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Seinsweisen der Gottesoffenbarer

´Abdu'l-Bahá hat in "Beantwortete Fragen" (Bahá'í-Verlag) weiteres Grundlagenwissen zu dem zentralen Themenbereich um die "Gottesoffenbarer" beigetragen.

Die fünf Stufen des Geistes

Wisse, dass es, allgemein gesprochen, fünf Stufen des Geistes gibt.

Der Geist der Pflanze ist die erste Stufe des GeistesZuerst der Geist der Pflanze: Er ist eine Kraft, die aus der Verbindung der Elemente und der Mischung der Stoffe nach dem Ratschluss Gottes, des Erhabenen, hervorgeht unter Einfluss, Wirken und Anschluss anderer Daseinsformen. Wenn diese Stoffe und Elemente voneinander getrennt werden, hört die Kraft des Wachstums auf; wie auch die Elektrizität, um ein anderes Bild zu gebrauchen, aus der Verbindung von Elementen hervorgeht und die elektrische Kraft verloren geht und aufhört, wenn diese Elemente getrennt werden. So ist der Geist der Pflanze.

Die zweite Stufe des Geistes ist der Geist des TieresDanach kommt der Geist des Tieres, der auch aus der Mischung und Verbindung von Elementen herrührt; diese Verbindung aber ist vollkommener; nach dem Ratschluss Gottes, des Allmächtigen, wird eine vollendete Verschmelzung erzielt, und der Geist des Tieres, mit anderen Worten die Kraft der Sinne, erzeugt. Von dem, was sichtbar, hörbar, greifbar, essbar und riechbar ist, nimmt er die Wirklichkeit der Dinge wahr. Auch dieser Geist verschwindet nach der Trennung und Auflösung der zusammengesetzten Elemente entsprechend den Naturgesetzen. Es ist wie mit dieser Lampe, die du hier siehst: Wenn Öl, Docht und Flamme zusammenkommen, entsteht das Licht, aber wenn das Öl aufgezehrt und der Docht verbrannt ist, erlischt auch das Licht.

Der Menschengeist ist die dritte Stufe des GeistesDer Menschengeist kann mit den Sonnenstrahlen, die auf einen Kristall fallen, verglichen werden. Der Körper des Menschen, aus den Elementen zusammengesetzt, ist in der vollendetsten Form gemischt und vereinigt; er ist die gründlichste Gestaltung, die edelste Verbindung, das vollkommenste Wesen. Er wächst und gedeiht durch den Geist des Tieres. Dieser vervollkommnete Körper kann mit einem Kristall und der Menschengeist mit der Sonne verglichen werden. Wenn auch der Kristall bricht, die Strahlen der Sonne bestehen weiter; und wenn der Kristall zerstört wird oder aufhört zu bestehen, bringt dies den Strahlen der Sonne, die ewig ist, keinerlei Schaden.

Dieser Geist hat die Macht zu entdecken; er umfasst alle Dinge. Alle diese wunderbaren Erscheinungen, wissenschaftlichen Erfindungen, großen Unternehmungen und wichtigen geschichtlichen Ereignisse, die du kennst, sind ihm zuzuschreiben. Aus dem Bereich des Unsichtbaren und Verborgenen hat er sie durch geistige Kraft auf die Ebene des Sichtbaren gebracht. So ist der Mensch wohl auf der Erde, aber er macht Entdeckungen am Himmel. Aus bekannten Gegebenheiten, das heißt aus dem, was geläufig und sichtbar ist, schließt er auf unbekannte Dinge. Zum Beispiel befindet er sich auf dieser Erdhälfte, aber er entdeckt, wie Kolumbus, durch die Kraft seines Verstandes die andere Hälfte, Amerika, das bis dahin unbekannt war. Sein Körper ist schwer, aber mit Hilfe eines Apparates, den er sich ersinnt, schwingt er sich gen Himmel empor. Er kann sich nur langsam bewegen, aber durch die Mittel, die er erfindet, reist er nach Osten und Westen mit äußerster Schnelligkeit. Kurz, diese Kraft umfasst alle Dinge.

Dieser Menschengeist hat aber zwei Seiten, eine göttliche und eine satanische, das heißt, er ist der höchsten Vollkommenheit, aber auch der größten Fehlerhaftigkeit fähig. Erwirbt sich der Mensch Tugenden, ist er das edelste aller Wesen, überlässt er sich Lastern, sinkt er zum níedrigsten aller Geschöpfe herab.
Die vierte Stufe des Geistes ist der himmlische Geist
Die vierte Stufe des Geistes ist der himmlische Geist. Er ist der Geist des Glaubens und eine Gabe Gottes. Er kommt aus dem Odem des Heiligen Geistes, und durch göttliche Kraft führt er zum ewigen Leben. Er ist die Kraft, die den irdischen Menschen himmlisch macht und den fehlerhaften vollkommen. Er lässt den Unreinen rein, den Stummen beredt werden, Er reinigt und heiligt die in weltlichen Leidenschaften Gefangenen und wandelt die Toren in Weise.

Der fünfte Geist ist der Heilige GeistDer fünfte Geist ist der Heilige Geist. Er ist der Mittler zwischen Gott und Seinen Geschöpfen. Er gleicht dem der Sonne zugekehrten Spiegel. Wie der reine Spiegel Licht von der Sonne empfängt und diesen Segen anderen weitergibt, so ist der Heilige Geist der Mittler des heiligen Lichtes von der Sonne der Wahrheit, das er den geheiligten Wesen weiterreicht. Er ist mit allen göttlichen Vollkommenheiten geschmückt. Jedes Mal, wenn er erscheint, wird die Welt erneuert und ein neuer Zyklus begründet. Der Körper der menschlichen Welt legt ein neues Gewand an.

