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Haus der Andacht in Hofheim / Langenhain bei Frankfurt
 

(16) Bahá'í in Deutschland

Vor dem II. Weltkrieg

Der erste Bahá'í in Deutschland war der deutsch-amerikanische Zahnarzt Dr. Edwin FischerDer erste Bahá'í in Deutschland war der deutsch-amerikanische Zahnarzt Dr. Edwin Fischer, der sich 1904 in Stuttgart niederließ. Als 1913 ´Abdu'l-Bahá Deutschland besuchte, gab es bereits zahlreiche deutsche Bahá'í, und mehrere Bahá'í-Schriften lagen in deutscher Übersetzung vor. 1923 war die Geburtsstunde des ersten geistigen "Nationalrats" für Deutschland (später umbenannt in "Nationaler Geistiger Rat"). Im Mai 1937 wurden der Bahá'í-Glaube und seine administrative Einrichtung durch die Nationalsozialisten (wegen "pazifistischer Umtriebe") verboten. Mehrere Bahá'í wurden verhört und inhaftiert. Es fanden öffentliche Prozesse vor den Sondergerichten statt. In den meisten Fällen blieb es bei Geld- und kurzen Gefängnisstrafen. Das Leid einiger Bahá'í jüdischer Abstammung war jedoch unbeschreiblich groß. Sie wurden 1941 deportiert und ihr Schicksal blieb unbekannt. Bis zum letzten Augenblick vor ihrer Deportation kümmerten sich viele Bahá'í liebevoll um sie.

Nach dem II. Weltkrieg

Erstes europäisches Haus der Andacht in Langenhain am Taunus - erbaut 1962Bald nach Beendigung des Krieges wurde das Verbot aufgehoben, so dass 1946 der Nationale Geistige Rat wieder gewählt werden konnte. Mit dem Bau des ersten europäischen Hauses der Andacht 1962 in Langenhain am Taunus ging für europäische Bahá'í ein seit langem herbeigesehnter Wunsch in Erfüllung. In diesem Tempel finden regelmäßig Andachten mit Gebeten und Lesungen aus heiligen Schriften verschiedener Religionen statt, an denen jeder teilnehmen kann. Anlässlich der weltweiten 100-Jahres-Feier der Verkündung Bahá'u'lláhs an die Herrscher der Welt 1967 fand eine der sechs großen internationalen Bahá'í-Konferenzen in Frankfurt am Main statt, an der 1700 Bahá'í aus ganz Europa teilnahmen. In der Paulskirche zu Frankfurt am Main fand am 26. Mai 1992 eine Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Hinscheidens Bahá'u'lláhs mit über 900 Teilnehmern statt. Über den Verlauf dieser Veranstaltung ist im Bahá'í-Verlag eine 60-seitige Dokumentation erschienen. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die Grußworte an die Teilnehmer richteten, gehörten Bundeskanzler Helmut Kohl und der Ehrenvorsitzende der SPD Willy Brandt. Aus dem Grußwort von Prof. Dr. Karl-Friedrich Freiherr v. Weizsäcker stammen folgende Worte: "Ich habe große Bewunderung für Bahá'u'lláh, dessen 100. Todestag Sie soeben feiern. Ich glaube, dass das, was er als den Auftrag an die Religionen ausgedrückt hat, genau der Wahrheit entspricht."