davon zu sehen, dass es "frohlocken und blühen wird wie eine Rose", wie Jesaja voraussagte. Aussichtsreiche Kolonien sind angelegt, das Land wird bewässert und bebaut, und Weinberge, Olivenhaine und Garten blühen, wo es vor einem halben Jahrhundert nur Sandwüste gab. Es unterliegt keinem Zweifel, dass, wenn die Menschen ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln und ihre Speere in Sicheln, Wildnis und Wüsten von allen Teilen der Welt verschwinden werden. Die versengenden Winde und Sandstürme, die von diesen Wüsten herwehen und das Leben in ihrer Umgebung nahezu unerträglich machen, werden vergangene Dinge sein. Das Klima auf der ganzen Erde wird milder und gleichmäßiger. Die Städte werden nicht länger die Luft durch Rauch und giftige Gase verunreinigen, und gerade im äußerlichen, materiellen Sinn wird es "neue Himmel und eine neue Erde" geben.



Die Art des Kommens

Was die Art Seines Kommens am Ende der Zeit anbetrifft, sagte Christus:
"... und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und Er wird senden Seine Engel mit hellen Posaunen ..."
(Matth. 24, 30-31)

"dann wird Er sitzen auf dem Thron Seiner Herrlichkeit, und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden. Und Er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet."
(Matth. 25, 31-32.)

Bezüglich dieser und ähnlicher Stellen schreibt Bahá'u'lláh im Buch Iqán:

"Der Ausdruck ,Himmel' bezeichnet Erhabenheit und Erhöhung, da er der Sitz der Offenbarung jener Manifestationen der Heiligkeit, der Morgendämmerung altehrwürdiger Herrlichkeit ist. Diese altehrwürdigen Wesen sind, wenn auch aus dem Mutterleib geboren, in Wirklichkeit vom Himmel des Willens Gottes herabgekommen. Obgleich sie auf dieser Erde wohnen, so sind doch ihre wahren Wohnorte die Ruhesitze der Herrlichkeit in den Reichen der Höhe. Während sie unter Sterblichen wandeln, sind sie doch in den Himmel der göttlichen Gegenwart erhoben. Ohne Füße schreiten sie auf dem Pfade des Geistes, und ohne Schwingen fliegen sie empor zu den erhabenen Höhen göttlicher Einheit. Mit jedem Atemzug durcheilen sie die Unendlichkeit des Raumes, und in jedem Augenblick durchwandern sie die Reiche des Sichtbaren und des Unsichtbaren...
Mit dem Worte ,Wolken' sind die Dinge gemeint, die dem Wünschen und Begehren der Menschen entgegenstehen. So hat Er in dem schon angeführten Vers geoffenbart: ,Sooft ein Bote zu euch kam mit dem, was eure Seelen nicht wünschen, seid ihr in Hochmut aufgebläht; die einen schaltet ihr Betrüger, die andern habt ihr gar ermordet.'
(Qur'án 2, 87.)

Diese ,Wolken' bedeuten in einem gewissen Sinn die Aufhebung der Gesetze, die Ablösung der früheren Sendungen, die Abschaffung gebräuchlicher Sitten und Riten, den Vorrang der ungelehrten Gläubigen über die gelehrten Gegner des Glaubens. In einem anderen Sinne bedeuten sie das Erscheinen der unsterblichen Schönheit in der Gestalt eines sterblichen Menschen mit solchen menschlichen Beschränkungen, wie Essen und Trinken, Armut und Reichtum, Ruhm und Erniedrigung, Schlafen und Wachen und anderem mehr, was die Gemüter der Menschen in Zweifel bringen und sie abspenstig machen kann. Alle diese Schleier werden sinnbildlich als ,Wolken' bezeichnet.
Dies sind die ,Wolken', durch welche die Himmel der Erkenntnis und des Verstehens aller Erdenbewohner gespalten werden. So hat Er geoffenbart: ,An jenem Tage soll der Himmel durch die Wolken gespalten werden.'
(Qur'án 25, 25.)

So wie die Wolken das Menschenauge nicht die Sonne schauen lassen, so hindern diese Dinge die Menschenseelen an der Erkenntnis des Lichtes der göttlichen Sonne. Das bezeugt die Rede der Ungläubigen, wie im Heiligen Buch geoffenbart ist: "Und sie haben gesagt: Was für eine Art Apostel ist denn der? Er isst seine Speise und geht seine Wege. Sofern nicht ein Engel herabkommt und seine Warnungen bestätigt, werden wir nicht an ihn glauben."
(Qur'án 25. 7.)