Er ist dem Frühling vergleichbar; so oft er kommt, schreitet die Welt von einer Stufe zur anderen. Durch das Kommen der Frühlingszeit wird die dunkle Erde, werden die Felder und Steppen grün und blühend, und alle Arten von Blumen und süß duftende Kräuter wachsen; die Bäume haben neues Leben, frische Früchte erscheinen, und ein neuer Zyklus hat begonnen. So ist das Erscheinen des Heiligen Geistes. Wann immer er erscheint, frischt er die menschliche Welt auf und gibt den menschlichen Wesen einen neuen Geist: Er schmückt die Welt des Seins mit einem prächtigen Gewand, vertreibt die Finsternis der Unwissenheit und macht das Licht der Vollkommenheiten scheinen. Durch diese Kraft hat Christus Sein Zeitalter neu gestaltet; mit ganz neuem Leben und größter Frische schlug der himmlische Frühling sein Zelt in der menschlichen Welt auf, und seelenbelebende Düfte erquickten die Erleuchteten.

Ebenso war das Erscheinen Bahá'u'lláhs einem neuen Frühjahr gleich, das mit heiligem Odem, mit den Heerscharen des ewigen Lebens und mit himmlischer Macht erschien. Es errichtete den Thron des göttlichen Königreichs im Herzen der Welt, belebte die Seelen durch die Kraft des Heiligen Geistes und begründete ein neues Zeitalter.



Gott kann nur durch die göttlichen Offenbarer erkannt werden

Frage: Wie hängt die Wirklichkeit Gottes mit den göttlichen Aufgangsorten und den Stätten der göttlichen Morgendämmerung zusammen? Antwort: Wisse, dass die Wirklichkeit Gottes, oder das wahre Wesen der Einheit, absolute Reinheit und vollkommene Heiligkeit ist, das heißt, sie ist geheiligt und erhaben über jeden Lobpreis. Alle die höchsten Kennzeichnungen der Daseinsstufen entstammen nur der Einbildungskraft, wenn sie auf die Stufe des Göttlichen bezogen werden. Sie ist unsichtbar, unfassbar, unerreichbar, ein reines Sein, das nicht beschrieben werden kann; denn das göttliche Sein umfasst alle Dinge. Das Umfassende ist fürwahr größer als das Umfasste, und das Umfasste kann nicht das Umfassende ermessen noch seine Wirklichkeit begreifen. Wie Weit sich der Verstand auch entwickeln mag, wenn er auch die endgültige Stufe des Begreifens, die Grenze des Verstehens erreichte, er erkennt die göttlichen Zeichen und Eigenschaften nur in der Welt der Schöpfung, nicht in der Welt Gottes. Denn das Wesen und die Kennzeichen des Herrn der Einheit sind auf den Höhen der Heiligkeit, und für die Verstandes- und Vorstellungskräfte gibt es keinen Weg, dieser Stätte nahe zu kommen. "Der Weg ist verschlossen und das Suchen ist verboten."

Es ist klar, dass das menschliche Verständnis eine Eigenschaft des menschlichen Daseins ist und dass der Mensch ein Zeichen Gottes ist; wie könnte die Eigenschaft des Zeichens den Schöpfer des Zeichens umfassen? Das will sagen, wie könnte das Verständnis, das eine Eigenschaft des menschlichen Seins ist, Gott begreifen? Daher ist die Wirklichkeit Gottes vor aller Fassungskraft verborgen und vor dem Verstehen der ganzen Menschheit verhüllt. Es ist völlig unmöglich, zu jener Höhe vorzudringen. Wir sehen, dass alles Tieferstehende nicht fähig ist, die Wirklichkeit des Höherstehenden zu begreifen. So können Stein, Lehm und Baum, so sehr sie sich auch entwickeln mögen, nicht die Wirklichkeit des Menschen begreifen, und obwohl auch sie alle erschaffen wurden, können sie sich die Kräfte des Sehens, Hörens und der anderen Sinne nicht vorstellen. Wie könnte also der erschaffene Mensch die Wirklichkeit des reinen Seins des Schöpfers verstehen? Zu dieser Ebene gibt es keinen Weg für das Verständnis; keine Erklärung genügt, sie zu begreifen, und keine Macht ist da, sie zu deuten. Was hat ein Stäubchen mit der reinen Welt zu tun, und welche Beziehung gibt es zwischen dem begrenzten Verstand und dem unbegrenzten Reich? Der Verstand ist unfähig, Gott zu begreifen, und die Seelen werden verwirrt, wenn sie Ihn verständlich machen wollen. "Die Augen sehen Ihn nicht, aber Er sieht die Augen. Er ist der Allwissende, der Allkundige."

Für diese Seinsebene ist darum jede Feststellung und Erklärung mangelhaft, jedes Lob und jede Beschreibung sind unwürdig, jeder Begriff ist inhaltslos und jedes Nachdenken müßig. Doch gibt es für diesen innersten Kern des Geistes, für diese Wirklichkeit aller Wirklichkeiten, für dieses Geheimnis aller Geheimnisse Widerspiegelungen, Morgenröten, Erscheinungen und Ausstrahlungen in der erschaffenen Welt. Die Stätte der Morgendämmerung dieses Glanzes, der Ort dieser Widerspiegelungen und die Erscheinung dieser Offenbarungen sind die heiligen Aufgangsorte, die weltumfassenden Wirklichkeiten und die göttlichen Wesen, die die wahren Spiegel des geheiligten Seins Gottes sind.
Alle Vollkommenheiten, die Gnadengaben und Herrlichkeiten, die von Gott kommen, sind in der Wirklichkeit der heiligen Offenbarer sichtbar und offenkundig, wie die Sonne, die sich in einem reinen, geschliffenen Spiegel mit all ihrer Vollkommenheit und Lichtesfülle widerspiegelt. Wenn gesagt wird, dass die Spiegel die Offenbarungen der Sonne und die Dämmerungsorte des aufgehenden Gestirns seien, bedeutet das nicht, dass die Sonne von der Höhe ihrer Heiligkeit herabgestiegen und im Spiegel verkörpert sei oder dass die unbegrenzte Wirklichkeit auf diesen Erscheinungsort beschränkt sei. Gott behüte! Das ist der Glaube der Anhänger des Anthropomorphismus. Nein, vielmehr beziehen sich alle Lobpreisungen, Beschreibungen und Verherrlichungen auf die heiligen Offenbarer. Das heißt, alle Beschreibungen, Eigenschaften, Namen und Kennzeichnungen, die wir erwähnen, weisen auf die göttlichen Offenbarer; denn da niemand zur Wirklichkeit des Wesens Gottes gelangt ist, kann sie niemand beschreiben, erklären, preisen oder verherrlichen. Was also die menschliche Wirklichkeit von den Namen, Eigenschaften und Vollkommenheiten Gottes weiß, entdeckt und versteht, bezieht sich auf diese heiligen Offenbarer. Es gibt keinen Zugang zu etwas anderem: "Der Weg ist verschlossen und das Suchen ist verboten."

Trotzdem sprechen wir von den Namen und Eigenschaften der Wirklichkeit Gottes, und wir preisen Ihn, indem Wir Ihm Augen, Ohren, Macht, Leben und Wissen zuschreiben. Wir bejahen diese Namen und Eigenschaften, nicht um die Vollkommenheiten Gottes zu beweisen, sondern um zu verneinen, dass Er Unvollkommenheiten haben könnte. Wenn wir die bestehende Welt betrachten, sehen wir, dass Unwissenheit Unvollkommenheit und Erkenntnis Vollkommenheit ist; darum sagen wir, dass das geheiligte Wesen Gottes Weisheit ist. Schwäche ist Unvollkommenheit und Kraft ist Vollkommenheit, folglich sagen wir, dass das geheiligte Wesen Gottes der Gipfel der Macht ist.
Es ist nicht so, dass wir Sein Wissen, Sein Sehen, Seine Macht und Sein Leben begreifen könnten, denn das steht weit über unserem Verständnis. Die wesenhaften Namen und Eigenschaften Gottes sind identisch mit Seinem innersten Wesen, und dieses ist erhaben über alle Fassungskraft. Wenn die Eigenschaften nicht mit dem Wesen identisch wären, müsste es eine Vielzahl von Präexistenzen geben, und Unterschiede zwischen den Eigenschaften und dem Wesen müssten auch bestehen: Folglich würde, da ein früheres Dasein zwangsläufïg ist, die Aufeinanderfolge von Präexistenzen unendlich werden. Dies wäre ein offensichtlicher Irrtum.



Alle diese Eigenschaften, Namen, Verherrlichungen und Lobpreisungen beziehen sich also auf die Träger der Offenbarung; und alles, was wir uns über diese hinaus vorstellen und ausdenken, ist bloße Einbildung, denn wir haben keine Mittel, das Unsichtbare und Unzugängliche zu begreifen. Darum wurde gesagt: "Alles, was ihr in euren scharfsinnigen geistigen Bildwerken mit Hilfe der Selbsttäuschung eurer Einbildungskraft unterschieden habt, ist nur eine Schöpfung gleich euch und fällt auf euch zurück." Es ist klar, dass, wenn wir uns die Wirklichkeit Gottes vorstellen wollen, diese Einbildung das Umfasste ist und wir das Umfassende sind, und es ist gewiss, dass das Umfassende größer als das Umfasste ist. Wenn wir uns eine göttliche Wirklichkeit außerhalb der heiligen Offenbarer vorstellen, ist es daher sicher und offenkundig, dass es bloße Einbildung ist; denn es gibt keinen Weg, der Wirklichkeit Gottes nahe zu kommen, der uns nicht verschlossen wäre, und alles, was wir uns vorstellen, ist nichts als Vermutung.

Überlege, dass verschiedene Völker der Welt ihren Einbildungen nachhängen und wie Götzendiener ihre eigenen Gedanken und Mutmaßungen anbeten. Sie sind sich dessen nicht bewusst; sie halten ihre Vorstellungen für die Wirklichkeit, die fern von jedem Begreifen und geläutert von allen Beschreibungen ist. Sie betrachten sich selbst als das Volk der Einheit und die anderen als Götzendiener; Götzenbilder haben aber wenigstens eine stoffliche Existenz, während die Bilder der menschlichen Gedanken und Vorstellungen nur Einbildungen sind und nicht einmal im Stofflichen bestehen. "So seid gewarnt, die ihr Einsicht besitzt!"

Wisse, dass die vollkommenen Eigenschaften, das Leuchten der göttlichen Gnadengaben und das Licht der Eingebung in allen heiligen Offenbarern sichtbar und offenkundig sind. Das herrliche Wort Gottes aber, Christus, und der Größte Name, Bahá'u'lláh, sind Offenbarungen und Zeichen, die jenseits aller Einbildungskraft stehen; denn Sie besitzen alle Vollkommenheiten der früheren Offenbarer und darüber hinaus noch weitere, die die anderen Offenbarer von Ihnen abhängig machen. So waren alle Propheten Israels der Mittelpunkt von Eingebungen, und auch Christus empfing Erleuchtung; welch größer Unterschied besteht aber zwischen der göttlichen Eingebung des Wortes Gottes und den Offenbarungen Jesajas, Jeremias und Elias"!
Bedenke, dass das Licht der Ausdruck von Schwingungen ätherischen Stoffes ist; diese Schwingungen treffen auf die Nerven des Auges und dadurch entsteht das Sehen. Das Licht der Lampe sehen wir infolge der Schwingungen ätherischen Stoffes, und ebenso das Licht der Sonne, aber welch ein Unterschied besteht zwischen dem Licht der Sonne und dem der Sterne und der Lampe!