Andere Propheten litten in ähnlicher Weise unter Krankheit, Trübsal, Hunger, Leid und allen Wechselfällen dieser Welt. Da diese geheiligten Persönlichkeiten solchen Nöten und Mängeln unterworfen waren, waren demzufolge auch die Menschen in der Wildnis der Sorgen und Zweifel verloren und von Verwirrungen und Bestürzung ergriffen. Wie könnte, so frugen sie sich, solch eine Persönlichkeit von Gott herab gesandt worden sein, ihre Überlegenheit über alle Menschen und Geschlechter hienieden behaupten und den Anspruch erheben, selbst das Ziel aller Schöpfung zu sein - wie Er ja gesprochen hat: ,Ich hätte nicht all dies im Himmel und auf Erden erschaffen, wenn nicht für Dich' - und wäre doch solch gewöhnlichen Dingen unterworfen? Denn du bist doch zweifellos unterrichtet über die Trübsale, die Armut, die Übel und die Erniedrigung, die über jeden Propheten Gottes und Seine Gefährten kamen. Du hast doch gehört, wie die Köpfe Ihrer Anhänger als Geschenke in verschiedene Städte gesandt wurden und wie schrecklich Sie gehindert wurden, das zu tun, was Ihnen befohlen worden war. Ein jeder von Ihnen.fiel den Händen der Feinde Seiner Sache zum Opfer und hatte zu erdulden, was immer jene bestimmten.
Der Allherrliche hat eben diese Dinge, die dem Begehren der Gottlosen so entgegen sind, bestimmt, damit sie der Prüfstein und der Maßstab seien, womit Er Seine Diener prüft, auf dass die Gerechten von den Gottlosen und die Gläubigen von den Ungläubigen geschieden werden ...

Und nun, was Seine Worte betrifft: ,Und Er wird senden Seine Engel ... ,' Mit ,Engel' sind jene gemeint, die, durch die Kraft des Geistes gestärkt, mit dem Feuer der Liebe Gottes alle menschlichen Züge und Begrenzungen getilgt und sich mit den Zeichen des erhabensten Wesens und der Cherubim bekleidet haben...
Da die Anhänger Jesu den verborgenen Sinn dieser Worte nie erfasst haben, und da die Zeichen, die sie und die Führer ihres Glaubens erwartet haben, nicht erschienen sind, haben sie sich, sogar bis heute, geweigert, die Wahrheit jener Manifestationen der Heiligkeit anzuerkennen, die seit den Tagen Jesu geoffenbart worden sind. So haben sie sich selbst der Ausgießung von Gottes heiliger Gnade und der Wunder Seiner göttlichen Sprache beraubt. So niedrig ist ihr Zustand nach diesem, dem Tage der Auferstehung! Sie haben sogar nicht zu begreifen vermocht, dass, wenn die Zeichen der Manifestation Gottes in jedem Zeitalter im sichtbaren Reich in Einklang mit dem Text aufgestellter Überlieferungen erscheinen würden, wohl niemand sie ablehnen oder sich von ihnen abwenden könnte, noch würden die Gesegneten von den Elenden unterschieden werden und der Übertreter von dem Gottesfürchtigen. Urteile ehrlich: Sollten sich die im Evangelium aufgezeichneten Prophezeiungen buchstäblich erfüllen, sollte Jesus, der Sohn Marias, von Engeln begleitet, aus dem sichtbaren Himmel auf `Wolken herabkommen, - wer würde da wagen, nicht zu glauben? Wer würde da wagen, die Wahrheit zu verwerfen und hochmütig zu werden? Nein, eine solche Bestürzung würde alle Erdenbewohner ergreifen, dass keine Seele sich fähig fühlen würde, auch nur ein Wort darüber zu äußern, wie viel weniger denn die Wahrheit zu verwerfen oder anzunehmen."
(Bahá'u'lláh, Das Buch der Gewissheit, S. 53-54, 57-60.)

Nach der vorstehenden Auslegung über das Kommen des Menschensohnes in niedriger menschlicher Gestalt, vom Weib geboren, arm, ungebildet, unterdrückt und für nichts geachtet von den Großen der Erde, ist gerade diese Art des Auftretens der wahre Prüfstein, mit welchem Er das Volk der Erde prüft und die Menschen voneinander sondert, wie ein Schäfer die Böcke scheidet von den Schafen. Diejenigen, deren geistige Augen geöffnet sind, können durch diese Wolken blicken und sich "an der Macht und großen Herrlichkeit", der wahren Herrlichkeit Gottes erfreuen, die zu offenbaren Er kommt. Die andern, deren Augen noch gehalten sind von Vorurteilen und Irrtum, sehen nur die dunklen Wolken und tasten weiter im Dunkel, des gesegneten Sonnenscheins beraubt.

"Siehe, Ich will Meinen Boten senden, der vor Mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu Seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, Er kommt! ... Wer wird aber den Tag Seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn Er erscheint? Denn Er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher ... Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein ... Euch aber, die ihr Meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln ..."
(Maleachi 3,1-2, 19-20.)