Der menschliche Geist zeigt und offenbart sich auf der Stufe des Embryos und auch auf der der Kindheit und Reife, und er glänzt und ist offenkundig auf der Stufe der Vollkommenheit. Der Geist ist derselbe, aber auf der Stufe des Embryos fehlen ihm die Kräfte des Sehens und Hörens. Im Zustand der Reife und Vollendung zeigen sie sich in größter Helle und Pracht. In gleicher Weise entfalten sich aus dem Samen am Anfang Blätter, in denen sich der Geist der Pflanze zeigt; im Zustand der Frucht offenbart sich derselbe Geist, das heißt, die Kraft des Wachstums erscheint in höchster Vollendung. Welch ein Unterschied besteht aber zwischen der Stufe der Blätter und der der Früchte! Denn aus der Frucht entfalten sich hunderttausend Blätter, und doch wachsen und entwickeln sie sich durch denselben Geist der Pflanze. Beachte den Unterschied zwischen den Tugenden und Vollkommenheiten Christi, der Herrlichkeit und dem Glanz Bahá'u'lláhs einerseits, und den Eigenschaften der Propheten Israels, wie Hesekiel oder Samuel, andererseits. Alle waren Offenbarer göttlicher Ergebung, aber zwischen ihnen besteht ein unendlicher Unterschied.



Die drei Seinsweisen der göttlichen Offenbarer

Wisse, dass die heiligen Offenbarer, wenn auch die Grade ihrer Vollkommenheit unendlich sind, allgemein gesprochen, nur drei Seinsweisen haben. Die erste ist die körperliche, die zweite die menschliche, welche die der mit Vernunft begabten Seele ist, und die dritte die der göttlichen Erscheinung und des himmlischen Glanzes.

Die körperliche Erscheinungsform ist erschaffen; sie ist aus Elementen zusammengesetzt, und notwendigerweise folgt jeder Zusammensetzung eine Auflösung. Es ist nicht möglich, den Zerfall einer Zusammensetzung zu verhindern.

Die zweite Stufe ist die der mit Vernunft begabten Seele, die die menschliche Wirklichkeit darstellt; auch diese ist erschaffen, und die heiligen Offenbarer haben sie mit allen menschlichen Geschöpfen gemein.
Wisse, dass die menschliche Seele erschaffen wurde, obwohl sie seit undenkbar langen Zeiten auf der Erde lebt. Da sie ein göttliches Zeichen ist, ist sie, einmal ins Leben gerufen, unvergänglich. Der Menschengeist hat einen Anfang, aber kein Ende; er lebt in alle Ewigkeit. Auch die auf der Erde lebenden Arten sind erschaffen, denn es steht fest, dass es eine Zeit gab, in der diese Arten nicht auf der Erdoberfläche lebten. Nicht einmal die Erde hat immer bestanden, nur die Welt des Daseins ist von jeher da gewesen, denn das Weltall ist nicht auf diese Erdkugel beschränkt. Damit soll gesagt werden, dass menschliche Seelen, obwohl sie erschaffen sind, doch unsterblich, unvergänglich und ewig sind. Denn die Welt des Stoffes ist die Welt der Unvollkommenheit in Bezug auf den Menschen, und die menschliche Welt ist die der Vollkommenheit verglichen mit der Welt des Stoffes. Wenn die Unvollkommenheit zur Stufe der Vollkommenheit aufsteigt, wird sie unvergänglich. Dies ist ein Beispiel, dessen Bedeutung du verstehen musst.

Die dritte Stufe ist die der göttlichen Erscheinung und des himmlischen Glanzes; sie ist das Wort Gottes, die ewige Gnade, der Heilige Geist. Sie hat keinen Anfang und kein Ende, denn das gibt es nur in der erschaffenen und nicht in der göttlichen Welt. Für Gott ist Ende und Anfang dasselbe. So ist das Rechnen nach Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, das Gestern und Heute mit der Erde verbunden, aber in der Sonne gibt es so etwas nicht - sie kennt weder Gestern, Heute und Morgen, noch Monate oder Jahre - alle sind gleich.
Ebenso ist das Wort Gottes von allen diesen Bedingungen geläutert und frei von den Grenzen, den Gesetzen und Beschränkungen der bedingten Welt.

Die Wirklichkeit des Prophetentums, die das Wort Gottes und die vollkommene Offenbarung ist, hatte deshalb keinen Anfang und wird kein Ende haben; ihr Ursprung ist verschieden von allen anderen und dem Aufgang der Sonne zu vergleichen. Zum Beispiel ging sie im Zeichen Christi mit größter Pracht und Herrlichkeit auf, und diese Wirklichkeit ist ewig und unvergänglich. Sieh doch, wie viele welterobernde Könige gelebt haben, wie viele Staatsmänner und Fürsten, mächtige Führer - alle sind sie dahingegangen. Aber die Lüfte Christi wehen immer noch, Sein Licht leuchtet, Seine Melodie ertönt, noch immer flattert Sein Banner, Seine Heerscharen kämpfen, Seine himmlische Stimme erklingt in süßem Wohlklang, Seine Wolken senden noch immer belebenden Regen, Seine Blitze flammen, Seine Offenbarung ist hell und glanzvoll, Seine Herrlichkeit strahlt und leuchtet immer noch. Ebenso ist es bei jenen Seelen, die unter Seinem Schutze stehen und sich von Seinem Lichte erleuchten lassen.

Es ist also klar, dass den Offenbarern drei Seinsweisen eignen: Die körperliche Stufe, die der mit Vernunft begabten Seele und die Stufe der göttlichen Erscheinung und himmlischen Herrlichkeit. Die körperliche Erscheinungsform wird sicher vergehen, aber die der mit Vernunft begabten Seele hat, obwohl einen Anfang, kein Ende; ihr wurde ewiges Leben geschenkt. Und die heilige Wirklichkeit, von der Christus sagt: "Der Vater ist im Sohn", hat weder Anfang noch Ende. Wenn man von einem Anfang spricht, meint man die Zeit des Erscheinens der Offenbarung; und die Zeit ihres Schweigens wird symbolisch mit dem Schlaf verglichen. Nehmen wir als Beispiel einen Mann, der schläft. In dem Augenblick, wo er zu sprechen anfängt, ist er wach - aber es ist immer derselbe Mensch, ob er schläft oder wacht; seine Stellung, seine Würde, seine Ehre, seine Wirklichkeit oder seine Natur haben sich nicht verändert. Der Zustand des Schweigens wird mit dem Schlaf und der des Offenbarens mit dem Wachsein verglichen. Der Mensch ist derselbe, ob er schläft oder wacht; Schlaf ist ein Zustand und Wachsein ein anderer. Die Zeit des Schweigens wird mit dem Schlaf verglichen und die Offenbarung und Rechtleitung mit dem Wachsein.
Im Evangelium heißt es: "lm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott." So ist es also klar und offenkundig, dass Christus die Stufe des Messias und ihre Vollkommenheiten nicht erst zur Zeit der Taufe, als der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Ihn herab kam, erreichte. Denn das Wort Gottes war von aller Ewigkeit auf der Höhe der Heiligkeit und wird es immer sein.



Über die menschliche und göttliche Seinsweise der Offenbarer

Wir sagten, dass die Offenbarer drei Stufen haben. Als erste die physische Wirklichkeit, die vom Körper abhängt; als zweite die persönliche Wirklichkeit, das heißt die mit Vernunft begabte Seele; als dritte die göttliche Erscheinung, die dasselbe ist wie die göttlichen Vollkommenheiten, die Ursache des Daseins, der Erziehung der Seelen, der Führung der Menschen und der Erleuchtung der bedingten Welt.

Die physische Stufe ist der menschliche Zustand, der vergeht, weil er aus Elementen zusammengesetzt ist; und jede Vermischung von Elementen wird sich notwendigerweise trennen und auflösen.

Die persönliche Wirklichkeit der Offenbarer Gottes aber ist eine heilige Wirklichkeit, und sie ist deshalb geheiligt und in dem, was ihre Eigenschaft und ihr Wesen betrifft, vor allen anderen Dingen ausgezeichnet. Sie ist wie die Sonne, die durch ihre Wesensanlage Licht hervorbringt, und kann nicht mit dem Mond verglichen werden; genau wie die Teile, aus denen sich der Sonnenkörper zusammensetzt, nicht mit denjenigen verglichen werden können, die den Mond ausmachen. Die Teilchen der Sonne und ihre Anordnung bringen Strahlen hervor, die Teilchen, aus denen der Mond besteht, erzeugen aber keine Strahlen, sondern müssen Licht entlehnen. So sind die anderen menschlichen Wirklichkeiten solche Seelen, die wie der Mond Licht von der Sonne nehmen; aber jene heilige Wirklichkeit leuchtet aus sich selbst.

Die dritte Stufe dieses Wesens ist die göttliche Gnade, der Glanz der ewigen Schönheit und das Leuchten des Lichtes des Allmächtigen. Die persönlichen Wirklichkeiten der göttlichen Offenbarer sind von der Gnade Gottes und der himmlischen Herrlichkeit nicht getrennt. Auch Körper und Licht der Sonne können nicht auseinander gehalten werden. Man kann deshalb sagen, dass der Heimgang des heiligen Offenbarers einfach das Verlassen der natürlichen Gestalt ist. Wenn zum Beispiel eine Lampe diese Nische beleuchtet und wenn ihr Licht wegen Zerstörung der Nische aufhört, diese zu beleuchten, so hört der Segen der Lampe damit nicht auf. Kurz, in den heiligen Offenbarern ist die ewige Gnade dem Lichte gleich, die persönliche Wirklichkeit wird durch die Lampe dargestellt, und der menschliche Körper wird mit der Nische verglichen. Wird die Nische zerstört, so brennt die Lampe doch weiter. Die göttlichen Offenbarer sind so viele verschiedene Spiegel, weil jeder eine einzigartige Persönlichkeit ist, aber es ist eine Sonne, die sich in den Spiegeln zeigt. Es ist offensichtlich, dass die Wirklichkeit Christi anders ist als Moses Wirklichkeit.

Die heilige Wirklichkeit ist sich, fürwahr, von Anbeginn des Geheimnisses des Seins bewusst, und vom Kindesalter an erscheinen die Zeichen der Größe und werden in ihr sichtbar. Wie könnte es also sein, dass sie mit allen diesen Gnadengaben und Vollkommenheiten ohne höheres Wissen wäre?

Wir haben erwähnt, dass die heiligen Offenbarer drei Stufen haben; die körperliche, die persönliche Wirklichkeit und die des Mittelpunkts der Erscheinung der Vollkommenheit: Es ist wie die Sonne, ihre Hitze und ihr Licht. Die anderen Menschen haben die Stufe des Körpers und die der mit Vernunft begabten Seele - des Geistes und Verstandes. Wenn nun gesagt wird: "Ich schlief, da wehte der Odem Gottes über Mich hin, und Ich erwachte", ist dies dem Christuswort ähnlich: "Der Leib ist verzagt, aber der Geist ist freudevoll", oder den Redewendungen: "Ich bin betrübt, oder in Sorge, oder ich fühle mich behaglich." All dies bezieht sich auf die körperliche Erscheinungsform und spielt weder auf die persönliche Wirklichkeit noch auf die Offenbarung der göttlichen Wirklichkeit an. Denke darüber nach, welch tausenden von Wechselfällen der menschliche Körper unterworfen sein kann; aber der Geist wird nicht durch sie berührt. Es kann sogar sein, dass einige Glieder des Körpers völlig verkrüppeln, aber das Wesen des Verstandes bleibt und ist unverwüstlich. Ein Kleidungsstück mag auf tausend Arten beschädigt werden, aber für seinen Träger ist keine Gefahr. Der Ausspruch Bahá'u'lláhs: "Ich schlief, da wehte der Odem Gottes über Mich hin und erweckte Mich", bezieht sich auf den Körper.

In der Welt Gottes gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine Gegenwart; alle sind eins. Wenn Christus sagte: "lm Anfang war das Wort", heißt das, es war, ist und wird sein; denn in der Welt Gottes existiert die Zeit nicht. Die Zeit herrscht über die Geschöpfe, aber nicht über Gott. So wird im Vaterunser gesagt: "Dein Name werde geheiligt"; das bedeutet, dass Dein Name geheiligt war, ist und sein wird. Morgen, Mittag und Abend stehen zu dieser Erde in Beziehung, für die Sonne aber gibt es weder Morgen noch Mittag oder Abend.



Das Wissen der Offenbarer

Frage: Eine der Kräfte, die die göttlichen Offenbarer besitzen, ist Wissen. Bis zu welchem Grade ist es begrenzt?

Antwort: Es gibt zwei Arten von Wissen: persönlich angeborenes und erworbenes, das heißt ein von innen kommendes und ein auf Wahrnehmung beruhendes Wissen.
Das Wissen um die Dinge, das die Menschen im allgemeinen haben, wird durch Überlegung oder aufgrund der Offenkundigkeit gewonnen. Das heißt, das Begreifen eines Gegenstandes wird entweder durch Verstandeskraft gebildet, oder durch Betrachten eines Gegenstandes wird das Bild im Spiegel des Herzens gewonnen. Der Kreis dieses Wissens ist sehr begrenzt, weil es erarbeitet und erworben werden muss.

Die zweite Art des Wissens aber, die wesentliche, kommt von innen und ist wie die Erkenntnis und das Bewusstsein des Menschen von sich selbst. Zum Beispiel wissen Verstand und Geist des Menschen um die Beschaffenheit und den Zustand der Glieder und Bestandteile des Körpers und sind sich der Körperempfindungen bewusst; ebenso haben sie von ihren geistigen Empfindungen, Umständen und Kräften Kenntnis. Dies ist die Kenntnis des Daseins, das der Mensch wahrnimmt und sich vergegenwärtigt; denn der Geist umfasst den Körper und hat Kunde von dessen Gefühlen und Kräften. Dieses Wissen wird nicht erworben und erarbeitet, es ist mitbekommen und reine Gnade.

Weil die geheiligten Wirklichkeiten, die allumfassenden Offenbarungen Gottes, das Wesen und die Eigenschaften der Geschöpfe umgreifen, alle bestehenden Wirklichkeiten übersteigen und in sich begreifen, und weil sie alles verstehen, darum ist ihr Wissen göttlich und nicht erworben; das heißt, es ist göttliche Gnadengabe und heilige Offenbarung. Wir erwähnen ein Beispiel, um dieses Thema zu erläutern: Der Mensch ist das edelste der irdischen Geschöpfe. Er umfasst das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich, das heißt, diese Seinsweisen sind in einem solchen Umfang im Menschen enthalten, dass er diese Stufen und Zustände beherrscht; er hat Kenntnis von ihren Geheimnissen und den Rätseln ihres Seins. Dies ist nur ein Beispiel, aber keine Übereinstimmung.

Kurz, die allumfassenden Offenbarer Gottes wissen um die Wirklichkeit der Geheimnisse der Geschöpfe, darum geben sie Gesetze, die geeignet und den Gegebenheiten der menschlichen Welt angepasst sind; denn Religion ist die unentbehrliche Verbindung, die aus der Wirklichkeit der Dinge hervorgeht. Wenn der Offenbarer, nämlich der heilige Gesetzgeber, kein Wissen um die Wirklichkeit der Geschöpfe hätte, könnte er die notwendige Verbindung, die aus den gegebenen Wirklichkeiten hervorgeht, nicht verstehen und wäre sicherlich nicht imstande, eine Religion zu errichten, die den Tatsachen entspricht und den Umständen angepasst ist.

Die Propheten Gottes, die allumfassenden Offenbarer, gleichen erfahrenen Ärzten, und die bedingte Welt ist wie der menschliche Körper: Die göttlichen Gesetze sind dann Arznei und ärztliche Behandlung. Folglich muss der Arzt Kenntnis und klares Wissen um alle Organe und Teile, um die Natur und die Verfassung des Kranken haben, damit er eine Arznei verschreiben kann, die gegen das tödliche Gift der Krankheit wirksam ist. Tatsächlich schließt der Arzt von der Krankheit auf die Behandlung, die für den Patienten geeignet ist, denn er stellt die Diagnose und verschreibt dann das Heilmittel. Wenn die Krankheit nicht festgestellt wäre, wie könnten Arznei und Behandlung verordnet werden? Der Arzt muss also von der Natur, den Körperteilen und Organen und von dem Zustand des Patienten genaue Kenntnis haben und mit allen Krankheiten und allen Heilmitteln vertraut sein, um eine passende Medizin verschreiben zu können.

Religion ist also die notwendige Verbindung, die aus der Wirklichkeit der Gegebenheiten erwächst; und weil die allumfassenden Offenbarer Gottes von den Geheimnissen des Daseins Kenntnis haben, darum verstehen sie diese unerlässliche Verbindung und stellen aufgrund dieses Wissens das Gesetz Gottes auf.



Die universalen Zyklen

Frage: Welches ist die wirkliche Erklärung der Zyklen, die es in der Welt des Daseins gibt?
Antwort: Jeder leuchtende Stern an diesem unendlichen Firmament hat eine Umlaufzeit von unterschiedlicher Dauer, dreht sich in seiner eigenen Bahn und beginnt immer wieder mit einem neuen Zyklus. So vollendet die Erde alle 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und einen Bruchteil von Sekunden einen Umlauf; dann fängt sie einen neuen Zyklus an, das heißt, der erste Umlauf wird wiederholt. Ebenso gibt es für das ganze Weltall, sei es für die Himmel oder für die Menschen, Zyklen großer Geschehnisse, wichtiger Tatsachen und Ereignisse.

Wenn ein Zyklus beendet ist, beginnt ein neuer, und der alte wird wegen der großen, stattfindenden Geschehnisse völlig vergessen, und keine Aufzeichnung oder Spur wird von ihm bleiben. Wie du siehst, haben wir von der Zeit vor zwanzigtausend Jahren keinerlei Aufzeichnungen, obwohl wir zuvor durch Schlussfolgerung nachgewiesen haben, dass das Leben auf dieser Erde schon sehr alt ist. Es ist nicht nur hunderttausend oder zweihunderttausend oder eine Million oder zwei Millionen Jahre alt, sondern es ist uralt, und die alten Berichte und Spuren sind völlig ausgelöscht.

So hat auch jeder göttliche Offenbarer einen Zyklus, und während dieser Zeit werden Seine Gesetze und Anordnungen ausgeführt und erfüllt. Wenn Sein Zyklus durch das Erscheinen eines neuen Offenbarers beendet wird, beginnt ein neuer Zyklus. Auf diese Weise beginnen, enden und erneuern sich die Zyklen, bis ein universaler Zyklus in der Welt vollendet wird. In solchen Zeiten finden wichtige Geschehnisse und große Ereignisse statt, die jede Spur und jede Aufzeichnung der Vergangenheit völlig verwischen. Dann beginnt ein neuer universaler Zyklus in der Welt, denn diese Welt hat keinen Anfang. Hierüber haben Wir schon früher klare Beweise aufgestellt, so dass keine Notwendigkeit zur Wiederholung besteht.

Kurz, Wir sagen, dass ein universaler Zyklus in der Welt des Daseins eine lange Zeitdauer und zahllose unmessbare Perioden und Epochen bezeichnet. In einem solchen Zyklus erscheinen die Offenbarer mit hellem Glanz in der sichtbaren Welt, bis ein großer, allumfassender Offenbarer die Welt zum Mittelpunkt Seines Leuchtens macht. Seine Erscheinung bringt die Welt zur Reife, und die Ausdehnung Seines Zyklus ist sehr groß. Später erheben Sich andere Offenbarer unter Seinem Schatten, die entsprechend den Bedürfnissen der Zeit gewisse Anordnungen, die sich auf materielle Fragen und Angelegenheiten beziehen, erneuern werden; aber Sie stehen in Seinem Schatten. Wir leben in dem Zyklus, der mit Adam begann und dessen allumfassende Offenbarung Bahá'u'lláh ist.



Macht und Einfluss der göttlichen Offenbarer

Frage: Wie weit reichen Macht und Vollkommenheit der Throne der Wirklichkeit, der Offenbarer Gottes, und wo ist die Grenze ihres Einflusses?
Antwort: Betrachte die Welt des Daseins, das heißt den stofflichen Weltraum. Im Sonnensystem, das selbst dunkel und finster ist, ist die Sonne der Mittelpunkt des Lichtes; alle Planeten umkreisen ihre Macht und nehmen an ihren überströmenden Gaben teil. Die Sonne ist die Ursache des Lebens und der Erleuchtung, des Wachstums und der Entfaltung aller Geschöpfe ihres Systems; denn ohne die Freigebigkeit der Sonne könnte kein lebendes Wesen existieren, sondern alles wäre dunkel und wüst. Es ist also offenkundig und klar, dass die Sonne der Mittelpunkt des Lichtes und die Ursache des Lebens der Geschöpfe des Sonnensystems ist.

Ebenso sind die heiligen Offenbarer Gottes Mittelpunkt des Lichtes der Wahrheit, der Quelle der Geheimnisse und der Gnadengaben der Liebe. Sie erleuchten die Welt der Herzen und Gedanken und überschütten die Welt des Geistes mit unvergänglicher Gnade; sie geben geistiges Leben und erstrahlen im Licht der wahren Natur und inneren Bedeutung.
Die Erleuchtung der Welt der Gedanken geht von diesen Mittelpunkten des Lichts und Quellen der Geheimnisse aus. Ohne die Gnade der Herrlichkeit dieser heiligen Wesen und ohne ihre Anleitung wäre die Welt der Seelen und Gedanken undurchdringliche Finsternis. Ohne die unwiderlegbaren Lehren dieser Quellen der Geheimnisse würde die menschliche Welt zum Tummelplatz tierischer Triebe und Eigenschaften, wäre das ganze Dasein unwirklich und gäbe es kein eigentliches Leben. Darum heißt es im Evangelium: "lm Anfang war das Wort", mit der Bedeutung, dass es zur Ursache für alles Leben wurde.

Beachte nun den Einfluss der Sonne auf die ganze irdische Schöpfung und welche Zeichen und Folgen aus ihrem Fern- und Nahesein, aus ihrem Auf- und Untergang sich klar und deutlich ergeben. Einmal ist Herbst, einmal Frühling, einmal Sommer und einmal Winter. Wenn die Sonne die Äquatorlinie überschreitet, erscheint der Leben spendende Frühling in seiner Herrlichkeit, und wenn sie die Sommersonnenwende erreicht, erlangen die Früchte ihre höchste Reife; Getreide und Pflanzen bringen ihren Ertrag, und das irdische Sein erreicht den Höhepunkt seines Wachstums und seiner Entwicklung.
In gleicher Weise ist der heilige Offenbarer Gottes die Sonne der Welt der Geschöpfe; wenn Er auf die Welten des Geistes, der Gedanken und Herzen scheint, beginnt ein geistiger Frühling und neues Leben; die Kraft der wundervollen Frühjahrszeit wird sichtbar, und ungeahnte Wohltaten zeigen sich. Wie du beobachtet hast, findet sich zur Zeit des Erscheinens jeder Manifestation Gottes ein außerordentlicher Fortschritt in der Welt des Verstandes, der Gedanken und des Geistes. Beachte zum Beispiel, welche Entwicklung in diesem göttlichen Zeitalter in der Welt des Verstandes und der Gedanken erreicht wurde, dabei ist dies erst der Beginn seines Aufgehens. Bald wird es sich zeigen, dass die neuen Gnadengaben und göttlichen Lehren diese dunkle Welt erleuchten und diese kummervollen Lande zum erhabenen Paradies umwandeln werden.

Wenn Wir die Zeichen und Gnadengaben jedes heiligen Offenbarers erklären wollten, würde es zu lange dauern. Vertiefe dich und denke selbst darüber nach, dann wirst du die Wahrheit dieser Frage erkennen.



Die zwei Arten von Propheten

Frage: Wie viele Arten von Propheten gibt es?
Antwort: Es gibt zwei Arten von Propheten. Zur einen Art gehören die unabhängigen Propheten, denen andere nachfolgen; zur anderen Art gehören die abhängigen, die den unabhängigen Propheten nachfolgen. Die unabhängigen Propheten sind die Gesetzgeber und die Begründer eines neuen Zeitalters. Durch Ihr Erscheinen erhält die Welt ein neues Gewand, die Grundlagen der Religion werden wiederhergestellt, und ein neues Buch wird geoffenbart. Ohne Vermittler empfangen Sie die Gnade aus der Wirklichkeit Gottes, und Ihre Erleuchtung ist eine wesenhafte. Sie sind wie die Sonne, die aus sich selbst leuchtet: Das Licht ist ihre Wesensnotwendigkeit, sie empfängt es nicht von einem anderen Gestirn. Diese Aufgangspunkte des Morgens der Einheit sind die Quellen der Gnade und die Spiegel für das Wesen der Wahrheit.

Die anderen Propheten sind Nachfolger und Stützen, denn sie sind Zweige und nicht unabhängig. Sie empfangen die Gnadengabe von den unabhängigen Propheten und benützen das Licht der Führung der allumfassenden Propheten. Sie gleichen dem Mond, der nicht aus sich selbst leuchtet und strahlt, sondern sein Licht von der Sonne empfängt.
Die Manifestationen des allumfassenden Prophetentums, die unabhängig erschienen, sind zum Beispiel Abraham, Moses, Christus, Muhammad, der Báb und Bahá'u'lláh. Die anderen aber, wie Salomo, David, Jesaja, Jeremia und Hesekiel, sind Nachfolger und Verbreiter. Denn die unabhängigen Propheten sind Stifter, Sie begründen eine neue Religion und wandeln die Menschen zu neuen Geschöpfen. Sie veredeln das allgemeine sittliche Verhalten, verbreiten neue Gebräuche und Regeln und erneuern das Zeitalter und das religiöse Gesetz. Ihr Erscheinen gleicht dem Frühling, der alle irdischen Geschöpfe mit einem neuen Gewand schmückt und ihnen neues Leben gibt.

Auch die zweite Art von Propheten, die Nachfolger sind, verbreitet das Gesetz Gottes, macht Seine Religion bekannt und verkündet Sein Wort. Aus sich selbst haben sie keine Kraft und keine Macht, sondern empfangen sie von den unabhängigen Propheten.

Frage: Zu welcher Klasse gehören Buddha und Konfuzius?
Antwort: Auch Buddha stiftete eine neue Religion, während Konfuzius die Sitten und alten Tugenden erneuerte; ihre Einrichtungen aber sind völlig zugrunde gegangen. Die Glaubenslehren und Kultvorschriften der Anhänger Buddhas und des Konfuzius wurden nicht entsprechend ihren ursprünglichen Grundsätzen weitergeführt. Der Begründer des Buddhismus war eine wunderbare Seele. Er führte die Lehre von der Einheit Gottes ein, aber später gingen die ursprünglichen Grundsätze Seiner Lehren allmählich verloren, und törichte Gebräuche und Zeremonien entstanden und wuchsen, bis sie schließlich in der Anbetung von Statuen und Bildern endeten.

Denke daran, dass Christus immer wieder darauf hingewiesen hat, dass die Zehn Gebote des Alten Testaments befolgt werden sollen, und Er bestand darauf, dass an ihnen festgehalten werde. Eines unter den Zehn Geboten heißt: "Du sollst kein Bildnis oder Gleichnis anbeten." In vielen christlichen Kirchen gibt es aber heute zahlreiche Bilder und Statuen. Es ist also klar und offenkundig, dass die Religion Gottes unter den Völkern nicht bei ihren ursprünglichen Grundsätzen verbleibt, sondern dass sie allmählich geändert und umgewandelt wird, bis sie schließlich völlig zerrüttet und aufgehoben ist. Darum wird die Offenbarung erneuert und ein neues religiöses Gesetz begründet. Würden aber die Religionen nicht verändert und umgewandelt, gäbe es kein Bedürfnis für eine Erneuerung.

Am Anfang stand der Baum in seiner ganzen Schönheit, bedeckt mit Blüten und Früchten; endlich aber wurde er alt, trug keine Früchte mehr und verdorrte und moderte. Darum pflanzt der wahre Gärtner wiederum einen unvergleichlichen jungen Baum derselben Gattung und Art, der Tag für Tag wächst und sich entfaltet, im göttlichen Garten weithin Schatten spendet und köstliche Früchte hervorbringt. Ebenso ist es mit den Religionen: Im Laufe der Zeiten verändern sich ihre ursprünglichen Grundsätze, die Wahrheit der Religion Gottes geht ganz verloren und ihr Geist entflieht; Irrlehren treten auf, und sie wird zu einem Körper ohne Seele. Dies ist der Grund für ihre Erneuerung.

Damit soll gesagt sein, dass die buddhistischen und konfuzianischen Völker heute Bilder und Statuen verehren. Sie wissen nichts mehr von der Einheit Gottes, sondern glauben an Götter ihrer Einbildung wie die alten Griechen. Anfangs war es aber nicht so, sondern es herrschten ganz andere Prinzipien und Gebräuche.
Bedenke noch einmal, wie sehr die Grundlagen der Religion Christi in Vergessenheit geraten und wie viele Irrlehren in sie eingedrungen sind. Zum Beispiel verbot Christus Gewalt und Rache; überdies gebot Er, Unrecht und Böses mit Güte und Verzeihung zu erwidern. Denke nun darüber nach, wie viele blutige Kriege die christlichen Völker unter sich geführt haben, und wie viel Unterdrückung, Grausamkeit, Rohheit und Blutgier sich ergeben hat! Viele dieser Kriege wurden auf Veranlassung der Päpste geführt. Somit ist es klar und offenkundig, dass die Religionen sich im Laufe der Zeit völlig ändern und wandeln. Deshalb werden sie erneuert.